Inkontinenz

Dr. Andrea Bannert

Dr. Andrea Bannert ist seit 2013 bei e-happiness. Die promovierte Biologin und Medizinredakteurin forschte zunächst in der Mikrobiologie und ist im Team die Expertin für das Klitzekleine: Bakterien, Viren, Moleküle und Gene. Sie arbeitet freiberuflich zudem für den Bayerischen Rundfunk und verschiedene Wissenschaftsmagazine und schreibt Fantasy-Romane und Kindergeschichten.

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Inkontinenz bedeutet, dass man Harn oder Stuhl nicht mehr halten kann - etwas davon geht unkontrolliert ab. Die Ursachen dafür können sehr vielfältig sein. So beruht die Harninkontinenz meist auf einer Störung im fein abgestimmten System aus Blasenmuskulatur, Schließmuskeln und Beckenbodenmuskulatur. Der Grund können zum Beispiel Fehler in der Signalübertragung der beteiligten Nervenzellen sein. Es gibt heute gute Therapiemöglichkeiten für Inkontinenz. Lesen Sie hier, welche das sind und was Sie bei Inkontinenz selbst tun können.

Inkontinenz

Kurzübersicht

  • Was ist Inkontinenz? Unfähigkeit, Urin (Harninkontinenz) oder - seltener - Stuhl (Stuhlinkontinenz) kontrolliert zurückzuhalten
  • Ursachen: je nach Form unterschiedlich, z. B. Harnsteine, vergrößerte Prostata, Tumoren, Nervenverletzungen oder -reizungen, neurologische Erkrankungen (Multiple Sklerose, Schlaganfall, Alzheimer etc.)
  • Untersuchungen: je nach Art und Schwere der Inkontinenz zum Beispiel gynäkologische Untersuchung, proktologische Untersuchung (Untersuchung des Enddarms), Ultraschall, Urin- und Blutuntersuchungen, urodynamische Untersuchungen (zur Bestimmung der Blasenfunktion), Blasenspiegelung, Darmspiegelung etc.
  • Therapie: je nach Form und Schwere der Inkontinenz zum Beispiel Beckenbodentraining, Toilettentraining, Elektrotherapie, Schrittmacher, Medikamente, Operation

Inkontinenz: Beschreibung

Menschen mit Inkontinenz können ihren Urin oder seltener ihren Stuhl nicht mehr kontrolliert zurückhalten. Man spricht dann von Harn- beziehungsweise Stuhlinkontinenz.

Harninkontinenz

Umgangssprachlich heißt dieses Symptom auch „Blasenschwäche“. Allerdings ist die Blase nicht immer die Ursache. Es gibt fünf unterschiedliche Erscheinungsformen von Harninkontinenz:

  • Belastungsinkontinenz: Früher als Stressinkontinenz bezeichnet, weil körperliche Belastung der Auslöser ist: Erhöht sich der Druck im Bauchraum (z.B. beim Anheben schwerer Gegenstände, Husten, Niesen, Lachen), verlieren Betroffene unwillkürlich Urin. In schweren Fällen geht Urin bei jeder Bewegung ab, im Extremfall auch im Stehen oder Liegen. Die Betroffenen verspüren keinen Harndrang, bevor der Urin ungewollt abgeht.
  • Dranginkontinenz: Bei dieser Inkontinenz-Form tritt der Harndrang überfallsartig und sehr häufig (teils mehrmals pro Stunde) auf, obwohl die Blase noch gar nicht voll ist. Oft schaffen es die Betroffenen nicht mehr rechtzeitig zur Toilette. Der Urin geht schwallartig ab.
  • Reflexinkontinenz: Menschen mit Reflexinkontinenz spüren nicht mehr, wann die Blase voll ist und können auch die Entleerung nicht mehr steuern. Die Blase entleert sich dadurch in unregelmäßigen Abständen von selbst, oft aber nicht vollständig.
  • Überlaufinkontinenz: Bei voller Blase fließen ständig kleine Mengen Urin ab. Betroffene können außerdem einen permanenten Harndrang verspüren.
  • Extraurethrale Harninkontinenz: Auch hier geht ständig Urin ab, ohne dass der Patient das kontrollieren kann. Allerdings geschieht dies nicht über die Harnwege, sondern durch andere Öffnungen (mediz.: extraurethral), etwa durch die Scheide oder den After.
Häufigste Formen der Inkontinenz
Harninkontinenz
Eine Belastungsinkontinenz trifft Frauen besonders häufig. Dagegen ist die Überlaufinkontinenz eine typische Folge der Prostatavergrößerung bei Männern.

Hinweis: Manche Menschen leiden auch unter einer Mischinkontinenz. Das ist eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz.

Stuhlinkontinenz

Diese Form der Inkontinenz ist seltener. Patienten mit Stuhlinkontinenz können den Darminhalt sowie Darmgase nicht willkürlich im Enddarm zurückhalten. Dabei unterscheiden Mediziner drei Schweregrade:

  • Teilinkontinenz 1. Grades: unkontrollierter Abgang von Luft und gelegentliches Stuhlschmieren bei Belastung.
  • Teilinkontinenz 2. Grades: Patienten können Darmgase und dünnen Stuhl nicht halten.
  • Totalinkontinenz: totaler Kontrollverlust über die Darmentleerung, der mit ständigem Stuhlschmieren verbunden ist. Patienten verlieren auch festen Stuhl.

Wie bei der Harninkontinenz gibt es Fälle, bei denen der Betroffene zwar spürt, dass gleich Stuhl abgeht, es aber nicht rechtzeitig zur Toilette schafft, und solche, bei denen der Stuhlabgang ganz unvermutet auftritt (die Betroffenen spüren im Analbereich nichts).

Inkontinenz: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Bei einer Harninkontinenz funktioniert das fein aufeinander abgestimmte System aus Blasenmuskel, Schließmuskel und Beckenbodenmuskulatur sowie den steuernden Nerven und Zentren in Gehirn und Rückenmark nicht mehr richtig. Bei der Stuhlinkontinenz betrifft die Störung den Verschlussapparat des Afters sowie die entsprechenden Nervenstrukturen. In beiden Fällen kann die Ursache dafür vielfältig sein:

Ursachen für Harninkontinenz

Die fünf Formen der Harninkontinenz haben sehr unterschiedliche Ursachen, die aber allesamt die Funktion der Harnblase beeinträchtigen.

Diese erfüllt zwei wichtige Aufgaben: Sie muss den Urin speichern und sich (möglichst) zum gewünschten Zeitpunkt entleeren. Beim Speichern ist der Blasenmuskel entspannt. So kann sich die Blase ausdehnen und füllen. Gleichzeitig ist der Schließmuskel angespannt, so dass der Urin nicht gleich wieder über die Harnröhre abfließen kann. Zum Entleeren zieht sich der Blasenmuskel zusammen, während der Schließmuskel mit der Beckenbodenmuskulatur erschlafft. Der Urin kann dann durch die Harnröhre abfließen.

Belastungsinkontinenz:

Bei der Belastungsinkontinenz ist der Verschlussmechanismus zwischen Blasenhals und Harnröhre nicht mehr funktionstüchtig. Der Grund kann sein, dass das Beckenbodengewebe verletzt wurde, etwa bei einer Prostata-Operation oder einem Unfall. Auch Nervenverletzungen und -reizungen sowie eine Vorwölbung der Harnblase können eine Belastungsinkontinenz auslösen. Außerdem wird sie begünstigt durch Risikofaktoren wie:

Die Belastungsinkontinenz tritt bei Frauen viel häufiger auf als bei Männern. Das liegt daran, dass sie ein breiteres Becken und eine schwächere Beckenbodenmuskulatur haben. Außerdem gibt es im weiblichen Beckenboden drei Öffnungen (für Harnröhre, Scheide und Enddarm), während der Mann nur zwei hat. Das sind „natürliche Schwachstellen“. An diesen Stellen kann das Bindegewebe etwa durch Belastungen wie Schwangerschaften und Entbindungen, eine Gebärmuttersenkung oder hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren nachgeben - es ensteht eine Harninkontinenz.

Dranginkontinenz:

Bei dieser Form von Inkontinenz wird schon bei einer wenig gefüllten Blase fälschlicherweise das Signal „Blase voll“ ans Gehirn gesendet. Als Reaktion setzt ein nicht kontrollierbarer Harndrang ein. Man spricht auch von "überaktiver Blase". Mögliche Ursachen der Dranginkontinenz sind:

  • Nervenschäden oder -reizungen infolge einer Operation
  • neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson, Alzheimer, ein Hirntumor oder Schlaganfall
  • ständige Reizungen der Blase, zum Beispiel durch Blasensteine oder Harnwegsinfekte (Blasenentzündung)
  • nicht ausreichend behandelte Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus): Giftstoffe, die durch den erhöhten Blutzuckerspiegel entstehen, wirken sich auf das Nervensystem aus.
  • psychische Ursachen

Reflexinkontinenz:

Bei einer Reflexinkontinenz sind Nerven im Gehirn oder Rückenmark, welche die Blase steuern, geschädigt. Das kann etwa bei einer Querschnittslähmung oder einer neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Alzheimer der Fall sein.

Überlaufinkontinenz:

Bei dieser Form ist der Blasenausgang blockiert und stört den Harnabfluss, zum Beispiel durch eine vergrößerte Prostata (wie bei gutartiger Prostatavergrößerung) oder eine Harnröhrenverengung. Letztere kann etwa durch einen Tumor oder durch Harnsteine bedingt sein.

Extraurethrale Inkontinenz:

Diese Form der Inkontinenz kann durch angeborene Fehlbildungen oder eine Fistel bedingt sein. Ganz allgemein versteht man unter einer Fistel ein "unnatürliches" Verbindungskanälchen zwischen zwei Hohlorganen oder einem Hohlorgan und der Körperoberfläche. Im Rahmen der extraurethralen Inkontinenz kann eine Fistel zwischen dem harnableitenden System (wie Blase, Harnröhre) und der Haut, dem Darm oder dem weiblichen Genitaltrakt bestehen. Demenstprechend kann Urin über die Hautöffnung, den After oder die Scheide abgehen. Eine solche Fistel kann sich infolge entzündlicher Prozesse oder nach einer Operation oder Röntgenbestrahlung ausbilden.

Hinweis:Verschiedene Medikamente (wie Diuretika, Antidepressiva, Neuroleptika) und auch Alkohol können eine bestehende Harninkontinenz verstärken.

Ursachen für Stuhlinkontinenz

Selten ist eine Stuhlinkontinenz angeboren; sie basiert dann zum Beispiel auf Fehlbildungen. Die wesentlich häufigere erworbene Stuhlinkontinenz beruht auf einer Störung oder Schädigung des sogenannten Kontinenzorgans (Anorektum). Dieses besteht aus dem Mastdarm, in dem der Stuhl „gelagert“ wird (Reservoir), und dem Schließmuskel (Sphinkter) um den Analkanal herum. Mögliche Ursachen für eine Störung oder Schädigung des Anorektums sind:

  • Verletzungen, beispielsweise durch Geburten oder Operationen: Sie können zu einer Funktionsstörung des Schließmuskel führen oder die Nervenwahrnehmung am Darmausgang beeinträchtigen.
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn
  • neurologische Krankheiten wie Demenz oder Multiple Sklerose
  • Tumoren im Bereich des Enddarms (wie Mastdarmkrebs)
  • Darmträgheit und Verstopfung: Festsitzender Stuhl verursacht eine Blockade, an der nur wässriger Stuhl passieren kann.
  • Beckenbodenschwäche
  • Medikamente wie Abführmittel, Antidepressiva oder Parkinson-Medikamente
  • ausgeprägte Hämorrhoiden
  • Vorfall (Prolaps) des Mastdarms oder Enddarms

Inkontinenz: Therapie

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Inkontinez zu behandeln. Im Einzelfall wird die Inkontinenz-Therapie an die Form und Ursache der Inkontinenz sowie an die Lebenssituation des Patienten angepasst.

Therapie der Harninkontinenz

Beckenbodentraining: Bei Belastungsinkontinenz lassen sich durch ein Beckenbodentraining unter Anleitung eines Physiotherapeuten gute Erfolge erzielen. Dabei lernt der Patient zum Beispiel, die Belastung des Beckenbodens im Alltag zu reduzieren, falsche Anspannungsmuster abzulegen und den Beckenboden mit geeigneten Übungen zu kräftigen.

Biofeedbacktraining: Manchen Menschen fällt es schwer, die Beckenbodenmuskeln zu spüren und Schließmuskeln bewusst wahrzunehmen und zu steuern. Beim Biofeedbacktraining misst eine kleine Sonde im Enddarm oder in der Scheide Kontraktionen des Beckenbodens und löst dabei ein optisches oder akustisches Signal aus. So kann der Patient im Rahmen des Beckenbodengymnastik erkennen, ob er wirklich die richtigen Muskeln anspannt beziehungsweise entspannt.

Elektrotherapie: Hier wird die Beckenbodenmuskulatur passiv durch schmerzlose elektrische Impulse trainiert.

Toilettentraining (Blasentraining): Hierbei muss der Patient für einige Zeit ein Miktionsprotokoll führen. Darin trägt er jeweils ein, wann er Harndrang verspürt hat, wann er wie viel Urin ausgeschieden hat und ob das Wasserlassen kontrolliert oder unkontrolliert erfolgt ist. Außerdem muss der Patient notieren, was und wie viel er im Laufe eines Tages oder einer Nacht getrunken hat. Anhand dieser Aufzeichnungen erstellt der Arzt einen Trink- und Miktionsplan. Darin ist festgelegt, wie viel der Patient trinken darf und wann er zur Toilette gehen soll, um die Blase zu entleeren (auch ohne Harndrang). Ziel ist es, unkontrollierten Harnabgang durch geregeltes Entleeren der Blase zu verhindern.

Achtung: Das Toilettentraining sollte nur unter ärztlicher Anleitung erfolgen, auch wenn der Patient das Training selbst zu Hause durchführt.

Hormonbehandlung: Bei einer Inkontinenz infolge von Östrogenmangel in oder nach den Wechseljahren kann der Arzt betroffenen Frauen ein lokales Östrogenpräparat (etwa eine Salbe) verschreiben.

Medikamente: Je nach Form der Inkontinenz eignen sich zur Behandlung zum Beispiel krampflösende Medikamente (Drangkinkontinenz) oder sogenannte Alpharezeptorblocker. Letztere können den Blasenverschluss lockern (Überlaufinkontinenz) oder die spontane Aktivität der Harnblasenmuskulatur hemmen (Reflexinkontinenz).

Katheter: Bei einer Reflexinkontinenz muss die Blase unter Umständen über einen Katheter regelmäßig entleert werden.

Operation: Eine extraurethrale Inkontinenz muss immer operativ behandelt werden (etwa durch Verschluss der Fistel). Beruht die Inkontinenz auf einer vergrößerten Prostata, ist ebenfalls meist eine Operation notwendig. Ansonsten kommt bei einer Harninkontinenz ein chirurgischer Eingriff erst dann in Betracht, wenn nicht-operative Therapiemaßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen.

Beispielsweise kann dann die Harnröhre durch einen künstlichen Schließmuskel oder eine adjustierbare Schlinge verschlossen werden. Einen ähnlichen Effekt erzielt ein Implantat, das die Harnröhre soweit komprimiert, dass der Urin nicht mehr unwillkürlich abfließen kann. In bestimmten Fällen wird die Harnröhre mit Kollagen oder Silikon stabilisiert, um so die Inkontinenz-Symptome zu lindern. Ein implantierter „Blasenschrittmacher“ kann helfen, eine überaktive Blase zu beruhigen oder eine Blase zu stimulieren, die sich aus eigener Kraft nicht mehr entleeren kann.

Therapie der Stuhlinkontinenz

Beckenbodentraining, Elektrotherapie und Toilettentraining sind auch bei einer Stuhlinkontinenz wirksame Therapiemethoden. Manchmal wird den Patienten auch ein Schrittmacher implantiert, der die Koordination zwischen Gehirn, Beckenboden, Darm und Schließmuskel verbessert.

Weitere mögliche Therapieansätze sind:

  • Abführmit Sie regen gezielt die Ausscheidung von Stuhl an.
  • Motilitätshemmer: Diese Arzneimittel hemmen die Darmbewegungen (Peristaltik) und verringern dadurch die Häufigkeit des Stuhlgangs.
  • Operation: Beispielsweise kann man verletzte Schließmuskeln nähen. Ist der Dickdarm durch eine Beckenbodenschwäche abgesunken, kann der Chirurg ihn wieder am Kreuzbein fixieren. In manchen Fällen von Stuhlinkontinenz wird ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt.

Harninkontinenz: Richtig trinken

Gerade bei Harninkontinenz nimmt das Trinken für Betroffene plötzlich eine bestimmende Rolle ein: Aus Angst vor dem unkontrollierten Harnabgang versuchen sie, möglichst wenig zu trinken. Das verbessert das Leiden aber nicht - im Gegenteil: Bei mangelnder Flüssigkeitszufuhr wird der Harn in der Blase stärker konzentriert, was den Harndrang verstärken kann und die Schleimhaut der Blase reizt. Außerdem werden Blase, Harnleiter- und -röhre schlechter durchspült, wenn man zu wenig trinkt. Das macht es Bakterien leichter, sich dort anzuheften - es resultiert eine Harnwegsinfektion.

Wenn Sie eine Harn-Inkontinenz haben, sollten Sie deshalb mit Ihrem Arzt besprechen, wie viel und zu welchen Tageszeiten Sie trinken sollten. Er kann Sie dabei zunächst bitten, einige Tage ein Miktionsprotokoll zu führen, in dem Sie Ihre Flüssigkeitszufuhr und Ihr Wasserlassen genau festhalten (siehe oben: Toilettentraining). Anhand dieser Aufzeichnungen kann der Arzt Ihnen geeignete Trinkmengen und -zeiten empfehlen.

Am besten eignen sich bei Inkontinenz stilles Wasser und Kräutertees. Auch ein spezieller Blasentee kann helfen, zum Beispiel bei Dranginkontinenz. Kaffee, Alkohol und kohlesäurehaltige Getränke sind weniger gut, da sie harntreibend wirken.

Inkontinenz: Das können Sie sonst noch tun

Ja, eine Inkontinenz bedeutet Kontrollverlust. Aber sie bedeutet nicht, dass Betroffene ihr hilflos ausgeliefert sind. Es gibt einiges, was jeder selbst tun kann, um mit der Inkontinenz besser zurecht zu kommen beziehungsweise einer Inkontinenz vorzubeugen:

Inkontinenz-Hilfsmittel benutzen: Vorlagen in verschiedenen Saugstärken, Einmalschlüpfer mit enthaltener Vorlage, Inkontinenzslips oder Analtampons können helfen, im Alltag mit der Inkontinenz umzugehen. Männer mit Harninkontinenz können ein Kondom-Urinal benutzen. Das ist eine Art Kondom, über das der Urin in einen Beutel geleitet wird.

Angemessen oft auf die Toilette gehen: Wer zu häufig oder zu selten auf die Toilette geht, tut seiner Blase nichts Gutes und kann sein Risiko für Harn-Inkontinenz erheblich steigern. Bei zu häufigem Wasserlassen „gewöhnt“ sich die Blase irgendwann an die kleinen Urinmengen und ist dann nicht mehr in der Lage, größere Urinmengen zu speichern. Wer sehr selten auf die Toilette geht, überdehnt seine Blasenmuskulatur ständig und riskiert Funktionsstörungen.

Gewicht reduzieren: Übergewicht stellt einen wichtigen Risikofaktor für Inkontinenz dar. Es erhöht den Druck in der Bauchhöhle und begünstigt so eine Inkontinenz beziehungsweise verstärkt eine bestehende Inkontinenz. Wer zu viel wiegt, sollte also versuchen, abzunehmen. Das wirkt sich auch positiv auf den Erfolg des Beckenbodentrainings aus.

Den Körper pflegen: Durch sorgfältige Körperpflege können Sie Hauterkrankungen als Folge einer Blasenschwäche verhindern.

Blasenfreundlich essen: Vermeiden Sie Lebensmittel, welche die Blase reizen können, zum Beispiel scharfe Gewürze oder Kaffee. Bei einer Stuhlinkontinenz kann eine ballaststoffreiche Ernährung den Stuhlabgang normalisieren. Auf blähende Speisen sollten Sie weitgehend verzichten.

Entspannungstechniken: Entspannungsübungen wie Autogenes Training können helfen, wenn eine Inkontinenz seelische (Mit-)Auslöser hat.

Inkontinenz: Untersuchungen beim Arzt

Vielen Menschen ist es peinlich, wenn sie Urin oder Stuhl nicht mehr richtig halten können. Sie ertragen ihre Erkrankung still und trauen sich nicht einmal, mit ihrem Arzt über das Thema zu sprechen. Ein Fehler, denn es gibt wirksame Hilfen. Betroffene sollten sich deshalb auf jeden Fall baldmöglichst von einem Arzt untersuchen und behandeln lassen.

Erhebung der Krankengeschichte

In einem Gespräch erkundigt sich der Arzt zuerst nach den genauen Beschwerden und der Vorgeschichte des Patienten (Anamnese). So kann er herausfinden, an welcher Form von Inkontinenz jemand leidet und die möglichen Ursachen näher eingrenzen. Mögliche Fragen im Anamnesegespräch sind:

  • Seit wann haben Sie unkontrollierten Urin- oder Stuhlabgang?
  • Wie oft scheiden Sie Urin / Stuhl aus?
  • Treten dabei Schmerzen auf?
  • Bei welchen Gelegenheiten kommt es zu unfreiwilligem Urin- oder Stuhlabgang?
  • Haben Sie das Gefühl, Ihre Blase / Ihr Darm entleert sich nicht vollständig?
  • Können Sie spüren, ob Ihre Blase / Ihr Darm gefüllt oder leer ist?
  • Hatten Sie eine Operation? Haben Sie ein Kind entbunden?
  • Haben Sie irgendwelche Grunderkrankungen (Diabetes, Multiple Sklerose, Parkinson etc.)?

Untersuchungen

Verschiedenste Untersuchungen helfen bei der Abklärung einer Inkontinenz. Welche Methoden im Einzelfall sinnvoll sind, hängen unter anderem von Art und Schwere der Inkontinenz ab. Die wichtigsten Untersuchungen sind:

  • Untersuchung der äußeren Genitalien und des Enddarms: Sie liefert Hinweise auf die Ursachen der Inkontinenz. So kann der Arzt manchmal Fisteln oder eine vergrößerte Prostata erkennen. Außerdem kann er den Spannungszustand der Schließmuskeln überprüfen.
  • gynäkologische Untersuchung: Dabei kann man zum Beispiel eine Gebärmuttersenkung oder Scheidensenkung als Ursache einer Harninkontinenz feststellen.
  • Urin- und Blutuntersuchungen: Sie können Hinweise auf Infektionen oder Entzündungen geben.
  • Ultraschalluntersuchung: Mittels Ultraschall lässt sich bei einer Harninkontinenz die eventuelle Restharnmenge in der Blase abschätzen. Außerdem können Nieren- oder Blasensteine, Tumoren oder angeborene Fehlbildungen entdeckt werden. Auch Verletzungen nach einer Operation lassen sich im Ultraschall erkennen.
  • Urodynamik: Bei Harninkontinenz kann der Arzt mittels urodynamischer Untersuchungen die Funktion der Harnblase beurteilen. So kann man etwa im Rahmen der Uroflowmetrie mithilfe von Elektroden während des Wasserlassens die Harnmenge, die Dauer der Blasenentleerung sowie die Aktivität der Beckenboden- und Bauchmuskulatur messen.
  • Blasen- oder Darmspiegelung: Sie kann notwendig sein, um zum Beispiel Entzündungen der Blasen- oder Darmschleimhaut oder Tumoren der Blase oder des Darms aufzudecken.
  • Röntgenkontrastaufnahmen: Sie können Aufschluss über eine Fehlfunktion von Blase oder Enddarm geben. Dazu wird die Blase oder der Enddarm zunächst mit einem Kontrastmittel gefüllt. Dann werden Röntgenaufnahmen während des Wasserlassens oder Stuhlgangs gemacht. So lassen sich funktionelle Abläufe analysieren sowie Aus- und Einstülpungen oder innere Vorfälle als Ursache der Inkontinenz erkennen.

Weiterführende Informationen

Leitlinien:

  • Leitlinie "" der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2013)
  • Leitlinie "" der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (2016)

Selbsthilfegruppen:

http://steroid-pharm.com

www.antibioticlistinfo.com

steroid-pharm.com