Windpocken bei Erwachsenen

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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Windpocken bei Erwachsenen sind seltener als bei Kindern. Sie verlaufen in diesem Alter aber oft schwerer und führen eher zu Komplikationen als bei kleinen Patienten. Besonders anfällig dafür sind zum Beispiel Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sowie Schwangere. Erwachsene können aber nur dann Windpocken bekommen, wenn sie die Krankheit noch nie hatten und nicht dagegen geimpft sind. Lesen Sie hier alles Wichtige über Verlauf und Risiken von Windpocken bei Erwachsenen.

windpocken

Windpocken bei Erwachsenen: Ansteckung

Der Erst mit dem Windpocken-Erreger erfolgt meist schon im Kindesalter, und nach der durchlebten Infektion ist man lebenslang immun dagegen. Außerdem werden heute viele Kinder gegen Windpocken geimpft, und dieser Impfschutz hält lange an. Deshalb betreffen Windpocken Erwachsene seltener als (ungeimpfte) Kinder. Prinzipiell kann man aber in jedem Lebensalter Windpocken bekommen, wenn man die Erkrankung noch nicht hatte und nicht dagegen geimpft ist. Die Ansteckung erfolgt bei Erwachsenen wie Kindern hauptsächlich über Tröpfchen- oder Schmierinfektion:

Im ersten Fall werden die Erreger durch das Einatmen von winzigen, virushaltigen Speicheltröpfchen übertragen, die Erkrankte beim Sprechen, Husten, Niesen oder Ausatmen an die Umgebungsluft abgeben. Bei der Schmierinfektion erfolgt die Virusübertragung über verunreinigte Gegenstände wie Türklinken, Besteck oder Wasserhähnen, an denen virushaltige Speicheltröpfchen haften.

Windpocken bei Erwachsenen: Verlauf

Die Symptome sind bei Erwachsenen prinzipiell die gleichen wie bei Kindern. Es zählen dazu allgemeine Krankheitsanzeichen wie Unwohlsein, Fieber oder Gelenkschmerzen sowie der charakteristische Ausschlag mit juckenden, flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Der Hautausschlag unterscheidet sich meist nur darin, dass sich bei älteren Patienten meist mehr Bläschen bilden als bei kleinen Kindern. Ein weiterer Unterschied zu den „kindlichen“ Windpocken: Erwachsene Patienten beklagen meist ein stärkeres Krankheitsgefühl.

Hinweis: In der Regel dauern Windpocken bei Erwachsenen etwas länger als bei Kindern. Bei letzteren heilt die Infektion meist innerhalb von zwei Wochen aus.

Komplikationen

Die größte Gefahr bei einer Varizellen-Infektion im Erwachsenenalter ist das erhöhte Risiko für komplizierte Verläufe: Etwa jeder fünfte Erwachsene mit Windpocken entwickelt eine sogenannte Varizellen-Pneumonie. Das ist eine durch die Windpocken-Infektion bedingte Lungenentzündung. Sie kann sehr schwer und sogar tödlich verlaufen. Schwangere Frauen sind besonders gefährdet, an einer solchen Lungenentzündung zu erkranken. Zudem können Schwangere mit Windpocken ihr Ungeborenes anstecken. Dann droht ein fetales Varizellen-Syndrom mit Fehlbildungen und Schäden beim Kind.

Außerdem können Windpocken bei Erwachsenen (und Kindern) Komplikationen im Bereich des zentralen Nervensystems verursachen. Dazu zählen zum Beispiel Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen und Krampfleiden. Auch eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis) kann sich entwickeln.

In einzelnen Fällen ziehen Windpocken bei Erwachsenen (und Kindern) weitere Körperbereiche in Mitleidenschaft. Das kann zum Beispiel zu Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Hornhautschäden in den Augen, Gelenkentzündung (Arthritis), Nierenentzündung (Nephritis) oder Leberentzündung (Hepatitis) führen. Auch eine erhöhte Blutungsneigung ist möglich.

Windpocken bei Erwachsenen: Vorbeugung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung gegen Windpocken bei Erwachsenen, die nicht gegen die Erreger geschützt sind (ungeimpft und keine Windpocken-Infektion bekannt), in folgenden Fällen:

  • Frauen mit Kinderwunsch, bei denen keine Antikörper gegen Windpocken im Blut nachweisbar sind
  • Patienten vor dem Beginn einer Therapie, die das Abwehrsystem schwächt (z.B. Behandlung mit Immunsuppressiva)
  • Patienten vor einer Organtransplantation
  • Berufsgruppen, die einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind (wie medizinisches Personal und Vorschullehrer)

Für alle anderen ungeschützten Erwachsenen gilt die Empfehlung, den Kontakt zu erkrankten Personen möglichst zu vermeiden.

Kam es trotzdem zu einem Kontakt und (möglicherweise) zu einer Ansteckung, kann nachträglich eine sogenannte postexpositionelle Windpocken-Impfung sinnvoll sein. Sie kann eine Krankheitsausbruch verhindern oder zumindest den Verlauf verkürzen. Dazu wird den Ungeschützten die "normale", also aktive Impfung oder eine Dosis fertiger Antikörper gegen Varizellen (passive Impfung) verabreicht:

  • Die aktive Impfung kann Ungeschützten innerhalb von fünf Tagen nach einer möglichen Ansteckung verabreicht werden. Zeigt sich bereits der typische Hautausschlag, ist eine Impfung noch innerhalb der ersten drei Tage nach Beginn des Ausschlags möglich.
  • Die passive Impfung gegen Windpocken kann ebenfalls nach einer (möglichen) Ansteckung sinnvoll sein. Im Unterschied zur aktiven Impfung eigent sie sich auch für Schwangere.

Stichwort Gürtelrose

Manchmal lösen die Erreger der Windpocken bei Erwachsenen (seltener Kindern) noch eine andere Erkrankung aus: Gürtelrose (Herpes Zoster): Nach einer durchgemachten Infektion bleiben die Windpocken-Viren im Körper. Sie "schlummern" dann oft lebenslang in bestimmten Bereich des Nervensystems. Allerdings können sie auch wieder aktiv werden. Dann erkrankt der betreffende an einer Gürtelrose.

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