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Onlinetherapie: Erste Hilfe für die Seele

Monatelang warten auf eine Therapie? Das fanden zwei Berliner Psychologinnen unerträglich. Nun haben sie ein therapeutisches Onlineangbot entwickelt, das sofort Unterstützung bietet.

Für Kati Bermbach kam die Erkenntnis am Telefon. Die Psychologin jobbte damals als Hilfswissenschaftlerin an der Berliner Charité. Ihre Hauptaufgabe: Therapieplätze absagen. „Jeden Tag musste ich verzweifelten Menschen erklären, dass es keinen Platz für sie gibt“, sagt Bermbach im Gespräch mit e-happiness. „Mir war bis dahin nicht klar, was für eine riesige Versorgungslücke da klafft.“

Durchschnittlich drei bis sechs Monate warten Menschen mit seelischen Leiden in Deutschland derzeit, bis sie eine Psychotherapie beginnen können. Das ergab eine Umfrage der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Besonders in ländlichen Regionen sieht es oft zappenduster aus.

Die Seele muss warten

Die Krux ist: Seelische Krankheiten sieht man nicht. Mit einem Beinbruch bekommt man sofort Hilfe, eine erkrankte Seele aber muss warten. Dabei ist der Leidensdruck oft enorm. Und die Gefahr einer Verfestigung des Krankheitsbildes groß, denn psychische Krankheiten setzen sich immer tiefer in der Seele fest, je länger sie andauern. Das macht ihre Behandlung viel schwerer. Nicht selten verschlimmert sich der Zustand der Patienten sogar – manchmal bis zum Suizid. „Diese Situation ist unerträglich“, sagt Bermbach.

Auf einem Kongress in Cambridge stößt sie in Nora Blum auf eine Gleichgesinnte. Während eines Pub-Besuchs kommt den beiden Mittzwanzigerinnen die Idee: eine Onlinetherapie, die die Wartezeit wirksam überbrückt. Erste Hilfe für die Seele also. Inzwischen haben sie Angebote für Menschen mit Depressionen, Angsterkrankungen und Essstörungen entwickelt, aber auch für Stressgeplagte. Selfapy“ tauften die beiden jungen Frauen das Projekt, das seit gut einem Jahr im Netz ist.

Hausaufgaben für die Psyche

Das von den Psychologinnen angewendete Verfahren – die kognitive Verhaltenstherapie – bietet für Onlineanwendungen ideale Voraussetzungen. Es ist vornehmlich praktisch orientiert und funktioniert über Aufklärung und Aufgaben, die man abarbeiten kann wie eine Schularbeit.

Eine Verhaltenstherapie wirft zwar auch einen Blick in die Vergangenheit, um die Gegenwart zu erhellen, vor allem aber geht es um das Hier und Jetzt. Was ist wirklich dran an den Ängsten und schwarzen Gedanken, die mich runterziehen? Wie komme ich raus aus den Grübelfallen? Und ist tatsächlich alle Welt gegen mich?

Frische Luft gegen trübe Gedanken

„Ich fand das Tagesprotokoll toll“, berichtet Miriam Kerner*, die das neunwöchige Programm zur Behandlung von Depressionen absolviert hat. Gleich zu Beginn notierte sie eine Woche lang mehrmals täglich, was sie gerade tat und wie es ihr ging. „Erst da habe ich gemerkt, dass es auch an schlimmen Tagen gute Momente gibt“, erzählt die 35-Jährige. „Das zu sehen, war für mich ganz wichtig.“

Seit sie herausgefunden hat, was ihr guttut, kann sie diese Erkenntnis praktisch anwenden: „Wenn es mir schlecht geht, gehe ich jetzt zum Beispiel spazieren“, berichtet sie. Frische Luft und Bewegung vertreiben ihre düsteren Gedanken und helfen ihr aus der Antriebslosigkeit.

Einmal pro Woche telefonierte Kerner außerdem mit einer Therapeutin, mit der sie ihre Erfahrungen besprechen konnte. Das alles hat geholfen. „Mir ging es vorher richtig schlecht. Ich hatte an nichts mehr Freude. Musste mich jeden Tag aufraffen, überhaupt aufzustehen. Habe mich kaum noch mit Freunden getroffen, habe dauernd gegrübelt“, beschreibt Miriam Kerner ihre Leidenszeit. „Jetzt weiß ich, wie ich gegensteuern kann, wenn es wieder losgeht.“ Negative Gedanken unterzieht sie einem Realitätscheck, bevor sie sich festsetzen können. Und auch ihr Selbstwertgefühl ist viel stabiler als vor der Therapie.

Genauso wirksam wie die Couch

Die Wirksamkeit der Onlinetherapie bestätigt inzwischen auch eine unabhängige Studie der Uniklinik Eppendorf: Um durchschnittlich 35 Prozent besserten sich die Beschwerden der Teilnehmer. „Das ist vergleichbar mit einer klassischen Psychotherapie“, sagt Bermbach.

Trotzdem ist Selfapy nicht als Ersatz, sondern zur Überbrückung gedacht. „Online läuft die Therapie sehr viel schematischer ab als im klassischen Modell. Wir können auf die individuellen Bedürfnisse nicht so flexibel reagieren, wie in der direkten Begegnung zwischen Therapeut und Patienten“, sagt Bermbach.

Auch für Menschen mit schweren Depressionen oder gar Suizidgedanken ist Selfapy ungeeignet. „So stark belasteten Menschen können wir nicht gerecht werden“, sagt Bermbach. Für sie sei es wichtig, direkt mit einem Therapeuten zu arbeiten.

Schnelle Hilfe

Ob der Hilfesuchende bei Selfapy richtig ist, klären die Psychologen des Teams in einem Erstgespräch. Spricht nichts gegen die Therapie, kann sie den Erkrankten eine erste Linderung verschaffen – und das sofort.

Das war auch für Miriam Kerner das entscheidende Kriterium: „Auf einen normalen Therapieplatz hätte ich Monate warten müssen.“ Entgegen kam ihr auch die Tatsache, sich ihren Therapeuten nicht von Angesicht zu Angesicht präsentieren zu müssen.

Denn psychisch krank zu sein und eine Psychotherapie machen zu müssen, ist noch immer stark stigmatisiert und mit Scham behaftet. „Wer es nicht selbst erlebt hat, kann nur schwer verstehen, dass ein Mensch, der zwei gesunde Beine hat, es morgens nicht schafft aufzustehen“, sagt Bermbach. „Da heißt es dann schnell: Der ist zu faul.“

Hoffen auf Kassenfinanzierung

1500 Betroffene haben die jungen Psychologinnen mit ihrem Onlineangebot schon erreicht. Ihr Programm zum Abbau von Stress wird bereits von einigen Kassen bezahlt und die Chancen stehen gut, dass auch die Kosten für die übrigen Selfapy-Angebote bald kassenfinanziert sein könnten. Zwischen 150 und 180 Euro kosten die Therapien derzeit. Für diese Summe bekommt man sonst gerade mal zwei Stunden klassische Psychotherapie.

Die übrigen Kosten werden aus Fördergeldern berappt. „Viele unserer Nutzer haben wenig Geld zur Verfügung, darum halten wir den Preis so niedrig wie möglich“, sagt die Psychologin. Und wer sich selbst das nicht leisten könne, für den hätten sie bisher immer eine Lösung gefunden. „Wir möchten niemanden wegschicken, der Hilfe braucht“, sagt Bermbach. Das musste sie während ihres Studiums schon viel zu oft tun.

Sie interessieren sich für das Angebot von selfafpy? Hier können Sie sich informieren und Kontakt aufnehmen:

Web: https://www.selfapy.de
Mail-Kontakt: @selfapy.com
Tel: +49 (0) 30 - 3982031 20 (MO bis SO: 8.00 - 22.00 UHR)
Facebook: .com/selfapy
Twitter: .com/selfapyapp

* Name von der Redaktion geändert

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Autor:
Christiane Fux
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