Chemotherapie: Eishandschuhe gegen Nervenschäden

Frau mit Schnee
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Manche Chemotherapeutika können die Nervenzellen erheblich schädigen. Insbesondere Hände und Füße sind betroffen. Davor könnte eine einfache Maßnahme schützen: tiefgekühlte Socken und Handschuhe.

Eine Chemotherapie greift nicht nur Krebszellen an, sondern auch gesunde Körperzellen. Die wohl bekannteste, weil sichtbarste Nebenwirkung, ist Haarausfall. Doch auch die Nervenzellen können durch die Medikamente Schaden nehmen.

Bei vielen Patienten treten Missempfindungen oder Taubheitsgefühle in Händen oder Füßen auf. Manchmal leiden sogar die feinmotorischen Fähigkeiten unter den Nervenschäden. Dann fällt es den Betroffenen schwer, Flaschenverschlüsse zuzudrehen, den Mantel zuzuknöpfen oder sie sind beim gehen unsicher.

Nervenschutz durch Kälte

Die Behandlungsmöglichkeiten solcher Nervenschäden sind bislang unbefriedigend und auch vorbeugende Maßnahmen gibt es nicht. Nun haben Forscher um Akiko Hanai vom Nationalem Zentrum für Geriatrie und Gerontologie in Aichi, Japan, Brustkrebspatientinnen zum Schutz der Nerven mit tiefgekühlten Handschuhen und Socken ausgestattet.

Die Überlegung dahinter: Kälte reduziert die Durchblutung. Daher würden Nervenzellen in den gekühlten Bereichen weniger Giftstoffe aus der chemotherapeutischen Behandlung aufnehmen und diese besser überstehen. Mit entsprechenden Kältehauben ist es zuvor anderen Forschern bereits gelungen, den Haarverlust durch Chemotherapie zu reduzieren. (e-happiness berichtete).

Tiefkühlsocken, Tiefkühlhandschuhe

Um herauszufinden, ob sich die Nerven tatsächlich durch Kühlung schützen lassen, kreierten die Forscher folgendes Experiment: Sie statteten insgesamt 40 Brustkrebspatientinnen mit tiefgekühlten Socken und Handschuhen aus.

Während ihrer wöchentlichen einstündige Chemo-Behandlung trugen die Probandinnen diese an der jeweils dominanten Körperseite. Sie behielten Socken und Handschuhe auch nach dem die Infusion durchgelaufen war noch für weitere 30 Minuten an – insgesamt also 90 Minuten. Für alle Patientinnen war die Kälte erträglich, sodass keine von ihnen die Kältemontur vorzeitig ablegte.

Am Ende testeten die Wissenschaftler die Funktionsfähigkeit der Nerven an beiden Körperseiten. Dazu untersuchten sie die Wahrnehmung von Berührungsreizen, Vibrationen und Temperaturen sowie die Reaktionsschnelligkeit der Patienten. Diese wurden darüber hinaus auch zu möglichen Symptomen von Neuropathien befragt. Dazu zählen beispielsweise Kribbeln oder stechende, brennende Schmerzen.

Weniger Nervenschäden

Tatsächlich waren die Anzeichen für eine Neuropathie auf der kältebehandelten Seite im Schnitt deutlich geringer als an den nicht gekühlten Extremitäten. Allerdings könnte dieses Ergebnis auch durch einen Placeboeffekt beeinflusst worden sein, räumen die Forscher ein. Weitere Untersuchungen sollen das Ergebnis untermauern.

Bestätigt sich die Wirksamkeit, könnte die Methode eine einfache, kostengünstige und nebenwirkungsarme Strategie zur Vorbeugung von Neuropathien sein – und so die Lebensqualität vieler Krebspatienten erheblich steigern.

ディテール

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