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Polster für die Seele

Speckpolster Speckpolster Speckpolster

Eine schlanke Linie macht nicht unbedingt glücklich - wer zunimmt, ist hinterher sogar seelisch oft stabiler, zeigt eine Studie. Ein Aufruf zum hemmungslosen Schlemmen ist das trotzdem nicht

"Jeden Tag ein Pfund weg!", "Flacher Bauch in vier Tagen!", "Die neue Tomatendiät!" - gefühlt jeder zweite Zeitschriftentitel ruft zum Abspecken auf. Schlank ist schön, wer dünn ist, hat Erfolg, Übergewicht zeugt von Disziplinlosigkeit - Mythen rund um die Figur setzen vor allem Frauen unter Druck. Jedes Kilo mehr auf der Waage müsste folglich nicht nur den Körper, sondern auch das Gemüt belasten.

Die Realität sieht aber offenbar anders aus. Zumindest eine Untersuchung von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München kommt zu einem völlig anderen Ergebnis: Demnach leidet zwar die körperliche Gesundheit unter dem zusätzlichen Gewicht, das psychische Befinden hingegen verbessert sich - vor allem bei Frauen. "Das hat uns auf den ersten Blick auch etwas überrascht", sagt Studienleiter Prof. Rolf Holle im Gespräch mit e-happiness.

Körperlicher Zustand und seelische Stabilität

Das Team um Holle und Michael Laxy werte Daten von 3000 Personen aus, die im Rahmen der sogenannten KORA-Längsschnittstudie erfasst wurden. Zu Beginn waren die Teilnehmer zwischen 25 und 74 Jahre alt. Anfangs und nach sieben Jahren wurden sie gewogen und ihr Body-Mass-Index bestimmt. Außerdem ermittelte man ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität mithilfe eines standardisierten Fragebogens. Neben Fragen, die auf den körperlichen Zustand zielten wie, nach den Einschränkungen im Alltag wie beim Treppensteigen, wurden auch Fragen zur seelischen Befindlichkeit gestellt, beispielsweise "Wie oft haben Sie sich in den vergangenen vier Wochen traurig oder entmutigt gefühlt?" oder "Wie häufig sind Sie ruhig und gelassen?".

Mehr Pfunde, mehr Gelassenheit

Erwartungsgemäß waren Teilnehmer, die Gewicht zulegten, körperlich anschließend meist schlechter beieinander als zuvor. Das seelische Befinden hingegen verbesserte sich verblüffenderweise - vor allem bei Frauen. Und das galt nicht etwa nur für jene Teilnehmerinnen, die als Hungerhaken in die Studie gestartet waren - auch Frauen, die bereits zu Beginn zu viele Pfunde auf den Rippen hatten, ging es psychisch besser, wenn sie weiter zulegten. Menschen, die Gewicht verloren hingegen waren seelisch tendenziell instabiler. Gründe dafür, warum das so ist, liefert die Studie nicht. Eine mögliche Erklärung könnte jedoch sein, dass Essen hervorragend hilft, Stress abzubauen. "Das kann die Psyche stabilisieren", sagt Holle. Kurz gesagt: Wer es sich gut gehen lässt, dem geht es auch besser.

Stressfaktor Abnehmen

Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, warum es so verflixt schwer ist abzunehmen: "Die Verschlechterung des psychischen Befindens ist ein großes Hindernis", erklärt der Forscher. Diät halten ist eben ein Stressfaktor - und schlägt aufs Gemüt - eine Erfahrung, die wohl jeder gemacht hat, der versucht hat, Gewicht zu verlieren. "Wer abnehmen will, sollte das im Hinterkopf haben", sagt Holle. Auch wenn die Kilos purzeln, geht es einem nicht automatisch gut. "Das sollten Abnehmprogramme berücksichtigen - und psychologisch auffangen", fordert der Wissenschaftler.Eine weitere Botschaft, die man mitnehmen kann: Wer seelisch ohnehin gerade labil ist, sollte seine Diätpläne eventuell vertagen.

Dass nun umgekehrt jeder, der sich seelisch angeschlagen fühlt, sich ein paar Kilos anfuttern sollte, können die Forscher dennoch nicht empfehlen. Holle warnt: "Spätestens, wenn zum Übergewicht ernährungsbedingte Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme kommen, leidet auch die Lebensqualität."

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Autor:
Christiane Fux
Quellen:
  • Laxy, M. et al. (2013), The longitudinal association between weight-change and health-related quality of life: The KORA S4/F4 cohort study, International Journal of Public Health, doi: 10.1007/s00038-013-0506-x