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Meningismus

Unter Meningismus versteht man eine schmerzhafte Nackensteifigkeit, die vor allem bei Erkrankungen der Hirnhäute auftritt. Die Betroffenen können ihren Kopf nicht mehr aktiv zur Brust beugen, weil Schmerzen und Verspannungen der Nackenmuskulatur das verhindern. Im weiteren Sinne zählt man zu einem Meningismus auch noch andere Beschwerden wie Übelkeit und Lichtscheu. Lesen Sie hier, wodurch ein Meningismus entstehen kann und warum man damit sofort zum Arzt muss. 

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Meningismus: Beschreibung

Patienten mit einem Meningismus haben Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich, wenn sie versuchen ihren Kopf in Richtung Brustbein zu beugen. Deshalb vermeiden sie diese Bewegung. Außerdem verspannt sich die Nackenmuskulatur als Reaktion auf die Schmerzen, was die Kopfbeugung zusätzlich erschwert. So entsteht der Eindruck einer Nackensteifigkeit, obwohl weder die Halswirbel noch die Nackenmuskulatur an sich beeinträchtigt sind. Entsprechend verschwindet die Nackensteifigkeit bei tiefer Bewusstlosigkeit.  

Der Begriff Meningismus geht auf den medizinischen Fachausdruck „Meningen“ für Hirnhäute zurück. Auslöser der Schmerzen bei einem Meningismus ist nämlich meistens eine Reizung oder Erkrankung der Hirnhäute.

Die Nackensteife ist dann oft nicht das einzige Symptom. Typischerweise leiden die Patienten zusätzlich unter Kopfschmerzen, Übelkeit und einer erhöhten Licht- sowie Geräuschempfindlichkeit (Photophobie beziehungsweise Phonophobie). Diese Beschwerden werden auch unter der Bezeichnung „meningeales Syndrom“ zusammengefasst.

Wie entstehen bei Meningismus die Schmerzen?

Es gibt drei Hirnhäute, die wie Schichten übereinander liegen und das gesamte Hirn und Rückenmark umgeben. Die innere (Pia mater) und mittlere (Arachnoidea) Haut werden auch als weiche Hirnhäute bezeichnet, die äußere (Dura mater) als harte Hirnhaut. Sie haben eine Schutzfunktion und spielen außerdem eine wichtige Rolle beim Blutabfluss und der Nährstoffversorgung.

Vor allem die äußere Hirnhaut ist sehr schmerzempfindlich. Sind die Hirnhäute gereizt, ist sie für teils starke Kopfschmerzen verantwortlich. Beugt der Patient seinen Kopf nach vorne, übt das einen leichten Zug auf die Hirnhäute aus. Dadurch wird ein schon vorhandener Schmerz in Kopf- und Nackenbereich verstärkt. Befindet sich eine Erkrankung der Hirnhäute noch in einem frühen Stadium oder sind die Meningen nur leicht gereizt, besteht in Ruhe womöglich (noch) kein Schmerz. Er wird dann erst beim Beugen des Kopfes ausgelöst.

Meningismus: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Klassischerweise tritt ein Meningismus bei einer Hirnhautentzündung (Meningitis) auf, dann oft als erstes Symptom. Auslöser einer solchen Entzündung der Hirnhäute sind meist bestimmte Bakterien oder Viren, seltener auch Pilze oder Parasiten. Nicht jede Meningitis wird zwingend von einem Meningismus begleitet. Bei erkrankten Neugeborenen ist zum Beispiel häufig keine Nackensteifigkeit vorhanden.

Neben einer Entzündung durch Erreger gibt es noch einige andere Auslöser, die eine Reizung der Hirnhäute und in weiterer Folge einen Meningismus verursachen können. Dazu gehören:

  • Subarachnoidalblutung: Eine Art von Schlaganfall mit Einblutung zwischen der inneren und mittleren Hirnhaut. Das Hauptsymptom sind plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen.
  • Meningeosis neoplastica: Absiedelung von Tumorzellen in den weichen Hirnhäuten; kann im Spätstadium verschiedener Krebserkrankungen auftreten.
  • Sinusthrombose: Blutgerinnsel in den großen Blutabflüssen (Sinus) des Gehirns. Diese befinden sich in der harten Hirnhaut.
  • Sepsis („Blutvergiftung“): Ausbreitung von Bakterien oder Pilzen von einem Entzündungsherd in den gesamten Blutkreislauf und infolge Befall verschiedener Organe (wie die Hirnhäute).
  • Sonnenstich: Entzündungsreaktion der Hirnhäute durch längere direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken.
  • Bleivergiftung: Mögliche Folgen sind anderem Krämpfe und Entzündungen der Hirngefäße (Bleienzephalopathie). Im Verlauf führt das mitunter zu einer Reizung der Hirnhäute.

Pseudomeningismus

Wird eine schmerzhafte Nackensteifigkeit nicht durch gereizte Hirnhäute, sondern andere Faktoren ausgelöst, spricht man von einem Pseudomeningismus. Zu den Ursachen eines solchen Nackenbeugeschmerzes zählen beispielsweise Brüche, Bandscheibenvorfälle oder Verschleißerscheinungen (Arthrose) in der Halswirbelsäule. Auch Migräne oder Tumoren können zu einem Pseudomeningismus führen.

Meningismus: Wann müssen Sie zum Arzt?

Meningismus ist ein Notfall und deutet fast immer auf eine ernste Erkrankung hin. Unabhängig von möglichen weiteren Symptomen, sollten Betroffene sich deshalb schnellstmöglich in eine Notaufnahme begeben beziehungsweise den Notarzt rufen.

Bei einem Pseudomeningismus fehlen in der Regel zusätzliche Beschwerden wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit. Die können aber auch bei einem Meningismus ausbleiben, sodass man vor allem bei einer plötzlich auftretenden Nackensteife immer zum Arzt sollte.

Meningismus: Was macht der Arzt?

Besteht ein Verdacht auf Meningismus, fragt der Arzt den Patienten zunächst, ob neben der Nackensteifigkeit noch weitere Beschwerden auftreten. Sollten außerdem andere Ursachen hinter der Nackensteife stecken, ergeben sich im Patientengespräch eventuell Hinweise darauf.

Bei der Untersuchung beugt der Arzt den Kopf des Patienten nach vorne, während dieser auf dem Rücken liegt. Er achtet darauf, ob die Kopfbeugung erschwert ist und ob der Patient Schmerzen angibt – Hinweise auf einen Meningismus.

Es gibt außerdem noch weitere Anzeichen für einen Meningismus, die der Arzt überprüfen kann: die sogenannten Nervendehnungszeichen. Durch bestimmte Manöver dehnt er dabei die Hirnhäute des Patienten, was zu Schmerzen führt. Zu den Nervendehnungszeichen gehören:

  • Lasègue-Zeichen: Der Arzt hebt das gestreckte Bein des auf dem Rücken liegenden Patienten an. Bei gereizten Hirnhäuten kann das ab einer gewissen Beugung zu Schmerzen in Bein, Gesäß oder Rücken führen.
  • Kernig-Zeichen: Der Patient befindet sich in Rückenlage und hat das Bein in Hüft- und Kniegelenk gebeugt. Der Arzt streckt nun langsam das Bein im Kniegelenk, wobei die gleichen Schmerzen auftreten wie beim Lasègue-Zeichen.
  • Brudzinski-Zeichen: Wieder liegt der Patient auf dem Rücken. Der Arzt beugt dessen Kopf nach vorne, woraufhin der Patient reflexartig die Beine anzieht, um Schmerzen zu vermeiden.  

Man spricht von Nervendehnungszeichen, weil während dieser Testmanöver nicht nur bei einem Meningismus Schmerzen auftreten, sondern auch wenn Nervenwurzeln am Rückenmark gereizt sind. Die Nackensteifigkeit fehlt dann aber in der Regel.

Hat sich der Verdacht auf Meningismus bestätigt, muss mit Hilfe zusätzlicher Untersuchungen die Ursache gefunden werden. Je schneller das gelingt, desto eher kann die richtige Therapie begonnen werden.

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Autor:
Marian Grosser
Quellen:
  • Masuhr, K. et al.: Duale Reihe Neurologie, Georg Thieme Verlag, 7. Auflage, 2013
  • Urban, P.P.: Klinisch-neurologische Untersuchungstechniken, Georg Thieme Verlag, 2012
  • Zeiler, K. et al.: Klinische Neurologie I, facultas-Universitätsverlag, 2. Auflage, 2006
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011
  • Endspurt Klinik: Anamnese, Leitsymptome, Georg Thieme Verlag, 2014
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