Künstliches Muttermal warnt vor Krebs

Frau mit Muttermal
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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Ein Hautimplantat, das sich im Falle einer Krebserkrankung dunkel färbt? Ein solches Frühwarnsystem scheint futuristisch. Dass ein solches Implantat tatsächlich funktionieren könnte, belegen aber schon jetzt Tests mit Mäusen.

Je früher ein Krebs entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Doch häufig gehen die Patienten erst zum Arzt, wenn sich ein Tumor bemerkbar macht. Dann ist die Therapie meist belastender und die Heilungschancen stehen schlechter.

Krebstumoren lassen Kalziumspiegel steigen

Forscherinnen und Forscher um Prof. Martin Fussenegger vom Department für Biosysteme der ETH Zürich in Basel haben sich den Umstand zunutze gemacht, dass im Verlauf mancher Krebserkrankungen die Kalziumwerte im Blut steigen. Dazu gehören auch die häufigsten Tumorarten: Brust-, Prostata-, Lungen- und Darmkrebs sowie Leberkrebs.

Biomedizinisches Hauttattoo

Das biomedizinische Tattoo besteht aus einem Implantat, das mit gentechnisch veränderten menschlichen Zellen bestückt ist. Diese verfügen über einen Kalzium-Rezeptor. Liegen die Kalziumwerte längere Zeit über einem bestimmten Schwellenwert, beginnen die Zellen das Pigment Melanin zu produzieren: Das Transplantat färbt sich dunkel wie ein Muttermal.

Früherkennung wirkt bei Mäusen

In Experimenten mit krebskranken Mäusen hat das Verfahren bereits funktioniert: Es verfärbte sich ausschließlich bei jenen Nagern, die einen Kalziumspiegel erhöhenden Tumor entwickelt hatten. Vor allem lief die Melaninproduktion bereits an, lange bevor die Tiere erste Krankheitssymptome zeigten. Damit steigen die Chancen auf Heilung erheblich.

Fehlalarm nicht ausgeschlossen

Einen Haken hat die Sache allerdings: Erhöhte Kalziumwerte können auch andere Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise eine Nierenfunktionsstörung oder die Einnahme bestimmter Medikamente. In dem Fall würde das Krebsdetektor-Muttermal einen beunruhigenden Fehlalarm auslösen. In der Medizin bezeichnet man dies als falsch positive Diagnosen.

Sie versetzen die Betroffenen meist in Angst und Schrecken. Zudem ziehen sie Untersuchungen nach sich, die belastend sein können. Doch das passiert auch bei heute gängigen Früherkennungsverfahren – und mit ihnen werden die Tumoren meist später erkannt als es mit dem neuen Verfahren möglich wäre.

Früherkennung bedeutet weniger aggressive Therapie

Färbt das Implantat sich dunkel, sei das zunächst kein Grund zur Panik, sagt auch Studienleiter Fussenegger: „Der Leberfleck bedeutet nicht, dass die Person bald sterben muss.“ Im Gegenteil: Bestätigt sich der Verdacht, bleibt ausreichend Zeit für die Therapie, die im frühen Stadium wesentlich weniger aggressiv sein muss als später.

Zehn Jahre bis zur Markteinführung

Bis zu Marktreife dürfte noch einige Zeit vergehen – die künstlichen Muttermale funktionieren bislang nur etwa ein Jahr. Dann müssen sie ersetzt werden. Fussenegger schätzt, dass die biomedizinischen Tattoos in etwa zehn Jahren zur Früherkennung eingesetzt werden können.

Kalzium – vielseitiger als gedacht

Kalzium wird von allen lebenden Zellen benötigt, um ihre normale Struktur und Funktion aufrecht zu erhalten. Erst vor Kurzem hat man entdeckt, das Kalzium aber auch eine entscheidende Rolle in zentralen zellulären Prozessen wie der Ausdifferenzierung von Zellen oder dem Untergang überalterter oder kranker Exemplare spielt.

Der Kalziumspiegel wird im Körper sehr präzise innerhalb von Minuten reguliert. Manche Tumoren stören dieses fein austarierte Gleichgewicht, sodass der Kalziumspiegel steigt.

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