Skoliose

Florian Tiefenböck

Florian Tiefenböck ist freier Autor in der e-happiness-Medizinredaktion.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Bei einer Skoliose verkrümmt sich die Wirbelsäule zur Seite. Meist sind auch die Wirbelkörper verdreht. Symptome entstehen meist erst bei einer stärkeren Wirbelsäulenverkrümmung. Leichte Formen kann man oft mit Physiotherapie und einem speziellen Korsett behandeln, schwere Fälle müssen operiert werden. Lesen Sie hier alles über Ursachen, Diagnose und Therapie bei Skoliose.

Skoliose

Skoliose: Kurzübersicht

  • Definition: dauerhafte seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule
  • Häufige Symptome: unterschiedlich hoch stehende Schultern, schiefes Becken, schief gehaltener Kopf, seitlicher "Rippenbuckel", Rückenschmerzen, Verspannungen
  • Folgen: Versteifung des jeweiligen Wirbelabschnitts, früher Verschleiß
  • Wichtige Untersuchungen: körperliche Untersuchung, Adams-Test, Beweglichkeits-/Krafttests, Röntgen, Bestimmung der Skelettreife
  • Behandlungsmöglichkeiten: Krankengymnastik, Korsett, Gips, Klammertechnik, Operation

Skoliose: Beschreibung

Um zu verstehen, was eine Skoliose ausmacht, muss man zunächst wissen, wie eine gesunde Wirbelsäule aufgebaut ist.

Aufbau der Wirbelsäule

Eine gesunde Wirbelsäule besteht aus etwa 33 Wirbelknochen: sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln, fünf Lendenwirbeln, fünf miteinander verschmolzenen Kreuzbeinwirbeln und etwa vier - ebenfalls verschmolzenen - Steißbeinwirbeln. Über Knochenfortsätze sind die Wirbelkörper mit den benachbarten Wirbeln und Rippen verbunden.

Von der Seite betrachtet, hat die Wirbelsäule die Form eines doppelten „S“. Die Hals- und Lendenwirbelsäule wölben sich jeweils nach vorne (Lordose), die Brust- und Sakralwirbelsäule (Kreuzbein) nach hinten (Kyphose). Betrachtet man die Wirbelsäule von hinten bildet sie mit ihren Dornfortsätzen eine annähernd gerade Linie vom Kopf bis zur Analfalte. Die Wirbelkörper liegen gleichmäßig aufeinander und zwischen jeweils zwei davon liegt eine Bandscheibe als Stoßdämpfer.

Hinweis: Die Wirbelsäule ist ein wichtiger Teil des tragenden Skeletts und schützt außerdem das Rückenmark, ein Bündel von Nervenbahnen, das Signale zwischen Körper und Gehirn überträgt.

Wirbelsäulensegmente
Wirbelsäulensegmente
Die 33 Wirbelknochen der Wirbelsäule teilen sich in verschiedene Segmente auf. Es gibt sieben Halswirbel, zwölf Brustwirbel, fünf Lendenwirbel, fünf miteinander verschmolzene Kreuzbeinwirbel und das Steißbein.

Was ist Skoliose?

Bei einer Skoliose ist der Wirbelsäulenaufbau gestört. Der Name der Krankheit leitet sich vom griechischen Wort skolios ab, was „krumm“ bedeutet: Die Wirbelsäule krümmt sich in diesem Fall nicht nur nach vorn und hinten, sondern auch zur Seite.

Nach der Leitlinien-gerechten Skoliose-Definition handelt es sich bei diesem Krankheitsbild um "eine dauerhaft bestehende (fixierte) seitliche Wirbelsäulenverkrümmung um mindestens zehn Grad Cobb-Winkel. Dieser Winkel gibt an, wie stark die seitliche Krümmung der Wirbelsäule ist und kann anhand eines Röntgenbildes bestimmt werden. Je nachdem, auf welche Seite sich die Wirbelsäule krümmt, sprechen Ärzte von einer rechts- beziehungsweise linkskonvexen Skoliose.

Messung der Skoliose mit dem COBB-Winkel
COBB-Winkel
Um den Grad der Verkrümmung zu messen werden zwei Linien an diejenigen Wirbel gelegt, in denen sich die Seitverbiegung wendet (Neutralwirbel). Dort wo sich die Linien schneiden, kann der COBB Winkel abgelesen werden.

Außerdem sind die einzelnen Wirbelknochen in sich und die gesamte Wirbelsäule in ihrer Längsachse verdreht (Rotation und Torsion). Dadurch zeigen die knöchernen Wirbelkörperfortsätze (Dornfortsatz, Processus spinosus). Die Seite der Fortsätze, die zum Bauch oder zur Brust zeigt, dreht sich also in die Richtung der Wirbelsäulenkrümmung. Die Rotation ist am Scheitelpunkt der Skoliose am stärksten und nimmt an den Ausläufern des verkrümmten Wirbelsäulenabschnitts wieder ab.

Hinweis: Bei fortschreitender Skoliose kann der entsprechende Wirbelabschnitt versteifen.

Durch die unterschiedlich starke Verdrehung entstehen zwischen den einzelnen Wirbelkörpern Spannungs- und Druckkräfte. Infolgedessen hat der Wirbelknochen auch eine in sich verzogene Knochenstruktur (torquiert): Auf der nach außen gewölbten Seite ist der Wirbelkörper höher als auf der nach innen zeigenden Seite. Gleiches gilt für die Bandscheiben zwischen den Wirbelknochen. Daraus resultiert ein dauerhaft bestehender Schiefwuchs. Die verdrehte und krumme Wirbelsäule bezeichnen Experten auch als Torsionsskoliose.

Meist tritt eine Torsionsskoliose nur an der Hauptkrümmung auf. Um eine starke Skoliose auszugleichen, entstehen durch Muskelkraft Nebenkrümmungen der Wirbelsäule in direkter Nachbarschaft zur Hauptkrümmung (statischer Ausgleich). Die Nebenkrümmungen weisen jedoch keine Rotation oder Torsion auf. Wenn doch, nennt man das eine Mehrfachskoliose.

Welche Skoliose-Formen gibt es?

Eine Skoliose kann man, je nach Gesichtspunkt, in unterschiedliche Formen einteilen. So unterscheidet man etwa allgemein die idiopathische Skoliose von einer sekundären.

  • idiopathisch bedeutet, dass sich kein konkreter Auslöser für die Erkrankung finden lässt.
  • eine sekundäre Skoliose ist hingegen immer die Folge einer bekannten Ursache.

Hinweis: Diese „echten“ (strukturellen) Skoliosen sind von einer skoliotischen Fehlhaltung (auch funktionelle Skoliose) zu unterscheiden.

Eine skoliotische Fehlhaltung ist vorübergehend und normalisiert sich durch passive oder aktive Bewegungen wieder. Sie entsteht beispielsweise, um einen Beckenschiefstand auszugleichen.

Achtung: Da man in vielen Fällen die Ursache einer Skoliose nicht kennt, kann man ihr auch nicht wirkungsvoll vorbeugen.

Echte Skoliosen lassen sich weiter nach Alter und Krümmungsmuster differenzieren:

Skoliose verschiedener Altersgruppen

Skoliosen können unter anderem auch nach dem Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens unterschieden werden. Die frühe Form wird Säuglingsskoliose genannt und bildet sich in den meisten Fällen ohne Therapie zurück. Von einer infantilen Skoliose sprechen Ärzte, wenn die Wirbelsäulenkrümmung bis zum dritten Lebensjahr auftritt. Eine Skoliose bei Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren wird als juvenile Form bezeichnet.

Am häufigsten ist jedoch die Adoleszenten-Skoliose ab dem elften Lebensjahr. Die Wirbelsäule ist dabei meist im Brustwirbelbereich nach rechts verkrümmt (rechtskonvexe Skoliose). Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen.

Skoliose-Krümmungsmuster

Außerdem kann eine Skoliose nach der Mitte (bzw. dem Scheitel) ihrer Hauptkrümmung in der Wirbelsäule zugeordnet werden. Bei einer Thorakalskoliose liegt die Verkrümmung im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS). Thorako-lumbale Skoliosen haben ihre stärkste Seitausbiegung dort, wo die Brust- in die Lendenwirbelsäule (LWS) übergeht. Eine Wirbelsäulenverkrümmung im Lendenbereich nennt sich Lumbalskoliose.

  • In manchen Fällen leiden Betroffene unter einer BWS- und zugleich einer LWS-Skoliose. Es bildet sich ein Krümmungsmuster, das - wenn man von hinten auf den Rücken des Patienten blickt - an den Buchstaben „S“ erinnert (doppelbogig).
  • Ist die Wirbelsäule vollständig zu einer Seite gebogen, sprechen Mediziner von einer C-förmigen Skoliose.
  • Krümmt sich die Wirbelsäule in allen Abschnitten (BWS, LWS und deren Übergang) abwechselnd nach rechts und links, entsteht eine Doppel-S-Wirbelsäule, auch Triple-Skoliose genannt.
Die häufigsten Skoliose-Krümmungsmuster
Skoliose-Krümmungsmuster
Die Skoliose kann sich an verschiedenen Bereichen der Wirbelsäule ausprägen. Die drei häufigsten Verkrümmungen finden sich im Brustbereich (Thorakalskoliose), im Lendenbereich (Lumbalskoliose) oder am Übergang von Brust- zu Lendenbereich (Thorako-lumbale Skoliose).

Skoliose-Krümmungsgrad

Auch je nachdem wie stark die Wirbelsäule verkrümmt ist, lässt sich eine Skoliose einteilen:

  • leichte Skoliose: Winkel bis 40 Grad (Skoliose 1. Grades)
  • mitelschwere Skolsiose: Winkel zwischen 40 und 60 Grad (Skoliose 2. Grades)
  • schwere Skoliose: Winkel von 61 bis 80 Grad (Skoliose 3. Grades)
  • sehr schwere Skoliose: Winkel über 80 Grad (Skoliose 4. Grades)

Skoliose-Häufigkeit: So oft tritt die Krankheit auf

Etwa zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer idiopathischen Skoliose. Nach einer Studie des Maimonides Medical Center (USA) kann die Häufigkeit im hohen Alter (60 bis 90 Jahre) auf bis zu 68 Prozent ansteigen.



Je größer die Wirbelsäulenverkrümmung und je höher das Alter, desto häufiger sind Frauen beziehungsweise Mädchen betroffen. Bei Jungen lassen sich vor allem leichte Skoliosen feststellen. Ausgeprägtere Skoliosen, mit einem Cobb-Winkel über zwanzig Grad, sind bei Frauen etwa sieben Mal häufiger als bei Männern zu finden.

Skoliose: Symptome

Die Skoliose ist in einer Vielzahl der Fälle ein rein kosmetisches Problem. Je länger sie jedoch unbehandelt bleibt desto wahrscheinlicher treten im Krankheitsverlauf Schmerzen auf. Denn wie ausgeprägt die Symptome sind, hängt immer auch davon ab, wie weit fortgeschritten die Verkrümmung ist.

Zu den kosmetischen Skoliose-Symptomen, die man mit bloßem Auge erkennen kann, gehören unter anderem

  • unterschiedlich hoch stehende Schultern
  • schiefes oder an einer Seite hervorragendes Becken
  • schief gehaltener Kopf

Hinweis: Bei ausgeprägten Skoliosen tritt oft der sogenannte Rippenbuckel auf, es können sich Muskelwulste im Lenden- und Halsbereich bilden.

Durch zunehmende Verschleißerscheinungen haben Betroffene vor allem ab Mitte des dritten Lebensjahrzehnts vermehrt Probleme mit Muskelverspannungen und Schmerzen. Auch die Lungenkapazität kann sich vermindern und Atemnot, ein Druckgefühl auf der Brust oder Herzrasen auftreten.

Lesen Sie hier alles Wichtige über die Skoliose-Symptome.

Skoliose: Ursachen und Risikofaktoren

Etwa 90 Prozent aller Skoliosen sind idiopathisch, man weiß also nicht, wieso sie entstehen. Bei den restlichen zehn Prozent - den sekundären Skoliosen - kommen verschiedene Ursachen in Frage, die zu einer Wirbelsäulenverkrümmung führen.

Fehlbildungsskoliose

Diese Form der Skoliose ist auf angeborene Fehlbildungen einzelner Wirbelsäulenanteile zurückzuführen, zum Beispiel

  • keilförmige Wirbelkörper (unterschiedliche Randhöhen)
  • gespaltene oder halb ausgebildete Wirbelknochen
  • angeborene Fehlbildungen der Rippen (Synostosen)
  • Defekte im Rückenmarkskanal (z. B. Diastomatomyelie)

Experten bezeichnen sie daher als kongenitale Skoliose.

Myopathische Skoliosen

Diesen Wirbelsäulenverkrümmungen liegen Muskelerkrankungen (u. a. vererbbare Muskelschwächekrankheiten) zugrunde. Am häufigsten ist die Muskeldystrophie Duchenne, bei der ein bestimmtes Muskeleiweiß nicht gebildet wird. Infolgedessen leiden die Kinder bereits im frühen Alter an zunehmender Muskelschwäche und -schwund. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen entwickelt im Verlauf der Muskeldystrophie Duchenne eine Skoliose, meist im frühen Jugendalter und nach Verlust der Gehfähigkeit.

Auch eine Arthrogryposis kann in schweren Fällen zu ausgeprägten Skoliosen führen. Es handelt sich dabei um eine angeborene Gelenksteife, die durch Veränderungen der Sehnen, Muskeln und des Bindegewebes entsteht.

Neuropathische Skoliosen

Bei dieser Form führen Schäden im Nervensystem zu einer schiefen Wirbelsäule. Muskeln, die die Wirbelsäule stabilisieren (Bauch- und Rückenmuskulatur) funktionieren dann nicht mehr wie gewohnt. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht, die Wirbelsäule krümmt sich in die Richtung der schlaffen Muskeln.

Unter anderem führen diese Erkrankungen des Nervensystems zu einer Skoliose:

  • Myasthenia gravis (Muskellähmung)
  • virale Rückenmarksentzündungen (Myelitis)
  • frühkindliche Hirnschädigungen (z. B. infantile Zerebralparese)
  • neurodegenerative Krankheiten mit Schädigung und Verlust von Nervenzellen (z. B. spinale Muskelatrophie mit Rückgang der zweiten Nervenbahn zur Muskulatur)
  • Höhlenbildungen im Rückenmark durch Hirnwasserstau (Syringomyelie)
  • bös- oder gutartige Wucherungen (z. B. spinale Tumore)

Weitere Skoliose-Ursachen

Nebst den genannten Muskel- und Nervenerkrankungen können zahlreiche weitere Krankheitsbilder mit unterschiedlich ausgeprägten Skoliosen einhergehen. Dabei sind umgebendes Bindegewebe, meist aber auch die Knochen- und Knorpelstrukturen direkt betroffen. Die Tabelle führt einige Beispiele an.

Krankheitsgruppe

Skoliose-Ursachen (Beispiele)

Bindegewebsstörungen

Rheumatische Erkrankungen

  • Rheumatoide Arthritis

Fehlbildungen der Knochen-Knorpel-Strukturen (Osteochondrodysplasien)

  • Mukopolysaccharidosen
  • Spondyloepiphysale Dysplasie
  • Multiple epiphysäre Dysplasie
  • Achondroplasie
  • Diastropher Kleinwuchs
  • Osteoporose

Knocheninfektionen (akut, chronisch)

  • Osteitis
  • Osteomyelitis

Stoffwechselerkrankungen (metabolische Störungen)

  • Rachitis
  • Osteogenesis imperfecta
  • Homozystinurie
  • Melatonin-Stoffwechselstörung

Lumbosakrale Veränderungen im Lendenwirbel-Kreuzbein-Bereich

Außerdem können Unfälle zu einer Skoliose führen. Zu diesen posttraumatischen Skoliosen kommt es beispielsweise nach einem Wirbelknochenbruch, Verbrennungen oder Rückenmarksverletzungen. Desweiteren verursachen manche ärztliche Eingriffe eine Wirbelsäulenverkrümmung wie etwa Bestrahlungen oder Laminektomien. Bei Letzteren wird ein Teil des Wirbelknochens (Wirbelbogen evtl. mit Dornfortsatz) entfernt.

Wie bei vielen Erkrankungen vermuten Experten, dass die Skoliose auch vererbt werden kann. Bei 97 Prozent zeigt sich ein familiär gehäuftes Auftreten. Unter eineiigen Zwillingen erkranken in bis zu 70 Prozent der Fälle beide an einer Skoliose. Da Skoliosen mit steigendem Alter zunehmen, gehen Forscher davon aus, dass letztlich auch Abnutzungserscheinungen einen entscheidenden Einfluss haben (degenerative Veränderungen).

Skoliose: Diagnose und Untersuchung

Der Spezialist für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates ist der Orthopäde. Es gibt auch auf Skoliosen spezialisierte Kinderärzte beziehungsweise Kinderorthopäden. Zunächst erhebt der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese) und stellt dem Patienten oder dessen betreuenden Angehörigen unter anderem folgende Fragen:

  • Wann ist Ihnen die schiefe Wirbelsäule das erste Mal aufgefallen?
  • Leiden Sie unter Beschwerden wie Rückenschmerzen?
  • Ist es bereits zur ersten Regelblutung (Menarche) beziehungsweise dem Stimmbruch gekommen?
  • Wie schnell sind Sie in den letzten Jahren gewachsen?
  • Bestehen andere bekannte Erkrankungen, wie Verformungen der Füße, ein schiefes Becken, Muskel- oder Nervenkrankheiten?
  • Sind in Ihrer Familie bereits Fälle einer Skoliose bekannt?

Die US-amerikanische Scoliosis Research Society veröffentlicht regelmäßig Fragebögen für Patienten, die an Skoliose leiden (aktuelle Version SRS-30). In deutscher Übersetzung wird der Fragebogen auch von Ärzten hierzulande verwendet.

Tipp: Betroffene sollten den Fragebogen in regelmäßigen Abständen ausfüllen. Dadurch können sie angeben, wie sie den Krankheitsverlauf empfinden und den Erfolg durchgeführter Therapien beurteilen.

Körperliche Untersuchung

Nach der Befragung wird Sie Ihr Arzt körperlich untersuchen. Zunächst bestimmt er die Steh- und Sitzgröße, anschließend begutachtet er den Rücken und insbesondere die Wirbelsäulenform. Weicht die Linie der Dornfortsätze ab, stellt er einen sogenannten Überhang fest. Dabei ist der Brustkorb seitlich verlagert. Eine gerade Linie vom letzten Halswirbel nach unten endet bei einer Skoliose infolgedessen nicht mehr in der Analfalte sondern daneben.

Zudem überprüft er die Seitengleichheit der Schulterblätter (symmetrischer Schulterstand) und der Taille sowie den Umriss des Rumpfes. Bei einer Skoliose sind die Schultern unterschiedlich hoch. Auch die beiden sogenannten Taillendreiecke sind unterschiedlich groß, also die Abstände vom linken beziehungsweise rechten herabhängenden Arm zum Rumpf.

Im Zuge der körperlichen Untersuchung betrachtet der Arzt das Standbild auch von der Seite. Dadurch kann er eine übermäßige Buckelung (Hyperkyphose) oder eine stark zum Bauch hin gekrümmte Wirbelsäule (Hyperlordose, z. B. Hohlkreuz) erkennen.

In seltenen, ausgeprägten Fällen bildet sich ein deutlicher Brustwirbelbuckel. Die Brustwirbelsäule ist dann nicht nur zur Seite, sondern auch stark nach hinten gekrümmt (Kyphoskoliose).

Hinweis: Eine solche Kyphoskoliose tritt meist mit anderen Krankheiten auf, zum Beispiel bei der Rachitis, bei einer Knochenmarkentzündung oder bei einer Tuberkulose der Wirbelkörper.

Darüber hinaus können im Rahmen der Skoliose ein schiefes Becken oder unterschiedlich lange Beine auffallen (Beinlängendifferenz).

Auch die Rückenhaut wird der Arzt in Augenschein nehmen, da sich bereits hier Krankheiten des Rückenmarks zeigen können. Hellbraune und gleichmäßige Flecken auf der Haut, sogenannte Café-au-lait-Flecken, sind hingegen typisch für die Erbkrankheit Neurofibromatose Typ 1 (Morbus Recklinghausen), die vor allem die Haut und das Nervensystem betrifft. Auch hier können Betroffene unter einer Skoliose, insbesondere einer Kyphoskoliose, leiden.

Körperliche Untersuchung beim Säugling

Skoliosen bei Säuglingen werden durch verschiedene Haltetests sichtbar. Liegt das Kind beispielsweise mit dem Bauch auf der Hand des Untersuchers, kann er eine schiefe Wirbelsäule gut erkennen, da sich die Krümmung meist deutlich am Rücken abzeichnet. Bei der Vojta-Seit-Kipp-Reaktion kann man Unterschiede in der Arm- und Beinentwicklung feststellen. Dafür hält der Arzt das Kind seitlich und achtet auf die Körperspannung des Säuglings. Auf der von der Krümmung abgewandten Seite gehalten fällt der Körper meist deutlich schlaffer ab, als auf der Seite, nach der die Krümmung gerichtet ist.

Eine Skoliose wird auch bei der vertikalen Hängereaktion nach Peiper und Isbert gut sichtbar. An den Füßen gehalten kopfüber hängend zeigt sich der gesamte Säuglingskörper C-förmig zu einer Seite hin gekrümmt.

Adams-Test

Bei dieser Untersuchung bittet Sie der Arzt, sich bei durchgestreckten Knien nach vorne zu beugen. Betrachtet er nun ihren Rücken, kann er eventuell typische Anzeichen einer Skoliose erkennen, zum Beispiel einen Rippenbuckel am Rücken bei vorgebeugter Körperhaltung oder Muskelwülste im Nacken- und Lendenbereich.

In der Regel misst der Arzt die Ausprägung des Rippenbuckels oder der Muskelwulste mittels eines sogenannten Skoliometers oder Inklinometers. Dabei vergleicht er die Höhen der linken und der rechten Seite miteinander. Abweichungen von über fünf Grad sind laut Leitlinien als krankhaft anzusehen. In diesen Fällen folgen weitere Untersuchungen, insbesondere Röntgenbilder der Wirbelsäule.

Untersuchung von Beweglichkeit, Kraft, Dehnbarkeit und Reflexe

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird Sie der Arzt zudem bitten, sich vor und zurück sowie zur Seite zu neigen. Dadurch überprüft er die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Er misst dabei auch den Finger-Boden-Abstand in maximal nach vorne gebeugter Haltung bei durchgestreckten Beinen. Idealerweise können Sie den Boden berühren (0 cm), bei einer ausgeprägten Skoliose ist das nur selten möglich. Zudem wird der Arzt überprüfen, ob sich die Wirbelsäulenverkrümmung aktiv durch Ihre eigenen Bewegungen oder durch händische Mithilfe des Arztes (passive, manuelle Redressierbarkeit) ausgleichen lässt. „Echte“, strukturelle Skoliosen lassen sich kaum bis gar nicht verändern.

Wichtig ist auch, eventuelle Auffälligkeiten im Nervensystem zu erkennen, die eine Skoliose verursachen oder durch eine Wirbelsäulenverkrümmung oder erbliche Bindegewebserkrankungen (Marfan-Syndrom) entstehen können.

Röntgen

In vielen Fällen kann der Arzt allein anhand der körperlichen Untersuchung eine Skoliose diagnostizieren. Allerdings wird er beim Verdacht auf eine Wirbelsäulenverkrümmung immer auch eine Röntgenuntersuchung veranlassen. Dabei wird die ganze Wirbelsäule im Stehen abgebildet, einmal von vorn (beziehungsweise hinten) betrachtet, einmal von der Seite.

Mit Hilfe der Röntgenbilder kann der Arzt den Cobb-Winkel messen (bei Säuglingsskoliosen eher den Rippenabgangswinkel RVAD), Haupt- und Nebenkrümmungen ermitteln, den Scheitel- und die Endwirbel ausmachen und das Krümmungsmuster bestimmen. Dieses Vorgehen ist wichtig für die spätere Skoliose-Therapie. Außerdem lassen sich so Fehlbildungen oder Verformungen der Knochen erkennen.

Skoliose im Röntgenbild
Röntgenaufnahme Skoliose
Ein Röntgenbild kann die Diagnose des Arztes bestätigen und ermöglicht die Gradmessung der Skoliose-Ausprägung.

Bestimmung der Skelettreife

Um bei Jugendlichen den Verlauf einer Skoliose einschätzen zu können, ist es wichtig den Stand des Wirbelsäulenwachstums festzustellen. Dazu beurteilt man mit Röntgenbildern die Skelettreife anhand der Verknöcherung der Beckenkammfortsätze (Apophysen). Diese Fortsätze verknöchern mit zunehmendem Alter immer mehr, sind sie komplett verknöchert und die Apophysen damit geschlossen, ist das Skelettwachstum abgeschlossen. Das Knochenalter kann auch mittels eines Röntgenbildes des Handgelenks bestimmt und nach Greulich und Pyle eingeteilt werden.

Zwar hängt das Lebensalter meist mit der Skelettreife zusammen, es kann unter Umständen aber auch abweichen. Für die Prognose der Skoliose ist das Knochenalter zuverlässiger als das Lebensalter.

Röntgen-Alternativen

Neben einer herkömmlichen Röntgendiagnose gibt es für die Untersuchung einer Skoliose auch eine Reihe bildgebender Verfahren ohne Strahlenbelastung. Alternativen sind zum Beispiel das Optimetric-Verfahren, die Moiré-Fotogrammetrie, das Video-Raster-Steriometrie-Formetric-System oder die 3D-Wirbelsäulenanalyse „ZEBRIS“. Anhand dieser Methoden kann eine Skoliose aber nur bedingt eingeschätzt werden, vor allem im Vergleich zu Röntgenaufnahmen.

Weitere Untersuchungen

In Ausnahmefällen lässt der Arzt Schnittbilder mittels eines Magnetresonanztomographen (MRT) anfertigen, vor allem wenn Fehlbildungen des Rückenmarks oder Veränderungen im Rückenmarkskanal (z. B. Tumore) vermutet werden.

Bei schweren Skoliosen können Herz- und Lungenfunktion durch die Verkrümmungen und Verdrehungen des gesamten Brustbereichs gestört werden. In diesen Fällen werden weitere Tests veranlasst. Dazu zählen beispielweise Ultraschalluntersuchungen des Herzens und ein Lungenfunktionstest (Spirometrie).

Je nach Ausmaß der Skoliose wiederholt der Arzt regelmäßig verschiedene Tests, um den Krankheitsverlauf der Wirbelsäulenverkrümmung zu beobachten. Bei den Kontrollröntgenuntersuchungen beschränken sich Ärzte aber meist auf ein frontales Bild.

Skoliose: Behandlung

Eine Skoliose wird konservativ mit Krankengymnastik oder Korsett und in schweren Fällen operativ behandelt. Eine Skoliosetherapie sollte möglichst rasch nach der Diagnose beginnen. Die Wahl der Behandlungsform richtet sich nach Ausmaß, Ursache und Lage der Wirbelsäulenkrümmung, sowie dem Alter und der körperlichen Verfassung des Patienten. Bei leichten Skoliosen genügt oft Krankengymnastik, stärkere Ausprägungen behandeln Ärzte mit einem Skoliose-Korsett. Liegt eine sehr starke Krümmung vor, kann eine Operation weiterhelfen.

Ziele einer Skoliosetherapie

Mit der Behandlung einer Wirbelsäulenverkrümmung versuchen Ärzte zusammen mit anderen Fachkräften wie Physiotherapeuten, dass sich die Skoliose zurückbildet oder zumindest nicht verschlechtert. Konnte eine Skoliosetherapie die Verkrümmung vermindern, sorgen weitere Behandlungsschritte für den Erhalt dieses Erfolgs. Für Kinder und Jugendliche legen die Leitlinien ein klares Ziel fest: Der Cobb-Winkel soll bei Wachstumsabschluss unter 40 Grad liegen. Gelingt dies, ist laut Experten eine operative Skoliosetherapie nicht mehr nötig.

Skoliose-Korsett

Ein Skoliose-Korsett kommt bei stärkeren Wirbelsäulenverkrümmungen des Kindes zum Einsatz (Cobb-Winkel 20-50 Grad). Oft erzielt man damit sehr gute Ergebnisse bei Skoliosen, die nicht auf schweren Grunderkrankungen (Fehlbildungen, Muskel- oder Nervenkrankheiten u. a.) beruhen.

Das Korsett (Orthese) besteht aus Kunststoff und hat sowohl eingearbeitete Druckpolster (Pelotten) als auch Freiräume (Expansionszonen).

Es wird maßgefertigt, mittels Gurten und Klettverschlüssen am Körper befestigt und soll die Wirbelsäule in ihre natürliche Form zurückführen. Die Orthese sollte 22 bis 23 Stunden täglich getragen werden. Je nach Höhe der Hauptkrümmungen stehen dabei verschiedene Skoliose-Korsetts zur Verfügung.

Mädchen können die tägliche Tragedauer je nach Verlauf etwa zwei bis drei Jahre nach der ersten Regelblutung allmählich reduzieren. Bei Jungen sollte dafür erst eine gewisse Skelettreife erreicht sein (Risser-Stadium vier oder fünf), sodass ein großes Wachstum der Wirbelsäule nicht mehr zu erwarten ist.

Hinweis: Erwachsene profitieren nur wenig von dieser Skoliosetherapie, da ihr Knochenwachstum bereits abgeschlossen ist. Dennoch kommen die Orthesen auch im höheren Lebensalter zum Einsatz, zum Beispiel um zu stabilisieren und so den Krankheitsverlauf abzumildern.

Regelmäßige Gymnastikübungen unterstützen zusätzlich eine erfolgreiche Skoliosetherapie mit Orthesen.

Gipsbehandlung

In manchen Fällen einer frühen Wirbelsäulenverkrümmung (unter fünf Jahren, early-onset-Skoliose) kommt eine Skoliosetherapie mittels Gipskorsett in Frage. Hierbei kann die Wirbelsäule normal weiterwachsen. Der Gipsbehandlung schließt sich meist die Therapie mit einem Skoliose-Korsett an.

Operative Skoliosetherapie

In manchen Fällen ist eine konservative Skoliosetherapie (Krankengymnastik, Korsett) nicht ausreichend. Verschlechtert sich eine Skoliose zusehends und ist die Verkrümmung stark ausgeprägt, empfehlen Ärzte in der Regel eine operative Skoliosetherapie. Dabei berücksichtigen sie mehrere Faktoren:

  • die Verkrümmungsschwere (ab einem Cobb-Winkel von etwa 40 lumbal und 50 Grad thorakal)
  • ein rasches Fortschreiten und drohenden Verschleiß
  • das Lebensalter (wenn möglich, nicht vor dem zehnten bis zwölften Lebensjahr)
  • die allgemeine körperliche Verfassung (psychische Belastung, Dauerschmerzen)

Mit der chirurgischen Skoliosetherapie soll unter anderem eine Einsteifung durch Spondylose verhindert werden. Bei einer Spondylose baut der Körper Knochensubstanz an die Wirbelkörperkanten, um damit vermehrte Belastung ausgleichen zu können. Diese Knochenzacken benachbarter Wirbel können aber miteinander verwachsen durch die entstandene Knochenbrücke versteift die Wirbelsäule. Auch möglichen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und die Lungenfunktion versucht man mit einer Operation vorzubeugen.

Beim eigentlichen chirurgischen Eingriff legt der Operateur den betroffenen Wirbelsäulenabschnitt frei. Die OP erfolgt entweder von vorne, über die Brust- oder Bauchhöhle, oder von hinten. Alle operativen Skoliosetherapien haben als Ziel gemeinsam, dass die krumme Wirbelsäule gestreckt und ihre Rotation beseitigt werden soll. Außerdem stabilisiert der Arzt die Wirbelsäule, beispielsweise mittels Schrauben und Stäben.

Operation der Skoliose: Therapie durch Versteifung

Mit der sogenannten Spondylodese (Wirbelsäulenversteifung) bewirkt man absichtlich das Zusammenwachsen von Wirbeln an der betroffenen Stelle. So möchte man die Wirbelsäule in ihrer zuvor korrigierten Form versteifen.

Neuere operative Skoliosetherapien für Kinder und Jugendliche

Eine Versteifung der Wirbelsäule verhindert ihr natürliches Wachstum. Deshalb ist sie bei Kindern und Jugendlichen keine Option. Stattdessen verwenden Ärzte in diesen Fällen zum Beispiel spezielle Titanstäbe.

Die sogenannten VEPTRs (vertical expandable prosthetic titanium rib) werden so eingesetzt - etwa von der Rippe zum Wirbel – dass sie die Wirbelsäule nicht am Wachstum hindern.

Achtung: Bei dieser Skoliosetherapie müssen die Ärzte die Stäbe regelmäßig durch weitere kleinere Eingriffe dem Wachstum anpassen, ungefähr alle vier bis sechs Monate.

Moderne Varianten solcher Stäbe, die „growing rods“ (=mitwachsende Stäbe), beinhalten einen kleinen ferngesteuerten Motor. So lassen sie sich von außen und ohne erneuten Eingriff auf das jeweilige Wirbelsäulenwachstum einstellen.

Ein komplexes System aus Schrauben, Stäben und einer speziellen Platte namens Shilla-Verfahren verspricht ebenfalls eine Skoliosetherapie, ohne das Wachstum zu behindern. Die verwendeten Stäbe „wachsen mit“, da sie in ihren Befestigungsschrauben gleiten können. Ist das Knochenwachstum abgeschlossen, kann das System wieder entfernt werden.

Korrektursystem

Eine weitere Methode ist das Korrektursystem ApiFix. Es wird senkrecht im Krümmungsbogen der Skoliose befestigt. In den Monaten nach der Implantation folgen physiotherapeutische Behandlungen.

Darauf kann das Korrektursystem durch einen Ratschenmechanismus reagieren: Streckt sich die Wirbelsäule durch eine Übung, wird das System mitgezogen und rastet auf einer neuen Position ein. Infolgedessen kann die Wirbelsäule nicht mehr in ihre verkrümmte Ausgangslage zurückfallen. Diese Skoliosetherapie erfolgt schrittweise, sodass sich das umliegende Gewebe besser anpassen kann.

Klammertechnik

Diese Form der operativen Skoliosetherapie eignet sich für Krümmungswinkel unter 35 Grad. Dabei bringen Ärzte an der Krümmungsseite der Wirbelsäule spezielle, krallenförmige Klammern (Shape-Memory-Alloy, SMA) an. Vor dem Eingriff werden sie gekühlt, nach dem Eingriff drängen sie durch die Körperwärme des Patienten zusehends in ihre ursprüngliche Form zurück und korrigieren so die Skoliose.

Rehabilitation

Je nach durchgeführter operativer Skoliosetherapie folgen weitere Behandlungen, zum Beispiel:

  • Skoliose-Korsett, das abgelegt werden kann, sobald die operierten Wirbelsäulenanteile verknöchert sind
  • kontrollierte physiotherapeutische Anwendungen und krankengymnastische Übungen

Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen. Betroffene sollen in jedem Fall möglichst früh neue Bewegungen erlernen. Mit solchen Rehabilitationsmaßnahmen kann man eine operative Skoliosetherapie sinnvoll unterstützen und späteren Schäden vorbeugen.

Skoliose: Behandlung von Grunderkrankungen

Ist eine Skoliose die Folge einer anderen Erkrankung, wird diese immer mitbehandelt. Das gilt insbesondere für Krankheiten oder Fehlbildungen, die das Fortschreiten der Wirbelsäulenverkrümmung fördern würden. Hat ein Patient beispielsweise unterschiedlich lange Beine, versucht man, diese Differenz mit speziellen Schuhen auszugleichen.

Schmerztherapie

Skoliose-Schmerzen im Rücken, Nacken oder in den Schultern, aber auch Kopfschmerzen werden üblicherweise mit Schmerzmitteln in Tabletten-Form behandelt. Manchmal helfen auch Pflaster, die Wärme abgeben. Örtlich betäubende Spritzen in den Rücken kommen nur bei schweren Schmerzen zum Einsatz. Sie entstehen im Rahmen einer Skoliose beispielsweise durch Verschleißschäden an der Wirbelsäule und eingeengten Rückenmarksnerven.

Gegen Schmerzen bei einer Skoliose hilft manchmal auch die sogenannte Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Dabei werden Elektroden auf der Haut über der schmerzenden Stelle aufgebracht. Diese Elektroden setzten elektrische Impulse frei, die auf tiefer liegende Nerven wirken. Sie hemmen somit die Schmerzübertragung dieser Nerven an das Gehirn. Das Deutsche Skoliose Netzwerk führt zudem die Akupunktur als Teil einer umfassenden Skoliosetherapie an – auch sie soll bei manchen Patienten die Schmerzen lindern.

Skoliose: Übungen

Bei leichten Wirbelsäulenverkrümmungen eignen sich krankengymnastische Übungen als Skoliosetherapie. Sie sollen die Körperhaltung korrigieren. Neben physiotherapeutischen Anwendungen gibt es auch Übungen bei Skoliose, die der Patient zuhause durchführen kann. Übungen als Teil der Skoliosetherapie sollen

  • die Körperhaltung verbessern
  • die Muskulatur kräftigen
  • Krümmungen nach vorn und hinten beseitigen
  • die Lungen- und Herzfunktion steigern

Mittlerweile gibt es sehr viele Methoden, um Skoliose mittels Übungen zu therapieren.

Lesen Sie hier alles Wichtige über Skoliose-Übungen.

Skoliose: Krankheitsverlauf und Prognose

Der Verlauf einer Skoliose ist sehr unterschiedlich. Prinzipiell gilt: Je früher eine Wirbelsäulenverkrümmung festgestellt wird, desto wahrscheinlicher schreitet sie voran.

Eine Ausnahme stellt die Säuglingsskoliose dar. Innerhalb der ersten beiden Lebensjahre bildet sich eine schiefe Wirbelsäule in bis zu 96 Prozent der Fälle selbstständig zurück. Außerdem kann sie durch geeignete Lagerungsmaßnahmen und Physiotherapie positiv beeinflusst werden.

Achtung: Verbleibt eine Restskoliose von über 20 Grad, müssen die Eltern des betroffenen Babys mit einem Fortschreiten der Skoliose rechnen.

Risiko einer Verschlechterung der Skoliose

Tritt eine Skoliose erst in den folgenden Lebensjahren auf, ist die Prognose von verschiedenen Kriterien abhängig. Beispielweise können Grunderkrankungen am Muskel- oder Nervensystem den Krankheitsverlauf verschlechtern. Bei idiopathischen Skoliosen sind neben dem Alter (mögliches Restwachstum) weitere Faktoren von Bedeutung:

  • Ausgangs-Cobb-Winkel
  • Risser-Stadium (Skelettreife)
  • Zeitpunkt der ersten Regelblutung (Menarche, nachgewiesener Zusammenhang mit schubhaftem Knochenwachstum in den darauffolgenden Jahren)

Der Cobb-Winkel hat zu Beginn der Diagnose den größten Stellenwert. Die Leitlinien geben die Wahrscheinlichkeit, dass eine idiopathische Skoliose zunimmt, abhängig vom Krümmungsgrad und dem Alter, wie folgt an:

Cobb-Winkel in Grad

10-12 Jahre

13-15 Jahre

16 Jahre

kleiner 20

25 Prozent

10 Prozent

0 Prozent

20-29

60 Prozent

40 Prozent

10 Prozent

30-59

90 Prozent

70 Prozent

30 Prozent

größer 60

100 Prozent

90 Prozent

70 Prozent

Krankheitsverlauf im höheren Alter

Skoliosen können sich auch noch im Erwachsenenalter verschlechtern. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Cobb-Winkel bei Wachstumsabschluss über 50 Grad liegt. Dabei haben Berechnungen zu thorakalen und lumbalen Skoliosen gezeigt, dass die Krümmung um etwa 0,5 bis ein Grad jährlich zunimmt.

Bei starken Skoliosen, vor allem im unteren Rücken, steigt das Risiko schmerzhafter Beschwerden. Besonders ausgeprägte Verkrümmungen können auch Rückenmarksnerven (Spinalnerven) reizen und Missempfindungen oder Schmerzen hervorrufen.

Achtung: Erreicht die Skoliose einen Wert von etwa 80 Grad, kann sie die Lebenserwartung verringern.

Bei sehr ausgeprägten Verläufen fällt das Atmen durch die zunehmende Verformung immer schwerer. Der Brustkorb ist kaum noch beweglich (Thoraxstarre) und das Lungenvolumen sinkt. Auf der Seite der Krümmung wird die Lunge überbläht (Lungenemphysem). Die andere Lungenhälfte wiederum wird kaum noch belüftet und das Lungengewebe fällt stellenweise zusammen (Atelektase).

Es drohen schwere Komplikationen wie eine Lungenentzündung, eine chronische Bronchitis oder eine Lungenfellentzündung (Pleuritis). Darüber hinaus wird auch das Herz immer stärker belastet (Cor pulmonale).

Komplikationen nach Skoliose-Operationen

Wie jeder chirurgische Eingriff birgt auch eine Operation an der Wirbelsäule gewissen Risiken wie Blutungen, Infektionen (insbesondere bei Akne-Patienten) oder Wundheilungsstörungen. Empfindungsstörungen oder Lähmungen treten bei idiopathischen Skoliosen in der Regel nicht auf. Durch eine operative Skoliosetherapie kann es aber zu Nerven- oder Rückenmarksverletzungen kommen.

Die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Komplikation ist allerdings sehr gering. Studien zufolge liegt sie bei 0,3 bis 2,5 Prozent. Das Risiko steigt, wenn ein großer Eingriff durchgeführt wird und weitere Erkrankungen (v. a. des Rückenmarks) bestehen. In manchen Fällen - beispielweise bei Rückenmarkserkrankungen - lassen die Ärzte den Betroffenen während der OP aufwachen und überprüfen dessen Bewegungen und Empfindungen an der Haut.

Ergüsse und Pneu

Wurde durch die Brusthöhle operiert kann es außerdem zu Flüssigkeitsansammlungen im Brustkorb kommen. Diese werden durch einen Schlauch (Drainage) aus dem Körper geleitet. Unter Umständen fällt ein Lungenflügel zusammen, medizinisch Pneumothorax (kurz: Pneu). Auch hier wird ein spezielles Drainage-System verwendet, damit sich die Lunge wieder entfalten kann.

Korrekturverlust

Nach manchen Versteifungsoperationen kann sich zudem die Gegenkrümmung einer Skoliose verstärken. Darüber hinaus geht die erreichte Korrektur in den ersten Jahren nach dem Eingriff manchmal teilweise verloren. In der Regel stabilisiert sich eine Skoliose aber nach der Operation.

Bei jungen Patienten, die schon im frühesten Knochenalter (Risser 0) versteift werden, kann sich ein Korrekturverlust problematisch gestalten. Da die Wirbelkörper weiterwachsen, verstärkt sich in vielen Fällen die Wirbelsäulenverdrehung. Mediziner sprechen vom sogenannten Kurbelwellenphänomen. Um das zu verhindern, erfolgt die versteifende Skoliosetherapie für gewöhnlich sowohl von vorne als auch von hinten.

Zu weiteren speziellen Komplikationen zählen Metallbrüche der bei einer OP eingesetzten Stäbe und Schrauben. In diesen Fällen kommt es fast immer zu einem Korrekturverlust. Bei manchen Versteifungsoperationen verwachsen die Wirbelkörper nicht wie geplant. Es bilden sich „falsche“ Gelenke, sogenannte Pseudarthrosen. Sie können anhaltende Schmerzen verursachen (insbesondere bei Lumbalskoliosen).

Bei manchen Patienten entwickelt sich durch eine aufrichtende Operation mittels Stäben (Harrington-Stäbe) ein Flachrücken. Dabei ist die natürlich bestehende Vorwärtskrümmung der Lendenwirbelsäule aufgehoben. Infolgedessen verschleißen die angrenzenden Wirbel und Bandscheiben schneller und verursachen schmerzhafte Beschwerden.

Skoliose und Schwangerschaft

Entgegen vieler Befürchtungen wirkt sich eine Skoliose nicht negativ auf eine Schwangerschaft aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Patientinnen konservativ (Krankengymnastik, Korsett) oder operativ behandelt wurden. Wie bei allen Schwangeren kann es auch bei Skoliose-Betroffenen zu tieferliegenden Rückenschmerzen kommen, eine Zunahme des Cobb-Winkels konnte man bislang aber nicht nachweisen.

Kontrolluntersuchungen

Je nach Ausmaß der Skoliose kontrolliert der Arzt den Krümmungsverlauf regelmäßig. Kindliche Rückgratverkrümmungen unter 20 Grad werden ungefähr alle drei bis sechs Monate durch körperliche Untersuchungen überprüft. Hat der Arzt den Verdacht einer Krümmungszunahme, wird er ein Röntgenbild veranlassen. Skoliosen über 20 Grad werden mindestens einmal jährlich mittels Röntgenuntersuchung kontrolliert. Auch im Rahmen einer Skoliosetherapie erfolgen mindestens halbjährlich klinische Untersuchungen.

Ist das Wachstum abgeschlossen und der Cobb-Winkel kleiner als 20 Grad, bedarf es keiner weiteren Kontrolle. Bei einer Skoliose von 20 bis 40 Grad, die nicht operiert wurde, führt der Arzt etwa zwei bis vier Jahre nach Wachstumsabschluss eine Kontrolluntersuchung durch. Hat die Krümmung um fünf Grad zugenommen, folgen weitere Kontrollen. Leiden Erwachsene unter einer über 40-gradigen Skoliose empfehlen die Leitlinien eine jährliche Überprüfung.

Wurde der Betroffene operiert, sind zwei Jahre nach dem Eingriff bei stabiler Versteifung und einem Cobb-Winkel unter 40 Grad keine weiteren Routineuntersuchungen notwendig.

Leben mit Skoliose

In den meisten Fällen können Patienten gut mit ihrer Skoliose leben. Wichtig ist, aktiv gegen die Wirbelsäulendeformität zu arbeiten. Integrieren Sie Skoliose-Übungen in Ihren Alltag. Treiben Sie (Schul)Sport. Haben Sie bei manchen Aktivitäten Bedenken, sollten Sie auf jeden Fall Ihren Arzt befragen.

Belastet Sie Ihre Skoliose im alltäglichen Leben, beispielweise im Beruf oder in Ihrer Freizeit, zögern Sie nicht um Hilfe zu bitten. Wenden Sie sich an Ihren Arbeitgeber, Ihren Physiotherapeuten oder an Freunde. Manche Betroffene engagieren sich auch in Selbsthilfegruppen. Lastet die Skoliose auf Ihrer Psyche oder der Ihres Kindes, kann auch eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Durch ein offenes und aktives Verhalten können Sie so wertvolle Tipps sammeln und dem Fortschreiten Ihrer Skoliose vorbeugen.

Weiterführende Informationen:

Leitlinien:

  • Leitlinien zum der Sektion Rehabilitation und Physikalische Medizin der DGOOC von Orthopäden für Orthopäden (Stand: 2012)
  • Leitlinien zur (Stand: 2009, in Überarbeitung)
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