Gallenkolik

Hanna Rutkowski

Hanna Rutkowski ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Krampfartige, heftige Schmerzen im Oberbauch sind typisch für eine Gallenkolik. Die Beschwerden können bis in Schulter und Rücken ausstrahlen und zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden andauern. Verursacht werden sie meist durch Gallensteine oder eine entzündete Gallenblase. Frauen sind deutlich häufiger davon betroffen als Männer. Lesen Sie hier alles Wichtige über Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Gallenkolik.

Gallenkolik

Kurzübersicht

  • Beschreibung: Plötzliche starke, krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, die bis in Rücken und rechte Schulter ausstrahlen können. Oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Gelbsucht (Ikterus), Fieber mit Schüttelfrost, Fettstuhl, heller Stuhl, dunklem Urin. Dauer einer Gallenkolik: zwischen 15 Minuten und fünf Stunden.
  • Ursachen: Meist sind Gallensteine der Grund. Sie können die Gallenwege reizen und verstopfen. Zudem können sie eine Gallenblasenentzündung auslösen. Risikofaktoren für Gallenkoliken sind die sogenannten "fünf F´s": Female (weiblich), Fertile (fruchtbar), Fat (Übergewicht), Forty (40), Fair (blond).
  • Komplikationen und Folgeerkrankungen: Gallengangsentzündung (Cholangitis), Gallenblasenentzündung (Cholezystitis), Aufbruch der Gallenblase (Gallenblasenperforation), Gallenblase (Gallenblasenhydrops), Gallenblasenkrebs (Gallenblasenkarzinom).
  • Wann zum Arzt: Bei Verdacht auf Gallenkolik immer zum Arzt!
  • Diagnose: Körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung, Ultraschall- Untersuchung des Bauches (Abdomensonografie), Endoskopisch retrograde Cholanigiopankreatikografie (ERCP).
  • Behandlung: Erste-Hilfe-Selbstmaßnahmen bei akuter Gallenkolik: Wärme (z.B. Wärmflasche auf dem Bauch oder warmer Baumwollwickel, nichts essen, keine kalorienhaltigen Getränke). Arzt verordnet krampflösende Medikamente und Schmerzmittel. Mittelfristig ist die Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) nötig, um Kompliktionen zu vermeiden.
  • Vorbeugen: Ausgewogene, fettarme Ernährung, ausreichend Trinkmengen und Abbau bzw. Vermeiden von Übergewicht helfen, Gallensteinen vorzubeugen (und damit auch Gallenkoliken).

Gallenkolik: Beschreibung

Gallenkoliken gehen von der Gallenblase (Vesica biliaris) aus. Dieser kleine Hohlkörper liegt unterhalb der Leber in einer geschützten Grube. Er speichert die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit und dickt sie ein. Von der Gallenblase aus gelangt die Gallenflüssigkeit (kurz: Galle) über den Gallengang (Ductus choledochus) in den Zwölffingerdarm, wo sie vor allem für die Fettverdauung beötigt wird.

Entzündet sich die Gallenblase oder haben sich Gallensteine gebildet, kann es zu einer Gallenkolik kommen: Die Gallenblase verkrampft sich, was mit starken, wellenförmigen Schmerzen einhergeht. Die Beschwerden treten meist in Schüben auf, lassen also zwischenzeitlich etwas nach, um dann wieder mit voller Wucht zuzuschlagen.

Der häufigste Auslöser einer Gallenkolik sind Gallensteine. Frauen sind davon viel häufiger betroffen: Rund jede fünfte Frau, aber nur jeder zehnte Mann hat Gallensteine. Doch nicht alle Gallensteinträger bekommen Gallenkoliken - betroffen sind nur etwa 25 Prozent.

Gallenkolik: Leitsymptome

Gallenkoliken können zwischen 15 Minuten und fünf Stunden andauern. Meist steigern sich die Schmerzen mit der Zeit und strahlen vom Oberbauch in den Rücken und die rechte Schulter aus.

Leitsymptome der Gallenkolik

  • plötzliche heftige, krampfartige Oberbauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Fieber mit Schüttelfrost
  • heller (entfärbter) Stuhl aufgrund fehlender Gallenfarbstoffe (bei Verschluss des Gallengangs etwa durch einen Gallenstein) oder Fettstuhl (durch gestörten Fettabbau)
  • dunkler Urin

Gallenkolik: Ursachen

Hauptverursacher einer Gallenkolik sind Gallensteine, die den Gallengang blockieren. Rund 15 Prozent der Bevölkerung besitzen die steinigen Begleiter, doch nur bei einem Viertel davon führen sie zu den typischen Beschwerden.

Gallensteine (Cholelithiasis)

Die Galle enthält außer Flüssigkeit auch Substanzen wie Cholesterin, Gallensalze, den Gallenfarbstoff Bilirubin und Lecithin. Verändert sich deren Verhältnis, können Feststoffe ausfallen, sich verfestigen und Gallensteine bilden. Das kann etwa bei fettreicher Ernährung passieren: Es steigt dann der Anteil des Cholesterins, das sich in der Folge als Cholesterinstein in der Gallenblase ablagern kann. Außerdem gibt es noch sogenannte Bilirubinsteine, die entstehen, wenn sich das Verhältnis zwischen Gallensalzen und dem Gallenfarbstoff Bilirubin verändert.

Je nachdem, wo der Gallenstein liegt, unterscheidet man zwischen Gallengangssteinen (Choledocholithiasis) und Gallenblasensteinen (Cholezystolithiasis).

Oft verursachen die Gallensteine erst Beschwerden, wenn sie zusammen mit der Gallenflüssigkeit in den engen Gallengang (Ductus choledochus) gespült werden und diesen verstopfen oder verengen. Dann zieht sich die Gallenblase wiederholt krampfartig zusammen, um die störenden Steine weiter in den Dünndarm zu befördern. Zudem reizen die rauen Steine die Wand des Gallengangs, was auch Tage nach der Kolik noch leichte Beschwerden verursachen kann. Die Koliken selbst verschwinden jedoch schlagartig, sobald der Gallenstein aus dem Gang hinaus in den Dünndarm gelangt ist.

Doch auch die Gallensteine, die scheinbar ruhig und unbemerkt in der Gallenblase liegen, können mit der Zeit Probleme machen. Denn sie können eine Gallenblasenentzündung (Choleszystitis) auslösen.

Risikofaktoren für Gallensteine

Es gibt einige Risikofaktoren, die das Entstehen von Gallensteinen begünstigen. Sie werden als "die fünf F´s" bezeichnet:

  • Female: Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.
  • Fertile: Wahrscheinlich spielt das weibliche Hormon Östrogen bei der Entstehung von Gallensteinen eine Rolle. Dafür spricht, dass Gallensteine häufiger in der Schwangerschaft sowie bei Anwendung östrogenhaltiger Medikamente (Pille, Hormontherapie) auftreten.
  • Fat: Übergewichtige haben ein höheres Risiko für Gallensteine.
  • Forty: Beschwerden durch Gallensteine zeigen sich überwiegend bei Menschen über 40 Jahre.
  • Fair: Hellhäutige Menschen sind häufiger von Gallensteinen betroffen als dunkelhäutige.

Komplikationen und mögliche Folgeerkrankungen

Bis zu einem Drittel aller Gallenkolik-Patienten entwickeln Komplikationen oder weitere Erkrankungen, zum Beispiel:

  • Durchbruch der Gallenblasen: Wenn ein Gallenstein den Gallengang blockiert, staut sich die Gallenflüssigkeit in der Gallenblase. In der Folge kann die Gallenblase platzen (Gallenblasenperforation), sodass Gallenflüssigkeit in den Bauchraum austritt. Das kann zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) führen, weshalb die Gallenblase schnellstens operativ entfernt werden muss. Neben einer Gallenkolik sind Übelkeit und Erbrechen typische Symptome einer Gallenblasenperforation.
  • Gallengangsentzündung: Bei einer akuten Cholangitis ist der durch Gallensteine verstopfte Gallengang eitrig entzündet. Drei Symptome (Charcot-Trias II) sind charakteristisch für die akute Cholangitis: Ikterus (Gelbsucht), Fieber und starke Oberbauchschmerzen.
  • Gallenblasenentzündung: Gallensteine sind rau. Durch Reibung können sie die Wand der Gallenblase so stark reizen, dass sie sich entzündet (Cholezystitis). Geschieht dies plötzlich, sind Fieber, kolikartige Schmerzen im Oberbauch und hohe Entzündungswerte im Blut typisch. Die Gallenblase kann aber auch infolge einer bakteriellen Infektion vereitert sein (Gallenblasenempyem). Aus dieser chronischen Form der Gallenblasenentzündung kann Gallenblasenkrebs entstehen.
  • Vergrößerung der Gallenblasen: Staut sich die Gallenflüssigkeit im Gallengang, kann sich die Gallenblase tastbar vergrößern. Mediziner sprechen von Gallenblasenhydrops. Unbehandelt kann sich daraus eine Entzündung entwickeln.
  • Gallenblasenkrebs: Chronische Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis) und Gallensteine erhöhen das Risiko für Gallenblasenkrebs (Gallenblasenkarzinom). Dieser entwickelt sich aber meist erst im höheren Alter. Zu den Symptomen gehören Appetitlosigkeit, ungewollter Gewichtsverlust, Ikterus (Gelbsucht), Übelkeit und Erbrechen sowie Gallenkoliken.

Gallenkolik: Wann müssen Sie zum Arzt?

Starke, plötzlich einsetzende Oberbauchschmerzen sollten Sie immer möglichst schnell von einem Arzt abklären lassen. Denn es könnten Gallensteine dahinter stecken. Und diese gehen nicht immer von selbst ab. Manchmal versperren sie den Gallengang dauerhaft, was zu schweren Komplikationen führen kann. So kann die Galle aufgrund der gestauten Gallenflüssigkeit im schlimmsten Fall platzen (Gallenblasenruptur). Außerdem können Gallensteine den benachbarten Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse blockieren und so eine nicht ungefährliche Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen.

Hinweis: Suchen Sie unbedingt einen Arzt auf, wenn Sie typische Symptome einer Gallenkolik bei sich feststellen: Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gelbsucht (Ikterus), Fieber mit Schüttelfrost, Fettstuhl oder heller (entfärbter) Stuhl, dunkler Urin.

Gallenkolik: Was macht der Arzt?

Eine Gallenkolik geht meist mit so typischen Beschwerden einher, dass sie von einem Arzt in der Regel sofort erkannt wird. Trotzdem sollten Sie dem Mediziner Ihre Beschwerden möglichst genau schildern. Im Rahmen dieses Erstgesprächs zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) wird der Arzt etwa fragen, seit wann und wo genau Sie Schmerzen haben und wie sich diese äußern. Er erkundigt sich auch nach Verdauungsstörungen, weil Erkrankungen der Gallenblase sich immer auf die Fettverdauung und den Stuhlgang auswirken (z.B. heller Stuhl wegen fehlender Gallenfarbstoffe). Der Urin ist dagegen meist dunkler als gewöhnlich.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt Ihren Bauch ab. Dabei kann er feststellen, ob Milz und Leber vergrößert sind und ob der Bauch hart oder weich ist. Zwei spezielle Untersuchungsmethoden sind für den Arzt besonders aussagekräftig:

  • Murphy-Zeichen: Der Arzt bittet den Patienten, tief einzuatmen und drückt dabei seine Finger unter den rechten Rippenbogen. Schmerzt dies, unterbricht der Patient plötzlich das tiefe Luftholen. Dies deutet auf ein Gallensteinleiden (Cholelithiasis) oder eine Gallengangsentzündung (Cholezystitis) hin.
  • Courvoisier-Zeichen: Die Untersuchung läuft genau so ab wie beim Murphy-Zeichen, ruft aber keine Schmerzen beim Patienten hervor. Der Arzt stellt dabei jedoch fest, dass die Gallenblase prall gefüllt ist - ein Hinweis auf einen Verschluss des Gallengangs durch einen Tumor oder Vernarbungen.

Blutuntersuchung

Der Arzt wird Ihnen auch Blut abnehmen, um bestimmte Werte der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse bestimmen zu lassen. Dazu zählen etwa:

  • Alkalische Phosphatase (AP): Ist dieser Wert erhöht, deutet das zusammen mit anderen Leberwerten auf Erkrankungen der Leber oder der Knochen hin.
  • Gamma-GT: Besonders bei Störungen des Gallenabflusses der Leber ist dieser Wert erhöht.
  • GPT (ALT): Dieses Enzym kommt nur in der Leber vor und ist bei einer Schädigung erhöht.
  • Bilirubin: Durch eine Abflussstörung der Galle reichert sich der Gallenfarbstoff im Blut an.
  • Lipase: Ist dieser Wert erhöht, kann dies auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hindeuten.

Weitere Untersuchungsmethoden

Die Ultraschalluntersuchung des Bauches (Abdomensonografie) ist die Methode der Wahl, um einer Gallenkolik auf den Grund zu gehen. Nicht nur Gallensteine lassen sich hiermit gut erkennen, sondern auch Veränderungen der Gallenblase wie Tumoren, Polypen oder Entzündungen. Zusammen mit der körperlichen Untersuchung und einem beispielsweise positiven Murphy-Zeichen kann der Arzt meist sehr genau feststellen, ob die Gallenblase entzündet ist oder Gallensteine vorhanden sind.

Diagnostik und Therapie zugleich ermöglicht die Endoskopisch retrograde Cholanigiopankreatikografie (ERCP). Dabei führt der Mediziner einen dünnen Schlauch mit einer kleinen Kamera am Vorderende (Endoskop) über den Mund bis in den Zwölffingerdarm, wo das Gallengangsystem einmündet (meist zusammen mit dem Bauchspeicheldrüsengang). Nun spritzt er ein Rötngenkontrastmittel in das Gangsystem. Dann wird dieser Rumpfbereich geröntgt. Auf dem Röntgenbild lassen sich krankhafte Veränderungen wie etwa eine Verengung des Gallengans durch einen Gallenstein gut erkennen. Über das schlauchförmiges Endoskop kann der Arzt dann sogleich feine medizinische Instrumente einführen, um den Gallenstein zu entfernen.

Behandlung

Liegt eine akute, von Gallensteinen verursachte Gallenkolik vor, wird der Arzt zunächst Krampflöser (Spasmolytika) und starke Schmerzmittel verabreichen. Im Rahmen der genaueren Ursachensuche mittels ERCP kann man - wie oben erwähnt - oft auch schon eine ursächliche Behandlung durchführen (z.B. Entfernen eines Gallensteins, Aufweitung einer Gallengangsverengung mithilfe eines Röhrchens = Stent).

Kleinere Gallensteine in Gallenblase oder Gallengängen lassen sich manchmal medikamentös auflösen (mit Ursodeoxycholsäure = UDCA). Meist ist aber eine komplette Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) nötig, um schwere Komplikationen zu vermeiden. Der Eingriff wird heute überwiegend laparoskopisch durchgeführt: Dabei werden die benötigten medizinischen Instrumente über kleine Bauchschnitte eingeführt. Eine großer Bauchschnitt ist zur Entfernung der Gallenblase dagegen nur selten nötig.

Gallenkolik: Das können Sie selbst tun

Um die Zeit bis zum Arztbesuch zu überbrücken, lassen sich bei einer akuten Gallenkolik die Beschwerden oftmals mit folgenden Tipps etwas lindern:

  • Wärmflasche: Eine Wärmflasche auf dem Bauch ist die einfachste und schnellste Methode, die heftigen Schmerzen etwas zu lindern. Die Wärme kann die verkrampfte Muskulatur lockern.
  • Heiße Wickel: Auch ein Bauchwickel mit in heißem Wasser getränkten Baumwolltücher entspannt den schmerzenden Bauch.
  • Auf Essen und zuckerhaltige Getränke verzichten: Während einer Gallenkolik sollten Sie weder essen noch kalorienhaltige Getränke wie Limonade oder Säfte zu sich nehmen. So verhindern Sie, dass die Gallenblase Gallenflüssigkeit ausschüttet, was noch mehr Schmerzen verursachen würde.

Gallenkolik: So können Sie vorbeugen

Letztendlich kann man die schmerzhaften, äußerst unangenehmen Gallenkoliken nur vermeiden, indem man der Bildung von Gallensteinen vorbeugt:

  • Fettarme Ernährung: Achten Sie dazu auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche und fettarme Ernährung. Vermeiden Sie etwa schwere Soßen und frittiertes Essen und verzehren Sie regelmäßig frisches Obst und Gemüse.
  • Übergewicht vermeiden: Mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung können Sie Übergewicht abbauen beziehungsweise verhindern.
  • Viel trinken: Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken. Denn Flüssigkeitsmangel fördert die Bildung von Gallen- und Nierensteinen und begünstigt so die Entstehung einer Gallenkolik.
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