Frau mit Magenschmerzen

Reizdarm: Unterschätztes Leiden

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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Ein Reizdarm-Syndrom kann auch seelisch sehr belastend sein – insbesondere, wenn die Krankheit mit Durchfällen einhergeht. Bei einigen Patienten kommen in den schlimmen Phasen sogar Suizidgedanken auf.

Forscher um Prof. Hans Törnblom vom Department of Internal Medicine & Clinical Nutrition der Universität Göteborg haben 513 Reizdarmpatienten befragt, die unter anderem unter Durchfall litten.

Geraubte Lebensfreude

Am stärksten belasteten die Befragten die Dringlichkeit, mit der sie wegen ihrer Durchfälle eine Toilette aufsuchen mussten, und die Erschöpfung, die sie an durchschnittlich 18 Tagen pro Monat überfiel. Jeder Vierte gab zudem an, dass die Erkrankung ihnen die Lebensfreude raubte. 11 Prozent stimmten gar der Aussage zu: „Wenn mein Reizdarm schlimm ist, wünschte ich mir, ich wäre tot“.

Mehr als jeder dritte Patient gab an, sich andauernd Sorgen darüber zu machen, ob und wann die Reizdarmsymptome auftreten würden. Jeder Fünfte war überzeugt, dass die Erkrankung sein Arbeitsleben negativ beeinflusse.

„Alles tun, was hilft“

Obwohl Reizdarmsymptome nur phasenweise auftreten, wäre jeder zweite Betroffene bereit, für den Rest seines Lebens täglich Medikamente einzunehmen, sofern diese helfen würden. Fast ebenso viele sagten, sie würden „alles tun, um die Beschwerden in den Griff zu kriegen“.

Hinzu kommt, dass Reizdarmpatienten häufig unter weiteren körperlichen oder seelischen Erkrankungen leiden. Jeder Dritte hat eine Angststörung, jeder Vierte Depressionen, ebenso viele Migräne.

Von Ärzten nicht ernst genommen

Trotz des hohen Leidensdrucks fühlt sich ein Drittel der Befragten von ihrem Arzt nicht ernst genommen und wünscht sich mehr Unterstützung. „Mit Reizdarm zu leben kann extrem hart, emotional belastend und schwierig sein“, sagt Studienleiter Törnblom.

Neben der Behandlung der körperlichen Symptome sollte den Patienten auch psychologische und emotionale Unterstützung angeboten werden, so der Wissenschaftler. Diese Unterstützung sollte von den Ärzten, aber auch von Familienangehörigen und Freunden kommen.

Die meisten Reizdarmpatienten suchten keinen ärztlichen Rat für ihre Beschwerden, sagt Törnblom. Unter denen, die es versuchten, sei ein großer Anteil sehr unzufrieden mit dem Ergebnis der Therapie.

Tatsächlich ist das Reizdarmsyndrom schwierig zu behandeln. Bis die individuell beste therapeutische Option für einen Patienten gefunden ist, ist es oft ein weiter und frustrierender Weg.

Zehn Millionen Betroffene

Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall oder Verstopfung sind die wichtigsten Symptome von Reizdarm. Rund zehn Millionen Menschen leiden in Deutschland darunter – die einen stark, die anderen weniger.

Da die Krankheitsmechanismen noch nicht vollständig geklärt sind, lassen sich nur die Beschwerden lindern, nicht aber die Ursachen behandeln. Die Krankheit tritt oft zum ersten Mal zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

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