Pleuraerguss

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Bei einem Pleuraerguss sammelt sich vermehrt Flüssigkeit in der Pleurahöhle, dem spaltförmigen Raum zwischen Lunge und Brustkorb. Verantwortlich dafür ist meist eine feuchte Rippenfellentzündung (Pleuritis). Je nachdem, wie ausgeprägt der Pleuraerguss ist, stellen sich unterschiedlich starke Beschwerden ein – von leichten Schmerzen bis hin zur Atemnot. Lesen Sie hier mehr über Anzeichen, Ursachen, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von Pleuraergüssen.

pleuraerguss

Kurzüberblick

  • Was ist ein Pleuraerguss? Übermäßige Ansammlung von Flüssigkeit in der Pleurahöhle im Brustkorb. Unterscheidung zwischen Transsudaten (eiweißarme Pleuraergüsse) und Exsudaten (eiweißreiche Pleuraergüsse).
  • Symptome: Bei kleinen Pleuraergüssen meist keine Beschwerden. Bei größeren Ergüssen z. B. Atemnot, Engegefühl im Brustkorb, eventuell atemabhängige Schmerzen im Brustkorb (Thoraxschmerzen), Husten (bei Reizung des Lungenfells), Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen, nächtliches Wasserlassen (Nykturie) bei ausgeprägtem Pleuraerguss.
  • Ursachen: Herzschwäche, Leberschwäche, Nierenschwäche bei Transsudaten. Bei Exsudaten z. B. Entzündungen, Tumoren, Lungenembolie, Erkrankungen des Bauchraums wie Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Eiteransammlung unterhalb des Zwerchfells (subphrenischer Abszess), Verletzungen im Brustkorbbereich wie Rippenbrüche.
  • Diagnose: Anamnese, körperliche Untersuchungen (z. B. Abklopfen des Brustkorbes), bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, Computertomografie (CT), Pleurapunktion, Blutuntersuchung.
  • Therapie: Behandung der auslösenden Grunderkrankung. Bei schweren Pleuraergüssen mit starken Beschwerden zusätzliche Behandlungsmethoden wie Entlastungspunktion (Pleurapunktion), Thoraxdrainage, Pleurodese (Veröden des Pleuraspaltes).

Pleuraerguss: Beschreibung

Bei einem Pleuraerguss sammelt sich Flüssigkeit in der Pleurahöhle (Pleuraspalt). Das ist ein spaltförmiger Raum zwischen den beiden Pleurablättern, die zusammen das Brustfell (Rippenfell) bilden - eine feste Bindegewebshülle, die die Lunge umhüllt und den inneren Brustraum auskleidet. Pleurahöhle und Pleurablätter werden zusammen Pleura genannt.

Normalerweise beinhaltet die Pleurahöhle nur etwas Schmierflüssigkeit. Diese sogenannte Pleuraflüssigkeit sorgt dafür, dass die Pleurablätter beim Ein- und Ausatmen reibungslos aneinander vorbeigleiten.

Bei gesunden Menschen sind die Abgabe (Sekretion) neuer Pleuraflüssigkeit (über Lymph- und Blutgefäße) und die Wiederaufnahme (Absorption) im Gleichgewicht. Wenn aber dieses Gleichgewicht gestört ist, entwickelt sich ein Pleuraerguss: Entweder geben dann die Lymph- oder Blutgefäße zuviel Flüssigkeit in die Pleurahöhle ab oder sie nehmen zuwenig daraus wieder auf. Die Gründe dafür sind vielfältig (siehe unten).

Pleuraerguss: Arten

Je nachdem, wie sich die Pleuraflüssigkeit zusammen setzt, unterscheidet man: 

  • Transsudate: eiweißarme Pleuraergüsse. Sie entstehen zum Beispiel bei Linksherzschwäche (Linksherzinsuffizienz) oder infolge einer Leberzirrhose.
  • Exsudate: Eiweißreiche Pleuraergüsse. Sie lassen sich meist auf Entzündungen oder Tumoren zurückführen. Zu den Exsudaten zählen unter anderem der Hämatothorax (blutiger Pleuraerguss) und der Chylothorax (lymphhaltiger Pleuraerguss).

Pleuraerguss: Anzeichen

Ein kleiner Pleuraerguss verursacht keine Beschwerden und bleibt meist unbemerkt. Erst wenn sich zunehmend Flüssigkeit im Pleuraspalt sammelt, verspüren die Betroffenen Symptome. Denn je mehr Flüssigkeit die Pleurahöhle enthält (im Extremfall mehrere Liter), desto weniger Platz hat die Lunge, sich beim Einatmen auszudehnen.

Typische Anzeichen für einen Pleuraerguss sind zum Beispiel:

  • Atemnot
  • Engegefühl im Brustkorb
  • eventuell atemabhängige Schmerzen im Brustkorb (Thoraxschmerzen)
  • Husten (bei Reizung des inneren Pleurablattes = Lungenfell)
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen
  • nächtliches Wasserlassen (Nykturie) bei ausgeprägtem Pleuraerguss

Pleuraerguss: Ursachen

Die wichtigsten Ursachen für ein Transsudat (eiweißarmer Pleuraerguss) sind:

  • Herzschwäche: Vor allem eine Herzinsuffizienz des linken Herzens (Linksherzschwäche) kann einen eiweißarmen Pleuraerguss verursachen.
  • Leberschwäche: Auch Leberinsuffizienz ist eine mögliche Ursache für ein Transsudat.
  • Nierenerkrankungen: Sowohl Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) als auch ein nephrotisches Syndrom (Symptomkomplex aus Eiweiß im Urin, erhöhten Blutfettwerten und Wassereinlagerungen in Armen und Beinen) können die Ursache für einen eiweißarmen Pleuraerguss sein.

Die wichtigsten Ursachen für ein Exsudat (eiweißreicher Pleuraerguss) sind:

  • Entzündungen: z.B. Lungenentzündung (Pneumonie), Rippenfellentzündung (Pleuritis) oder Tuberkulose (führt oft zu einem blutigen Exsudat).
  • Tumoren: z.B. Tumoren in der Pleura (Pleurametastasen, Pleuramesotheliom), bei Lymphdrüsenkrebs oder Lungenkrebs (führt oft zu einem blutigen Pleuraerguss).
  • Lungenembolie: Dabei verstopft ein angeschwemmtes Blutgerinnsel ein Lungengefäß. Die Folge kann ein blutiger Pleuraerguss sein.
  • Erkrankungen des Bauchraums: z.B. Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Eiteransammlung unterhalb des Zwerchfells (subphrenischer Abszess).
  • Verletzungen im Brustkorbbereich: z.B. Rippenbrüche. Solche Verletzungen führen meist zu einem blutigen Pleuraerguss. Reißt das größte Lymphgefäß des Körpers (Ductus thoracicus), entwickelt sich ein lymphhaltiger Pleuraerguss (Chylothorax).

Pleuraerguss: Wann sollten Sie zum Arzt?

Grundsätzlich gilt: Jeder Pleuraerguss sollte ärztlich abgeklärt werden. Wenn Sie unter Atemnot, Schmerzen und/oder einem Engegefühl im Brustbereich leiden, sollten Sie also unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Pleuraerguss: Was macht der Arzt?

Zunächst wird der Arzt die Krankengeschichte erheben (Anamnese). Dabei fragt er zum Beispiel, unter welchen Beschwerden Sie leiden und wie lange diese schon bestehen. Auch über Grund- und Vorerkrankungen sowie eventuelle Unfälle und Verletzungen sollten Sie den Mediziner informieren.

Anschließend steht eine körperliche Untersuchung an. Dabei wird der Arzt unter anderem Ihren Brustkorb abklopfen, denn ein gedämpfter Klopfschall ist typisch für einen Pleuraerguss. Außerdem kann der Mediziner dabei feststellen, ob das Atemgeräusch gut hörbar ist. Wenn nicht, kann dies ebenfalls auf einen Pleuraerguss hinweisen.

Der Verdacht auf einen Pleuraerguss lässt sich mittels bildgebender Verfahren bestätigen: Im Ultraschall sind Pleuraergüsse ab einer Flüssigkeitsmenge von zehn bis 20 Millilitern erkennbar, auf dem Röntgenbild ab etwa 300 Millilitern. Manchmal wird auch eine Computertomografie des Brustkorbs (thorakale CT) durchgeführt: Sie kann Pleuraergüsse ab etwa 70 Millilitern nachweisen. Die bildgebenden Verfahren weisen den Arzt außerdem oft auf die Ursachen eines Pleuraergusses hin, zum Beispiel eine Herz- oder Lungenerkrankung.

Lässt sich der Grund für die Flüssigkeitsansammlung im Pleuraspalt mit bildgebenden Verfahren nicht feststellen, führt der Arzt eine Pleurapunktion durch: Unter örtlicher Betäubung und Ultraschall-Kontrolle schiebt er eine Hohlnadel in den Erguss und entnimmt etwas Flüssigkeit. Diese wird im Labor auf Krankheitserreger, Blutbestandteile und Krebszellen untersucht. Außerdem werden Zusammensetzung und Farbe der Pleuraflüssigkeit bestimmt – Aspekte, die wertvolle Hinweise auf die mögliche Ursache des Pleuraergusses liefern.

Zur Basisdiagnostik gehört außerdem eine Blutuntersuchung (Blutbild, Blutzucker etc.).

So behandelt der Arzt einen Pleuraerguss

Ausgangspunkt ist die Therapie der Grunderkrankung (Lungenentzündung, Tuberkulose, Herzschwäche etc.). Kleinere Pleuraergüsse bilden sich daraufhin oft von allein zurück.

Ein größerer Pleuraerguss erfordert dagegen eine rasche Entlastungspunktion (Pleurapunktion): Dabei sticht der Arzt eine Hohlnadel in den Erguss und saugt eine größere Menge Flüssigkeit ab. Oft reicht eine einmalige Punktion aus.

Ist allerdings damit zu rechnen, dass sich anschließend rasch ein neuer Pleuraerguss bildet, oder handelt es sich um einen Begleiterguss länger andauernder Erkrankungen (wie Krebs), wird manchmal eine Thoraxdrainage gelegt: Dazu führt der Arzt einen Drainageschlauch in den Pleuraspalt ein, der die überschüssige Flüssigkeit ableitet. Der Schlauch kann für längere Zeit an Ort und Stelle bleiben, was eine wiederholte Punktion erspart.

Bei einem malignen Pleuraerguss (also ein Pleuraerguss infolge einer Tumorerkrankung) wird der Pleuraspalt meist verödet (Pleurodese): Dazu saugt der Arzt zunächst die Pleuraflüssigkeit ab. Anschließend spritzt er eine spezielle Substanz in den Pleuraspalt. Der Wirkstoff löst eine Entzündung der beiden Pleurablätter aus, die anschließend verkleben. So kann neue Flüssigkeit nicht mehr in den Spalt nachfließen.

Bei einem Chylothorax (lymphhaltiger Pleuraerguss), der durch einen Riss des zentralen Lymphgefäßes (Ductus thoracicus) entsteht, wird versucht, das verletzte Gefäß operativ zu verschließen. Ist das nicht möglich, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder erhält der Patient eine Thoraxdrainage sowie spezielle Ernährungsrichtlinien (spezielle fettmodifizierte Diät) oder es wird eine Pleurodese durchgeführt.

Pleuraerguss: Das können Sie selbst tun

Hinter den Symptomen eines Pleuraergusses, insbesondere bei Schmerzen beim Atmen, kann immer auch eine erste Erkrankung stecken. Suchen Sie daher frühzeitig einen Arzt auf.

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Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

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Sabine Schrör ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Autoren:
Martina Feichter , Medizinredakteurin und Biologin
Sabine Schrör , Medizinjournalistin

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen ver...

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Qualitäts-hinweis:
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.
Quellen:
  • Henne-Bruns, D.: Duale Reihe Chirurgie, Georg Thieme Verlag, 2012
  • Bieber, C. et al.: Duale Reihe Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2018
  • Debus, J. et al.: Duale Reihe Sonografie, Georg Thieme Verlag, 2012
  • Schäffler, A. et al.: Medizin für Heilpraktiker, Georg Thieme Verlag, 2012
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2018
  • Greten, H. et al.: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2010
  • EXPRESS Pflegewissen: Gesundheits- und Krankenpflege, Georg Thieme Verlag, 2009
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