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Krebsschutz - Aspirin für alle?

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Acetylsalicylsäure kann offenbar die Bildung von Krebstumoren verhindern. Ist es also ratsam, auch als gesunder Mensch täglich Tabletten zu schlucken?

Es wird viel und mit großem Aufwand geforscht, um Tumoren in Schach zu halten. Nun zeigt sich, dass ausgerechnet ein alter Bekannter wohl ein ebenso wirksames wie günstiges Mittel gegen Krebs sein könnte: Acetylsalicylsäure (ASS) – geläufiger unter dem Handelsnamen „Aspirin“. Täglich eingenommen verhindert der Wirkstoff vermutlich die Entstehung vieler Tumoren.

Krebs vorbeugen mit ASS

Ein solches günstiges und wirksames Mittel zur Vorbeugung wäre hochwillkommen. „Die Hinweise häufen sich, dass die Einnahme von Aspirin dazu beitragen kann, verschiedene Krebserkrankungen zu reduzieren“, sagt Professor Peter Elwood von der Universität Cardiff, der die diesbezügliche Wirksamkeit von ASS in einer aktuellen Untersuchung ausgelotet hat.

Schon 2011 hat eine Metaanalyse verschiedener Studien gezeigt, dass das Risiko, an Krebs zu sterben, für Menschen, die über vier oder mehr Jahre täglich Aspirin einnahmen, um bis zu 20 Prozent reduziert war. Vor allem Darmtumoren traten seltener auf, aber auch Lungenkrebs, Brustkrebs, Speiseröhrenkrebs und Prostatakrebs. Doch was für ein Mechanismus könnte dahinter stecken?

Weniger Entzündungen, weniger Krebs

Forscher vermuten, dass der Grund für die krebsschützende Wirkung von ASS in der Blockierung zweier Enzyme besteht: COX-1 und COX-2. Sie spielen eine zentrale Rolle bei Entzündungsprozessen. Solche laufen unentwegt unbemerkt im Körper ab. Sie sind notwendig um kranke und abgestorbene Zellen zu beseitigen. Ist das Entzündungsgeschehen im Körper aber langfristig erhöht, steigt auch das Risiko, dass die DNA von Zellen Schaden nimmt: der erste Schritt zur Entstehung entarteter Zellen, die zu Krebszellen werden.

Trotz der vielen Hinweise auf die krebsschützende Wirkung zögert die wissenschaftliche Welt, eine uneingeschränkte Einnahme der Schmerztabletten zu empfehlen. Ein Grund dafür ist, dass keineswegs alle Studien zum gleichen Ergebnis kommen. Und: Die meisten Untersuchungen sind methodisch eher schwach. Es sind reine Beobachtungsstudien, bei denen die Teilnehmer rückwirkend befragt wurden. So gewonnene Daten sind aber häufig durch eine verzerrte Erinnerung der Teilnehmer verfälscht. Und es ist zudem nicht festzustellen, ob tatsächlich die Aspirineinnahme das Krebsrisiko gesenkt hat, oder nicht doch ein unbekannter Faktor, der beides beeinflusst.

Vor allem aber ist unklar, wer vom täglichen Aspirinschlucken tatsächlich profitieren würde und welche Dosis eine bestmöglich Wirkung bei gleichzeitig möglichst geringen unerwünschten Nebenwirkungen entfalten würde.

Dauerkopfschmerz und Blutungen

Denn die gibt es natürlich auch. Bei einigen Menschen löst die regelmäßige Einnahme von ASS, aber auch anderer Schmerzmitteln, paradoxerweise Kopfschmerzen aus. „Medikamenteninduzierter Kopfschmerz“ nennen Experten das. Noch gravierender ist die blutverdünnende Wirkung von Acetylsalicylsäure. Wer es nimmt, verstärkt seine Neigung für Blutungen – insbesondere im Magen-Darm-Trakt, aber auch für Hirnblutungen. Auch vor Operationen muss es rechtzeitig abgesetzt werden.

Trotz dieser Bedenken wird Aspirin schon heute von vielen Menschen regelmäßig geschluckt. Nicht nur als Schmerzmittel und Entzündungshemmer, sondern auch um Herzinfarkt und Schlaganfall vorzubeugen. Denn die blutverdünnende Wirkung hat auch ihr Gutes: Sie wirkt der Entstehung von Blutgerinnseln entgegen. Zudem hält die Bremswirkung von ASS auf Entzündungsprozesse die Blutgefäße gesund: Sie schützt vor Arteriosklerose, bei der sich die Blutgefäße durch Ablagerungen verengen. Dennoch: Ob zum Schutz vor Krebs oder fürs Herz – gesunden Menschen generell Aspirin als Dauermedikation zu empfehlen, dafür ist es noch immer zu früh.

Aspirin verhindert Metastasen

Anders könnte das Urteil ausfallen, wenn es um bereits kranke Menschen geht. Und von diesen gibt es einige, denn das bequeme Leben in den Industrienationen hat seinen Preis: Wegen der gestiegenen Lebenserwartung – gepaart mit einem ungesunden Lebensstil – mehren sich unter anderem stetig die Krebserkrankungen.

Eben solche Krebspatienten waren Gegenstand von insgesamt 47 verschiedenen Untersuchungen, die Peter Elwood und sein Team auswerteten. Die Forscher konnten anhand der vereinigten Datensätze zeigen, dass von den Patienten, die Aspirin eingenommen hatten, 15 bis 20 Prozent weniger ihrem Leiden erlagen, als von jenen, die kein Aspirin genommen hatten.

Und auch die Sorge, dass die Aspiringabe gefährliche Blutungen verursacht haben könnte, erwies sich als unbegründet. „Wir haben alle Studienautoren angeschrieben und sie nach entsprechenden Daten gefragt. In keiner einzigen Studie waren lebensbedrohliche Blutungen aufgetreten“, berichtet Elwood.

Auch wenn es noch einigen Klärungsbedarf gäbe, rät der Forscher: „Wir empfehlen Krebspatienten, ihre Ärzte auf die Ergebnisse anzusprechen und mit ihnen zu klären, ob sie eine niedrige Aspirindosis als Teil ihrer Krebstherapie einnehmen sollten.“

Und noch eine Personengruppe gibt es, denen zumindest US-Experten seit Kurzem die lebenslängliche Einnahme niedrigdosierten ASS empfehlen: Menschen zwischen 50 und 69 Jahren, die ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen tragen, aber keine verstärkte Blutungsneigung haben.

Quellen:

Peter C Elwood: Aspirin in the treatment of cancer: reductions in metastatic spread and in mortality: a systematic review and meta-analyses of published studies. PLOS ONE, http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0152402 

National Cancer Institute: No Easy Answers about Whether Aspirin Lowers Cancer Risk, http://www.cancer.gov, updated April 9, 2015

Kirsten Bibbins-Domingo: Aspirin Use for the Primary Prevention of Cardiovascular Disease and Colorectal Cancer: U.S. Preventive Services Task Force Recommendation Statement: Ann Intern Med. Published online 12 April 2016 doi:10.7326/M16-0577

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