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Radikulopathie

Eine Radikulopathie ist die Schädigung oder Reizung einer Nervenwurzel. So nennt man die Nervenzellen im Rücken dort, wo sie in das Rückenmark eintreten. Neben Schmerzen kann sich eine Radikulopathie auch mit Gefühlsausfällen und Lähmungserscheinungen bemerkbar machen. Auslöser sind häufig Bandscheibenvorfälle, außerdem zählen Veränderungen an der knöchernen Wirbelsäule und Entzündungen zu den Ursachen. Lesen Sie alles über die Radikulopathie, wie man sie diagnostiziert und behandelt!

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Radikulopathie: Beschreibung

Als Radikulopathie bezeichnet man in der Medizin allgemein Beschwerden, die durch die Schädigung oder Reizung einer Nervenwurzel entstehen. Sind mehrere Nervenwurzeln betroffen, spricht man von einer Polyradikulopathie.

Eine Radikulitis ist dagegen die Entzündung einer Nervenwurzel, der Begriff wird aber oft synonym zur Radikulopathie verwendet. Weitere alternative Bezeichnungen sind Wurzelneuritis oder Wurzelsyndrom.

Was ist eine Nervenwurzel?

Nervenwurzeln sind Nervenfasern, die in das Rückenmark eintreten, beziehungsweise aus selbigem austreten. Man unterscheidet jeweils eine Vorder- und eine Hinterwurzel, die sich noch im Wirbelkanal zu einem Spinalnerv verbinden. Die Spinalnerven treten wiederum paarweise rechts und links zwischen den Wirbelkörpern aus dem Wirbelkanal aus. Ein Mensch hat normalerweise 31 Spinalnervenpaare, also entsprechend auf jeder Körperseite 31 Vorder- und Hinterwurzeln.

Je nachdem, zwischen welchem Körperbereich und dem Gehirn ein Signalaustausch stattfindet, geschieht dies entsprechend auf unterschiedlichen Höhen des Rückenmarks. So sind für die Arme etwa Nervenwurzeln im Bereich der Halswirbelsäule zuständig, für die Beine Nervenwurzeln am unteren Teil des Rückenmarks, das bei Erwachsenen etwa auf Höhe der obersten Lendenwirbelkörper endet.

Jede Vorderwurzel versorgt bestimmte Muskeln mit Nervensignalen, jede Hinterwurzel empfängt Nervenreize aus speziellen Organ- oder Hautabschnitten. Wenn eine Nervenwurzel geschädigt wird, kommt es daher zu ihrer Höhe entsprechenden, typischen Symptomen. So lässt sich anhand der Beschwerden meist recht gut beurteilen, auf welcher Höhe die Radikulopathie besteht. 

Welche Formen der Radikulopathie gibt es?

Man kann Radikulopathien danach einteilen, auf welcher Höhe des Rückenmarks sie auftreten. Sind Nervenwurzeln im Bereich der Halswirbelsäule betroffen, spricht man von einer zervikalen Radikulopathie, bei Beschwerden, die sich den unteren Nervenwurzeln zuordnen lassen, von einer lumbalen beziehungsweise sakralen Radikulopathie.

Lumbalbereich und Sakralbereich sind deutlich häufiger betroffen als der Halsbereich des Rückenmarks. Ein Wurzelsyndrom auf Höhe der Brustwirbelsäule (thorakale Radikulopathie) ist ebenfalls möglich, aber relativ selten.

Betrachtet man die Dauer einer Radikulopathie, so lässt sich eine akute von der chronischen Form unterscheiden. Von einer chronifizierten Radikulopathie spricht man, wenn die Symptome, allem voran die Schmerzen, länger als zwölf Wochen bestehen.

Welche Beschwerden treten bei einer Radikulopathie auf?

Eine Radikulopathie führt sehr oft zu einschießenden Schmerzen und/oder Missempfindungen wie Kribbeln nahe der Nervenwurzel selbst und in ihrem Versorgungsgebiet. So sind etwa für eine Radikulopathie im Bereich der Lendenwirbelsäule Beinschmerzen typisch, zervikale Radikulopathien strahlen häufig in Schultern und Arme aus.

Neben den Schmerzen geht eine Radikulopathie häufig mit Taubheitsgefühlen der Haut einher. Auch Lähmungserscheinungen (Paresen) und verminderte Reflexe an den zugehörigen Muskeln können auftreten. Eine vollständige Lähmung entsteht jedoch meist nicht, da jeder Muskel aus mehreren Nervenwurzeln Impulse erhält.

Auf Höhe der betroffenen Nervenwurzel ist die Rückenmuskulatur neben der Wirbelsäule häufig verhärtet (Hartspann), außerdem verstärken sich die Schmerzen, wenn der Patient presst, wie etwa beim Husten, Niesen oder Stuhlgang. Auch das Abklopfen der Wirbelsäule an der entsprechenden Stelle ist schmerzhaft. Bei einer zervikalen Radikulopathie haben die Betroffenen zudem manchmal eine Streckstellung des Halses.

Wer ist von einer Radikulopathie betroffen?

Je nach Auslöser kann eine Radikulopathie in verschiedenen Lebensaltern auftreten. Da sich aber viele der möglichen Auslöser erst mit zunehmenden Alter entwickeln, sind junge Leute nur selten von einer Radikulopathie betroffen und Kinder fast nie.

Die häufigste Ursache für ein Wurzelsyndrom ist ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule. Dieser tritt am häufigsten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Danach sinkt das Risiko wieder. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule sind deutlich seltener, sie treten aber vor allem bei jüngeren Menschen auf.

Radikulopathie: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Die meisten Ursachen einer Radikulopathie lassen sich zwei großen Gruppen zuordnen: Entweder entsteht in irgendeiner Form mechanischer Druck auf die Nervenwurzel, oder es sind Entzündungen, die zu den Beschwerden führen.

Mechanische Ursachen sind am häufigsten. Dazu gehören:

  • Bandscheibenvorfälle
  • Knöcherne Veränderungen an der Wirbelsäule, z.B. eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) oder der Nervenaustrittsstellen
  • Arthrose der Wirbelgelenke(Spondylarthrose, Facettengelenksarthrose)
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
  • Raumforderungen wie Tumore oder Einblutungen

Bei einer mechanischen Schädigung der Nervenwurzel setzten nach einiger Zeit häufig auch Entzündungsprozesse ein, die für eine zusätzliche Reizung sorgen.

Die Auslöser einer entzündlichen Radikulopathie sind dagegen meist Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien. Hierzu gehören vor allem das Herpes-Zoster-Virus sowie spezielle Borrelien (Auslöser der Lyme-Borreliose) zu nennen.

Auch eine Entzündung der Wirbelkörper und der Bandscheiben (Spondylodiszitis), kann auf die Nervenwurzeln übergehen. Sie wir häufig durch das Bakterium Staphylokokkus aureus ausgelöst. Ein möglicher Auslöser für eine nicht infektiöse Entzündung einer Nervenwurzel ist das Guillain-Barré-Syndrom.

Schließlich gibt es auch bestimmte Erkrankungen, die direkt das Gewebe der Nervenwurzeln zerstören, ohne dass dabei eine Entzündung entsteht. Ein Beispiel dafür ist die Radikulopathie bei Diabetes mellitus (diabetische Radikulopathie).

Pseudoradikuläre Syndrome

Die Symptome mancher Erkrankungen können einer Radikulopathie sehr ähnlich sein, obwohl die Nervenwurzel hier nicht betroffen ist. Meist handelt es sich dabei um orthopädische Erkrankungen, wie beispielsweise Hüftgelenksarthrosen oder Wirbelbrüche in Folge einer Osteoporose (Knochenschwund). Treten dabei ähnliche Beschwerden wie bei einer tatsächlichen Radikulopathie auf, spricht man von pseudoradikulären Syndromen.

Radikulopathie: Wann müssen Sie zum Arzt?

Rückenschmerzen sind besonders mit steigendem Lebensalter ein sehr häufiges Phänomen und oftmals die Folge von Verschleiß der Wirbelsäule. Jedoch sollten Sie bei bei länger anhaltenden Rückenschmerzen immer einen Arzt aufsuchen, um die Ursache klären zu lassen.

Besonders wenn die Schmerzen ausstrahlen und eventuell auch noch Missempfindungen, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen dazukommen, kann auch ein akuter Prozess dahinter stehen, der eine sofortige Behandlung erforderlich macht.

Höchste Eile ist geboten, wenn bestimmte Warnsymptome auftreten. Zu diesen sogenannten „Red-Flags“ zählen:

  • neu aufgetretene oder zunehmende Lähmungserscheinungen
  • nachlassende Schmerzen bei gleichzeitig bestehenden Lähmungserscheinungen
  • Schmerzverstärkung in der Nacht
  • Ein vorausgegangenes Trauma, wie etwa ein Sturz oder Unfall. Bei älteren Menschen können auch eigentlich harmlose Stürze schon Wirbelbrüche verursachen.

Sollten sie eines dieser Symptome bemerken, ist dies ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss und eine stationäre Krankenhauseinweisung notwendig macht.

Radikulopathie: Was macht der Arzt?

Zunächst lässt sich der Arzt vom Patienten Art, Ort und Intensität der Schmerzen genau schildern. Außerdem erfragt er die Krankengeschichte, die womöglich wichtige Informationen über Vorerkrankungen oder vorausgegangene Verletzungen beinhaltet.

Dann untersucht der Arzt den Patienten körperlich. Dazu gehören insbesondere Kraftprüfungen und Tests der Sensibilität und Reflexe. Sollten diese Techniken nicht genügen um eine Diagnose zu stellen, stehen weitere Untersuchungsmethoden zur Verfügung.

Dazu zählen Röntgenaufnahmen sowie eventuell Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT). CT und MRT werden in der Regel aber nur verwendet, wenn die oben erwähnten Red-Flag-Symptome auftreten. Eine weiteres Untersuchungsverfahren, das zur genaueren Untersuchung von Nervenschäden eingesetzt wird, ist die sogenannte Elektromyografie (EMG).

Radikulopathie: Therapie

Bei einer Radikulopathie steht zunächst die effektive Behandlung der Schmerzen im Vordergrund. Dafür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, wobei der Arzt mit der Gabe von schwächeren Schmerzmitteln wie zum Beispiel Paracetamol oder Ibuprofen beginnt (nicht-opiodale bzw. nicht-steroidale Analgetika). Sollten diese Wirkstoffe nicht ausreichen, können zusätzlich schwache Opioide wie etwa Tramadol oder Tilidin gegeben werden. Sogenannte Muskelrelaxanzien lösen etwaige Muskelverspannungen, die häufig mit der Radikulopathie einhergehen. 

Neben der medikamentösen Radikulopathie-Therapie gibt es noch einige spezielle Behandlungsverfahren, die entweder zusätzlich oder alternativ eingesetzt werden können. Mit Hilfe von Physiotherapeutischer Übungen kann der Patient etwa Fehlstellungen vorbeugen und mehr Beweglichkeit herstellen. Massagen können helfen Muskelverhärtungen zu lösen, ebenso wie physikalische Wärmebehandlungen.

In bestimmten Fällen sind jedoch weitere Medikamente nötig, wie etwa Kortisonpräparate oder Antibiotika, sofern eine bakterielle Infektion der Auslöser für die Radikulopathie ist.

Entgegen der Vorstellung vieler Patienten sollten sie Bettruhe nach Möglichkeit vermeiden. Tatsächlich ist es für den Heilungsprozess meist förderlich, wenn sich der Patient früh und regelmäßig bewegt. Spätestens vier Tage nach Auftreten der Beschwerden sollte auf Bettruhe daher ganz verzichtet werden. Das setzt eine frühzeitige Schmerzbekämpfung voraus.   

In vielen Fällen bedarf es außer der Linderung der Beschwerden zunächst keiner weiteren Behandlung. Oft verschwinden die Beschwerden nach einigen Tagen bis Wochen von selbst.

Sollte eine mechanische Ursache der Grund einer Radikulopathie sein und beim Patienten eines oder mehrere der Red-Flag-Symptome auftreten, muss man meist schnell operieren, um dauerhafte neurologische Schäden zu verhindern. Ansonsten ist man heute mit chirurgischen Eingriffen eher zurückhaltend.

Es gilt außerdem zu verhindern, dass sich beim Patienten eine chronische Radikulopathie entwickelt. Da diesbezüglich auch psychologische Faktoren wie etwa die Erwartungshaltung des Patienten  eine Rolle spielen, ist es wichtig dass Sie als Patient ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten gut verstehen. Unwissenheit erzeugt oft Angst, und durch eine negative Erwartungshaltung steigt das Risiko für eine Chronifizierung der Beschwerden.

Radikulopathie: Was können Sie selbst tun?

Um einer Radikulopathie vorzubeugen, beziehungsweise um weitere Beschwerden dieser Art zu verhindern, sollten Sie ihre Rückenmuskulaturzunächst unter Anleitung durch einen Physiotherapeuten oder speziell geschulten Fitnesstrainer und später selbständig regelmäßig trainieren. Ein starkes Muskelkorsett verleiht dem Rücken Stabilität und mindert Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule.

Versuchen Sie außerdem, sich im Alltag rückenschonend zu verhalten, indem Sie zum Beispiel nicht „aus dem Kreuz“ heben, sondern aus den Beinen oder auf eine korrekte Sitzhaltung achten. Mit diesen Maßnahmen senken Sie das Risiko auf eine Radikulopathie.

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Autor:
Marian Grosser
Quellen:
  • S2k-Leitlinie “Lumbale Radikulopathie”, Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Stand 10/2016
  • S1-Leitlinie “Zervikale Radikulopathie”, Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Stand 09/2012
  • Masuhr K., Masuhr F., Neumann M.: Duale Reihe Neurologie, 7. Auflage, 2013, Thieme
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