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Neue Viren, alte Ängste

Frau mit MundschutzFrau mit MundschutzFrau mit Mundschutz

In diesem Jahr sind in Asien zwei neue Stämme der Vogelgrippe-Erreger aufgetaucht. Den Sprung zum Menschen haben sie geschafft - doch wie gefährlich sind sie wirklich?

Die jüngste Entdeckung der Grippeforscher heißt "H6N1". Von den insgesamt 15 bekannten Stämmen der Vogelgrippe-Viren ist H6N1 bei Vögeln am weitesten verbreitet. Er galt aber bisher für Menschen als ungefährlich. Denn seine Oberflächen-Eiweiße (H steht für Hämagglutinin, N für Neuraminidase) erlaubten es ihm nicht, sich an menschliche Zellen anzuheften und seine krankmachenden Erbinformationen in diese einzuschleusen.

Viren finden immer neue Wege

Unlängst allerdings haben Wissenschaftler in Taiwan zum ersten Mal eine H6N1-Vogelgrippe-Infektion bei einer jungen Frau nachgewiesen. Durch Mutation hatte es seine Hülle so verändert, dass es an die menschlichen Zellen andocken und in diese eindringen konnte. Die Forscher befürchten, dass der neuartige Erreger bereits große Teile der nationalen Geflügelbestände infiziert hat. Wissenschaftler und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versetzen solche Entdeckungen in höchste Alarmbereitschaft.

Immer wieder schaffen es Virenstämme, ihre Erbinformationen untereinander auszutauschen oder zu verändern und sich auf diesem Wege Zugang zu neuen Wirtsorganismen zu verschaffen. Zu Recht: Erst im Frühjahr wurde bekannt, dass auch der Stamm H7N9 in China den Sprung vom Tier zum Menschen geschafft hat - Hunderte sind inzwischen infiziert, etliche Personen starben. Auch das bekannte H5N1-Virus kursiert in Varianten weiter - vor wenigen Tagen meldete das vergleichsweise kleine asiatische Land Kambodscha den 13. Todesfall durch diesen Vogelgrippe-Erreger seit Beginn des Jahres.

Ansteckung nur bei engem Kontakt

Für eine Ansteckung mit der Vogelgrippe ist allerdings eine recht hohe Virusdosis nötig. Also der direkte Kontakt mit erkrankten Tieren, deren Federn – oder mit ihrem Fleisch. Und bis das Vogelgrippe-Virus von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann, muss sich sein Erbguts noch weiter verändern.

H7N9-Virus sei dieser Sprung wahrscheinlich gelungen, glauben Forscher in China. Allerdings sei das Risiko für eine solche Ansteckung sehr gering. Sie beschreiben einen Fall, in dem eine 32-jährige Chinesin ihren schwer erkrankten Vater ohne Schutzkleidung gepflegt, dessen Auswurf beseitigt und Mundhygiene bei ihm durchgeführt hatte. Offenbar sei für die direkte Ansteckung ein sehr intensiver Kontakt mit dem Erkrankten oder dessen virenhaltigen Körperflüssigkeiten erforderlich.

Neuer Impfstoff besteht erste Tests

Für die Neuauflage einer weltweiten Vogelgrippe-Epidemie wie Anfang 2006 oder einen neuen Supervirus gibt es bisher keinen Anhaltspunkt. Gleichwohl arbeiten Pharmaunternehmen mit Hochdruck an geeigneten Impfstoffen gegen H7N9. Pharmariese Novartis vermeldete Mitte November 2013 erfolgreiche Tests in der ersten klinischen Erprobung eines neuen Serums: Bei 85 Prozent der 400 Probanden habe der mit einem Wirkverstärker versetzte Impfstoff eine Antwort des Immunsystems ausgelöst. Man sei nun in der Lage, einen Impfschutz für das H7N9-Virus anzubieten - bereits wenige Monate nach dessen Auftreten.

Bisher vor allem China

Ärzte in Deutschland sollten Patienten mit schweren, akuten Atemwegserkrankungen nach ihren Reiseaktivitäten in den letzten zehn Tagen vor Ausbruch der Symptome befragen, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Website. Insbesondere Reisen nach China oder in die arabischen Länder seien verdächtig. Denn neben dem Vogelgrippe-Virus kursiert im Nahen Osten das neuartige Coronavirus, das ebenfalls grippeähnliche Symptome und lebensgefährliche Komplikationen auslösen kann. Bei schwerer Lungenentzündung (Pneumonie) oder einem Atemnotsyndrom empfiehlt das RKI, die Infektion im Labor abzuklären und gegebenenfalls ein Speziallabor hinzuziehen, falls der Test auf die gängigen menschlichen Grippeviren negativ verläuft.

Wer in Gebiete reist, in denen das Vogelgrippe-Virus besonders aktiv und gefährlich ist, könne sich schützen, so das RKI in einem Merkblatt für Reisende: Man solle dort keine Tier- und Geflügelmärkte besuchen, Geflügelfleisch und Eier immer komplett durcherhitzen und die Hände gleich nach der Zubereitung von Geflügelfleisch sehr gründlich waschen. Denn das haben alle Influenza-A-Stämme gemeinsam: Sie sind besonders empfindlich gegen Hitze, Wasser, Seifen und Desinfektionsmittel.

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Autor:
Jens Richter
Quellen:
  • Xian Qi et al: "Probable person to person transmission of novel avian influenza A (H7N9) virus in Eastern China, 2013: epidemiological investigation", British Medical Journal (August 2013)
  • Robert Koch-Institut: RKI zu humanen Erkrankungsfällen mit Influenza A(H7N9) in China (Stand 27.11.2013)
  • Robert Koch-Institut: Merkblatt "Vogelgrippe - Aviäre Influenza" (Stand Mai 2013)
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