Mädchen kratzt sich am Arm

Neurodermitis: Neue Behandlung in Sicht

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Lisa Vogel

Lisa Vogel studierte Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach und vertiefte ihre journalistischen Kenntnisse im Masterstudiengang Multimediale Information und Kommunikation. Als freie Journalistin sammelte sie Erfahrungen im Lokaljournalismus und schrieb Beiträge für Gesundheitsplattformen. Seit September 2018 ist sie Volontärin in der e-happiness Redaktion.

Juckreiz, ade! Ein innovativer Wirkstoff setzt auf einen völlig neuen Wirkmechanismus. Er hilft verblüffend gut. Und das bei allen Patienten.

Quälender Juckreiz bestimmt ihren Alltag: Etwa 15 Prozent der Kinder und bis zu vier Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter Neurodermitis. Doch jetzt dürfen sie auf eine neue und besonders wirksame Behandlung hoffen: Die Medizinische Hochschule Hannover erprobt derzeit einen neuen Wirkstoff – und hat bereits vielversprechende Resultate erzielt.

Ganz neuer Angriffspunkt

Der von ihnen eingesetzte sogenannte Histamin-4-Rezeptor-Blocker mit dem sperrigen Namen ZPL 3893787 unterbricht den Entzündungsprozess. Denn er verhindert, dass der Botenstoff Histamin an den empfindlichen Hautzellen andocken kann. Histamin ist für die Entzündungssymptome wie Juckreiz und Rötung bei Allergien und Neurodermitis verantwortlich.

„Der neue Wirkstoff hat einen anderen Angriffspunkt als bisherige Präparate“, sagt Prof. Thomas Werfel, stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Hochschule Hannover und Immundermatologe. Bisher kam in schweren Neurodermitis-Fällen der Wirkstoff Cyclosporin A zum Einsatz. Er unterdrückt sehr wirksam die Immunreaktion und wird sonst unter anderem nach Organtransplantationen angewendet.

Nach acht Wochen deutliche Besserung

Zwölf Wochen dauerte die Studie. 65 Teilnehmer erhielten eine Tablette mit dem Histaminrezeptoren-Blocker, 33 Teilnehmer dienten als Kontrollgruppe. Sie bekamen ein Placebo. Vor Studienbeginn dokumentierten die Forscher Ausdehnung und Schweregrad der Hautentzündungen.

Bereits nach acht Wochen Tabletteneinnahme gingen bei der Wirkstoffgruppe die Symptome deutlich zurück. Und zwar bei allen Teilnehmern. Im Mittel hatte sich die entzündete Hautfläche auf die Hälfte verringert. „Wir gehen davon aus, dass der Histamin-4-Rezeptor-Blocker unabhängig von der Ursache der Neurodermitis wirkt. Derzeit untersuchen wir, welche Patienten am stärksten von der neuen Therapie profitieren können“, sagt Werfel.

Wunderwaffe ohne Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen traten in der Studiengruppe nicht auf. „Allerdings war die Gruppe mit 98 Patienten zu klein. Der Frage nach möglichen Nebenwirkungen müssen größer angelegte Studien nachgehen“, sagt Studienleiter Werfel. Derzeit läuft an der Hochschule in Hannover eine zweite Studie mit etwa 400 Patienten an.

Wann das neue Mittel in den Apotheken stehen könnte, ist noch unklar. „Auch wenn alles glatt läuft, dauert das sicher noch zwei bis drei Jahre“, sagt Werfel. Bis dahin müssen Neurodermitis-Patienten auf herkömmliche Behandlungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Hautpflege ist bei Neurodermitis wichtig

Um Schüben vorzubeugen, müssen Neurodermitis-Patienten ihre Haut täglich intensiv pflegen. Bei einem leichten Ekzem können Präparate mit Kortison die Symptome lindern. Bei schwereren Formen der Hautkrankheit verschreibt der Arzt Medikamente, die das Immunsystem hemmen.

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