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Der vermeidbare Tod

Suizid; Depression Suizid; Depression Suizid; Depression

In Deutschland nehmen sich jährlich rund 10.000 Menschen das Leben - das sind mehr als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und HIV zusammen. Eine ganze Kleinstadt, ausgelöscht von eigener Hand. Was tun?

„Ein Suizid kann die freie Entscheidung eines Menschen sein, wenn sie im vollen Bewusstsein und in voller Entscheidungsfähigkeit getroffen wird. Aber in 90 Prozent der Fälle steht eine psychische Erkrankung hinter dem Wunsch, sein Leben zu beenden“, sagt Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

Krankheitssymptom Hoffnungslosigkeit

Der Großteil der suizidalen Menschen ist depressiv. Andere leiden unter Schizophrenie, sind suchtkrank oder haben eine Borderline-Störung. Die Hoffnungslosigkeit, die die psychisch Kranken in den Tod treibt, ist dann tragischer Weise Teil eines Krankheitsbildes, das sich oft gut behandeln lässt. „Ich habe in meiner 30-jährigen Erfahrung noch keinen Fall erlebt, den wir nicht aus seiner Depression herausholen konnten“, sagt Hauth. Das bedeutet, die meisten Suizide ließen sich verhindern, wenn die Verzweifelten denn rechtzeitig Hilfe bekämen.

Vier Monate Wartezeit

Aber das ist nicht immer der Fall: Denn bei der Versorgung psychisch kranker Menschen klafft in Deutschland eine gewaltige Lücke. Mehr als vier Monate müssen beispielsweise Depressive durchschnittlich auf einen Therapieplatz warten - trotz des hohen Leidensdrucks, der mit der Erkrankung verbunden ist. Das ergab 2014 der „Faktencheck Depression“ der Bertelmann Stiftung.

„Wir haben in Deutschland 30.000 Psychiater und Psychotherapeuten. Aber vor allem in den Randgebieten haben wir eine deutliche Unterversorgung“, berichtet Hauth. In den Großstädten sei die Lage zwar besser, aber auch da sei die Vermittlung schwierig und die Wartezeiten oft lang.

„Die Kranken leiden massiv in dieser Zeit. Und unbehandelt neigen Depressionen dazu, schlimmer zu werden und sich zu chronifizieren“, sagt die Psychiaterin. Jeder fünfte Patient mit schweren Depressionen erhält derzeit sogar gar keine Therapie. Bei Menschen mit schweren körperlichen Erkrankungen wie Krebs würde man solche Zustände nicht hinnehmen.

Unterschätztes Leiden

Das Problem ist: Seelische Erkrankungen bleiben jenen, die nicht betroffen sind, meist rätselhaft und werden daher unterschätzt. „Bei einer schweren körperlichen Erkrankung kann jeder das damit verbundene Leiden nachvollziehen. Aber bei einer Depression, die nur Kopf stattfindet, ist das nicht der Fall“, erklärt Hauth. Doch gerade weil psychische Krankheiten  Denken und Fühlen betreffen, ist der Leidensdruck enorm. Eine Depression beispielsweise plagt die Kranken in jeder wachen Minute, ausblenden lässt sie sich nicht.

Genauso akut wie ein gebrochenes Bein

„Auch psychische Erkrankungen können akut sein und sofortige Hilfe erforderlich machen“, erklärt Hauth. Wer in großer seelischer Not sei, dürfe nicht warten und hoffen, dass es von alleine besser wird. Die Psychiaterin betont: „Genauso wie man bei einem Beinbruch in die Notaufnahme fährt, sollte man auch bei einem akuten psychischen Notfall eine psychiatrische Klinik aufsuchen.“

Hier sind auch die Angehörigen gefragt – denn der Kranke selbst ist nicht unbedingt dazu in der Lage, den Ernst der Situation zu erkennen oder bringt die Kraft nicht auf, sich Hilfe zu holen. Wachsamkeit im richtigen Moment kann dann sogar Leben retten. Nämlich dann, wenn der Patient sich tatsächlich mit dem Gedanken trägt, sein Leben zu beenden. Woran man merkt, dass jemand Suizidabsichten hat und wie man in diesem Falle am besten reagiert, erläutert Dr. Iris Hauth im e-happiness-Interview: „Sprechen Sie das Thema Suizid offen an!“.

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Autor:
Christiane Fux
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