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Die erste Infektion prägt fürs Leben

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Warum sterben an manchen Grippeviren eher ältere Menschen und an anderen vor allem jüngere? Dieses Rätsel scheint nun gelöst.

Der erste Kontakt mit einem Grippevirus prägt das menschliche Immunsystem lebenslang. Auch noch nach Jahrzehnten ist der Mensch vor verwandten Virenstämmen besser geschützt: Wenn er sich ansteckt, verläuft die Erkrankung weniger schwer. Spätere Kontakte mit dem Grippevirus haben keinen solch prägenden Effekt.

Grippeviren sind extrem wandlungsfähig. Deshalb kann man – anders als an Masern oder Windpocken – an einer Grippe immer wieder neu erkranken. Und auch der Impfstoff für die Grippeschutzimpfung muss sich jedes Jahr ändern.

Basisimmunität nach Erst

Trotzdem scheinen Menschen eine Art Basisimmunität aufzubauen – und zwar gegen jene Grippeviren und ihre Verwandten, mit denen sie als erstes in Kontakt kommen. „Bei den meisten passiert das zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr“, sagt James Lloyd-Smith im Gespräch mit e-happiness, der das Phänomen gemeinsam mit Kollegen von der University of California in Los Angeles untersucht hat. Spätere Infektionen scheinen diese „Grundimmunisierung“ nicht mehr bewirken zu können.

So bringen Menschen, die vor dem Jahr 1968 geboren sind, einen gewissen Grundschutz gegen das Vogelgrippevirus H5N1 mit. Dieses springt zwar selten von Geflügel auf den Menschen über, die Krankheit verläuft dann aber häufig tödlich.

Jüngere Menschen hingegen sind besser gegen das 2013 erstmals aufgetretene Vogelgrippevirus H7N9 gewappnet, das als besonders gefährlich für den Menschen gilt

Zu diesem Schluss kamen die Forscher, als sie Daten aus China, Kambodscha, Ägypten, Indonesien, Thailand und Vietnam auswerteten. Diese Länder sind von Vogelgrippe besonders stark betroffen.

Wendejahr 1968

Tatsächlich markiert das Jahr 1968 mit der sogenannten Hongkong-Grippe einen grundlegenden Wandel in der Zusammensetzung der weltweit kursierenden Grippeviren: Wurden sie zuvor von Virenstämmen der Gruppe 1 HA dominiert, zu denen auch H5N1 zählt, waren es später überwiegend Erreger aus der Virengruppe 2 HA.

Anders als lange gedacht, entscheidet also nicht das Lebensalter darüber, ob jemand durch eine Grippeinfektion besonders gefährdet ist. Für das individuelle Risiko ist vielmehr entscheidend, auf welches Grippevirus das Immunsystem geprägt wurde. „Das könnte sogar erst im Erwachsenenalter der Fall sein, beispielsweise bei Menschen, die auf abgelegenen Inseln leben, auf denen es kaum Grippeviren gibt“, sagt Lloyd-Smith.

Für die Prägung des Abwehrkräfte sei dabei nicht einmal notwendig, dass der Infizierte Grippesymptome entwickelt: "Er muss nur so stark den Viren ausgesetzt sein, dass das Immunsystem vollständig stimuliert wird“, so der Wissenschaftler.

Einfluss auf künftige Impfstrategien?

Für die Impfstrategie zukünftiger Generationen könnte diese Erkenntnis wichtig werden. Möglicherweise könnte das Immunsystem von Kleinkindern, die noch nie mit Grippeviren Kontakt hatten, gegen verschiedene Virengruppen gleichzeitig lebenslang fit gemacht werden.

Denkbar ist aber auch, dass diese frühe Prägung des Immunsystems nur funktioniert, wenn sich das Kind tatsächlich infiziert. Im ungünstigsten Fall könnte eine frühe Impfung dann verhindern, dass sich überhaupt eine Basisimmunität aufbaut. Diese Fragen wollen die Forscher nun in einem nächsten Schritt klären.

Grippeimpfung ab sechs Monaten

Kinder können ab einem Lebensalter von sechs Monaten gegen Grippe geimpft werden. Die ständige Impfkommission empfiehlt dies bei allen Kindern mit chronischen Krankheiten der Atmungsorgane (inkl. Asthma), Herz- oder Kreislauferkrankungen, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder anderen Stoffwechselkrankheiten, chronischen neurologischen Krankheiten wie Multiple Sklerose sowie angeborenen oder später erworbenen Störungen des Immunsystems, beispielsweise einer HIV-Infektion.

Katelyn M. Gostic et al.: Potent protection against H5N1 and H7N9 influenza via childhood hemagglutinin imprinting, Science  11 Nov 2016: Vol. 354, Issue 6313, pp. 722-726, DOI: 10.1126/science.aag1322

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Autor:
Christiane Fux
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