Mandelentzündung

Dr. med. Ricarda Schwarz

Ricarda Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben in der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) in Flensburg, Hamburg und Neuseeland ist sie nun in der Neuroradiologie und Radiologie der Uniklinik Tübingen tätig.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Bei einer Mandelentzündung (mediz. Tonsillitis, Angina tonsillaris) sind die Gaumenmandeln entzündet. Das macht sich meist mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden bemerkbar. Oft kann man eine Mandelentzündung medikamentös behandeln. Nur wenn sich die Mandeln sehr häufig entzünden, werden sie entfernt. Lesen Sie alles über Symptome, Behandlung und Hausmittel bei Mandelentzündung!

Mandelentzündung

Symptome: So äußert sich eine Mandelentzündung

Typisch sind bei einer Mandelentzündung Symptome wie Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Meistens entwickeln sie sich innerhalb weniger Stunden. Die Gaumenmandeln beidseits des Zäpfchens sind deutlich gerötet, angeschwollen und weißlich belegt.

Auch die Rachenwand ist gerötet und die Lymphknoten im Kieferwinkel sind oft fühlbar vergrößert. Dazu gesellt sich ein unangenehmer Mundgeruch als weiteres typisches Anzeichen für eine Tonsillitis. Oft fühlen sich die Erkrankten schwach und matt, dazu kommt häufig hohes Fieber. Eine Mandelentzündung ohne Fieber ist aber auch möglich.

Daran erkennen Sie eine Mandelentzündung
Mandelentzündung
Bei einer Mandelentzündung schwellen die Mandeln im Rachenraum an und sind gerötet

Unterschiede zwischen viraler und bakterieller Mandelentzündung

Meist sind es Bakterien, besonders Streptokokken, die eine Mandelentzündung verursachen. Eiter auf den Mandeln – zu erkennen an weißen Pünktchen – ist in ein typisches Anzeichen für einen bakteriellen Infekt. Husten oder Schnupfen sind dagegen keine Symptome einer bakteriellen Mandelentzündung, sondern sprechen für einen selteneren viralen Infekt (meist verursacht durch Rhinoviren, Coronaviren oder Adenoviren).

Bei Patienten ab 15 Jahren hilft dem Arzt ein spezielles Kriterien-System (Centor-Score) dabei, die Wahrscheinlichkeit für eine Streptokokken-Infektion (genauer: mit Streptokokken der Gruppe A) abzuschätzen:

  • Fieber über 38 Grad
  • kein Husten
  • geschwollene Halslymphknoten
  • belegte Gaumenmandeln

Wenn bei einer Mandelentzündung alle vier Symptome auftreten, wurde die Erkrankung in 50 bis 60 Prozent der Fälle durch Streptokokken verursacht.

Achtung: Dieser Score kann lediglich eine Tendenz angeben, aber keine Diagnose stellen. Sicherheit gibt nur die Analyse eines Mandelabstrichs.

Mandelentzündung als Symptom anderer Krankheiten

Eine Mandelentzündung ist nicht nur ein Krankheitsbild. Sie kann auch ein Symptom sein, das andere Erkrankungen begleitet. Beispiele dafür sind:

Mandelentzündung bei Pfeifferschem-Drüsenfieber: In etwa sechs Prozent der Fälle tritt eine Mandelentzündung als Symptom dieser Viruserkrankung auf. Die Mandeln sind flächig-schmutzig belegt und die Lymphknoten im Kieferwinkel, im Bereich von Nacken, Hals und auch der Leistengegend sind oft stark angeschwollen.

Mandelentzündungs-Symptome bei Diphtherie: Diphtherie ist eine gefährliche bakterielle Infektion, oft begleitet von einer Kehlkopfentzündung oder Mandelentzündung. Die Mandeln sind von einem gräulich-weißen Belag überzogen. Versucht man, die Beläge zu entfernen, blutet es meist. Betroffene haben oft einen süßlichen Mundgeruch.

Mandelentzündungs-Symptome bei Scharlach: Eine Mandelentzündung bei Scharlach äußert sich in tief roten Gaumenmandeln, die mit eitrigen Stippchen belegt sind. Auch die Rachenwand ist meistens rötlich verfärbt. An der Mundschleimhaut der Wangeninnenseite können kleine, weißliche Beläge auftreten.

Mandelentzündungs-Symptome bei Herpangina: Bei einer Mandelentzündung durch Coxsackie-A-Viren (Herpangina) sind die Mandeln nur leicht geschwollene. Dazu bilden sich kleine Bläschen (Aphten) an Gaumen- und Wangenschleimhaut, die nach dem Aufplatzen flache, schmerzhafte Defekte hinterlassen. Fieber, Schluckbeschwerden und ein deutliches Krankheitsgefühl sind weitere Symptome.

Mandelentzündungs-Symptome bei Angina Plaut-Vincent: Bei Angina Plaut-Vincent handelt es sich um eine seltene Form von Mandelentzündung. Meist ist nur die Mandel auf einer Seite entzündet, dazu kommt ein übler Mundgeruch. Patienten mit diesem Krankheitsbild haben meistens kein Fieber und fühlen sich in der Regel relativ gesund.

Mandelentzündungs-Symptome bei Syphilis und Tripper: Die Syphilis (Lues) ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die in mehreren Stadien verläuft. Im zweiten Stadium entwickelt sich manchmal eine Mandelentzündung. Symptome dieser sogenannten Angina specifica sind geschwollene, gerötete Mandeln mit schleierartigen, grau-weißen Belägen. Fieber tritt nicht auf.

Auch beim Tripper (Gonorrhoe) – einer weiteren Geschlechtskrankheit – kann es unter anderem zu einer Mandelentzündung kommen.

Mandelentzündungs-Symptome beim Kawasaki-Syndrom: Das Kawasaki-Syndrom ist eine entzündliche Gefäßerkrankung bei Kindern, die ganz unterschiedliche Symptome hervorrufen kann. Eines davon ist eine Mandelentzündung.

Mandelentzündung: Behandlung

Je nach Schwere und Häufigkeit, in der die Krankheit auftritt, können unterschiedliche Behandlungsstrategien angebracht sein. Gegen leichte Halsschmerzen helfen oft schon Hausmittel. Schulmedizinisch werden bei einer bakteriellen Mandelentzündung Antibiotika eingesetzt. Bei chronischer oder häufig wiederkehrender Mandelentzündung kann eine Operation notwendig werden.

Hinweis: Treten Komplikationen wie ein Peritonsillarabszess (abgekapselter Entzündungsherd im Rachenraum) auf, kann die stationäre Behandlung in einem Krankenhaus notwendig sein.

Selbsthilfe bei Mandelentzündung: Was tun zuhause?

Nicht jede Halsinfektion muss von einem Arzt behandelt werden. Oft entwickeln sich leichte Mandelentzündungen im Rahmen einer Erkältung. Durch Ausruhen und mithilfe von Hausmitteln können Sie dann auch selbst etwas gegen Ihre Mandelentzündung tun. Beschwerdelindernd wirken können beispielsweise

  • Halswickel
  • Salzlösung zum Gurgeln
  • feuchte Raumluft
  • ausreichendes Trinken (keine säurehaltigen Getränke, z. B. Saft)
  • bevorzugt weiche, kühle, wenig gewürzte Speisen verzehren
  • Auch verschiedene pflanzliche Mittel können bei Mandelentzündung helfen.

Was Sie zuhause sonst noch tun können und wo die Grenzen von Hausmitteln bei einer Mandelentzündung liegen, lesen Sie im Artikel Mandelentzündung: Hausmittel.

Mandelentzündung: Wann müssen Sie zum Arzt?

Schmerzen sind besonders in den ersten Tagen das lästigste Symptom der Mandelentzündung. Zunächst können Sie versuchen, den Schmerzen mit Maßnahmen wie Halswickeln oder Lutschbonbons, speziellen Lutschpastillen sowie Sprays und antiseptischen und lokal betäubenden Gurgellösungen aus der Apotheke beizukommen.

Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, können die Schmerzmittel Paracetamol oder Ibuprofen die Beschwerden lindern. Beide wirken schmerzlindernd (analgetisch) und fiebersenkend (antipyretisch), Ibuprofen übt auch noch einen entzündungshemmenden (antiphlogistischen) Effekt aus. Sie dürfen diese Substanzen aber nur anwenden, wenn Sie keine Allergien gegen die Wirkstoffe haben.

Hinweis: Schmerzmittel lindern lediglich die Beschwerden, sie bekämpfen nicht die Krankheitserreger.

Gelingt es trotz Ruhe und „sanfter Unterstützung“ dem Immunsystem nicht, die krankheitsauslösenden Viren oder Bakterien zu beseitigen, oder verläuft die Mandelentzündung sehr heftig, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er untersucht Rachen, Mund und meist auch Nase und Ohren mit speziellen Geräten. Er kann außerdem einen Schnelltest auf Streptokokken durchführen.

Dafür nimmt der Arzt mit einem Wattestäbchen einen Abstrich von verschiedenen Stellen im Rachen, das Ergebnis liegt schon nach wenigen Minuten vor.

In manchen Fällen wird der Arzt eine Ultraschall-Untersuchung durchführen, zum Beispiel, um einen Abszess auszuschließen.

Ärztliche Behandlung bei bakterieller Mandelentzündung

Kann der Arzt eine Streptokokken-Tonsillitis nachweisen oder ist diese sehr wahrscheinlich, verschreibt der Arzt meist Antibiotika, häufig vom Typ Penicillin V.

Wer diesen Wirkstoff nicht verträgt, bekommt andere Antibiotika (Erythromycin, Cephalosporine der 1. Generation), die ebenfalls gut gegen Streptokokken wirken. Sogenannte Reserveantibiotika (z. B. Clindamycin) kommen nur zum Einsatz, wenn die krankmachenden Bakterien unempfindlich (resistent) gegenüber den Standard-Wirkstoffen geworden sind oder der Patient letztere nicht einnehmen kann.

Achtung: Bei jeder Antibiotikatherapie können sich resistente Bakterienstämme ausbilden. Deswegen sollten Antibiotika bei Mandelentzündung nicht prophylaktisch eingesetzt werden, sondern nur, wenn tatsächlich Bakterien die Auslöser der Entzündung sind.

Ärztliche Behandlung bei viraler Mandelentzündung

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, daher werden sie bei Virusinfekten nicht eingesetzt. Sie werden bei viraler Mandelentzündung nur dann erforderlich, wenn es auf den erkrankten Schleimhäuten zusätzlich zu einer bakteriellen Infektion gekommen ist (Superinfektion).

Vorsicht ist geboten beim (durch das Epstein-Barr-Virus ausgelösten) Pfeifferschen Drüsenfieber. Die Antibiotika Amoxicillin und Ampicillin können dann einen Hautausschlag verursachen und sollten deshalb nicht angewendet werden

Die Behandlung der viralen Tonsillitis beschränkt sich daher auf die Behandlung der Symptome wie Fieber und Schmerzen. Dabei können neben den oben genannten Schmerzmedikamenten auch Hausmittel und körperliche Schonung den Genesungsprozess beschleunigen.

Achtung: Besonders beim Pfeifferschen Drüsenfieber ist es wichtig, sich körperlich zu schonen. Bei diesem Krankheitsbild können nämlich die inneren Organe anschwellen und es besteht die Gefahr eines Milzrisses. Diese Komplikation ist lebensbedrohlich und erfordert die stationäre Behandlung in einem Krankenhaus.

Außerdem sollten Sie in folgenden Situationen ärztliche Hilfe bei einer Mandelentzündung in Anspruch nehmen:

  • krankhafte Atemgeräusche
  • erschwerte Atem
  • starke einseitige Schmerzen, vor allem, wenn Sie kauen, schlucken oder den Mund öffnen
  • Krankheitsdauer von mehr als einer Woche ohne Besserung
  • akutes rheumatisches Fieber in der Familie
  • schwere Allgemeinerkrankungen
  • hohes Fieber, das sich nicht mit Medikamenten senken lässt

Chronische Mandelentzündung: Was tun?

Manche Patienten bekommen eine chronische Mandelentzündung. Anders als bei einer akuten Tonsillitis ist bei einer chronischen Mandelentzündung das Mandelgewebe immer wieder entzündet.

Sie kann entstehen, wenn sich Keime in den Vertiefungen (Krypten) der Mandeln „verstecken“ oder abkapseln. Sie können dann vom Immunsystem nicht bekämpft werden. Mediziner bezeichnen diese Form der stetig wiederkehrenden Mandelentzündung als rezidivierende Tonsillitis.

Werden die Bakterien über die Blutbahn in den übrigen Körper verstreut, können sie zudem andere Erkrankungen verursachen oder verstärken. Dann ist eine operative Entfernung der Mandeln sinnvoll.

Mehr über Symptome und Behandlung einer chronischen Mandelentzündung erfahren Sie im Artikel Chronische Mandelentzündung.

Mandelentzündung: Wann operiert werden muss

Tritt eine Mandelentzündung häufig auf, werden die Mandeln meist vollständig entfernt. Diese sogenannte Tonsillektomie ist hierzulande einer der am häufigsten durchgeführten Eingriffe.

Am meisten profitieren Kinder von dem Eingriff. So ist zum Beispiel erwiesen, dass sie nach der Mandelentfernung seltener krankheitsbedingt im Unterricht fehlen. Trotzdem kann nach einer Tonsillektomie noch immer eine Halsinfektion auftreten.

Wie eine Tosillektomie durchgeführt wird, welche Risiken sie birgt und wann sie sinnvoll sein kann, erfahren Sie im Beitrag Tonsillektomie.

Mandelentzündung: Behandlung mit Homöopathie

Mit der Frage „Was hilft bei Mandelentzündung?“ wenden sich viele Patienten an einen Heilpraktiker. Alternative Heilmethoden können nämlich ebenfalls einen Beitrag gegen die Beschwerden einer Mandelentzündung leisten. Homöopathie ist dabei besonders beliebt. Sie ist aber kein Ersatz für eine notwendige schulmedizinische Behandlung.

Je nach Symptomatik werden bei akuter Mandelentzündung zum Beispiel die homöopathischen Mittel Aconitum, Belladonna, Apis oder Pyrogenium empfohlen. Patienten sollten sich hierzu von einem erfahrenen Therapeuten oder Apotheker beraten lassen.

Mandelentzündung: Woher sie kommt

Die Mandelentzündung (Tonsillitis) ist eine Entzündung der Gaumenmandeln, die rechts und links im Rachen sitzen. Sie kommt häufig vor. Insgesamt erkranken jedes Jahr über eine Million Menschen in Deutschland daran. Besonders oft tritt die Mandelentzündung bei Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren auf.

Häufig sind die Betroffenen zuvor an einem grippalen Infekt erkrankt. Dieser schwächt das Immunsystem, was Bakterien oder Viren ausnutzen können – sie befallen die Rachenschleimhaut. Meistens sind Bakterien vom Typ Streptokokken die Erreger. Die Stippchen oder gelb-weißlichen Beläge auf den entzündeten Mandeln, die typisch sind für eine bakterielle Tonsillitis, bestehen aus toten Bakterien und abgestorben Zellen des Immunsystems. Meist liegt eine einseitige Mandelentzündung vor. Eine beidseitige Tonsillitis ist seltener.

Bei der sogenannten Angina Plaut-Vincenti sind mehrere verschiedene Bakterien für die Entzündung verantwortlich. Diese Form der Mandelentzündung tritt nur im Erwachsenenalter auf. Es bildet sich dabei ein Geschwür an einer Rachenseite. Die Gaumenmandeln sind mit einem übelriechenden grün-grauen Schleim belegt. Die Gaumenmandeln der anderen Seite sind häufig völlig unauffällig.

Die Entzündung der Mandeln heilt meist von selbst wieder aus. Manchmal müssen aber auch Medikamente, insbesondere Antibiotika, gegeben werden, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Mandelentzündung: Ursachen und Risikofaktoren

Eine Mandelentzündung kann durch verschiedene Erreger ausgelöst werden. Diese können sich leicht auf der zerklüfteten Oberfläche der Gaumenmandeln festsetzen. Im Prinzip ist dies sogar gut:

Als Teil des Immunsystems gehört es zu den Aufgaben der Gaumenmandeln, Erreger, die in den Rachenraum gelangt sind, abzufangen und so zu verhindern, dass diese die Atemwege infizieren. Die Zellen in den Gaumenmandeln produzieren ganz bestimmte Antikörper, die sich auf die Oberfläche der eingedrungenen Erreger setzen und sie so unschädlich machen.

Hat das Immunsystem einen Keim aber nicht effektiv abwehren können, beispielsweise weil er durch einen grippalen Infekt geschwächt war, kann eine Tonsillitis entstehen.

Ist Mandelentzündung ansteckend?

Da die Erreger auch im Speichel zu finden sind, ist die eitrige Mandelentzündung ansteckend. Wenn die Betroffenen husten oder niesen, können andere Menschen über keimhaltige Tröpfchen mit den Erregern infiziert werden. Mediziner sprechen hierbei von Tröpfcheninfektion.

Hinweis: Da die Ansteckungsgefahr bei einer Mandelentzündung besonders in den ersten Tagen hoch ist, sollte man in dieser Zeit Kontakt mit anderen Menschen möglichst meiden.

Sofern Sie ein Antibiotikum einnehmen, kann sich die Ansteckungsgefahr schon nach einem Tag stark reduzieren. Wird keines verschrieben, zum Beispiel bei einer viralen Mandelentzündung, ist die Infektion ein bis zwei Wochen lang ansteckend.

Anders als beispielsweise bei Windpocken, ist man nach einer Mandelentzündung nicht immun gegen eine erneute Infektion.

Mandelentzündung: Untersuchungen und Diagnose

Starke Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, Abgeschlagenheit und Fieber führen die Betroffenen häufig zum Arzt. Dieser wird zunächst einige Fragen zum Krankheitsverlauf stellen:

  • Seit wann leiden Sie unter den Beschwerden?
  • Haben Sie Fieber?
  • Haben Sie einen Hautausschlag?
  • Leiden Sie unter Atemnot?
  • Treten Schmerzen auf, wenn Sie kauen, schlucken oder den Mund öffnen?
  • Ist die Mandelentzündung neu entstanden (akute Tonsillitis) oder leiden Sie unter einer immer wiederkehrenden Tonsillitis (chronische Tonsillitis)?
  • Haben Sie Schmerzen im Bauchraum?

Körperliche Untersuchung: Anschließend prüft der Arzt, ob an Rachen und Gaumenmandeln eine Rötung, Schwellung oder weißer Belag zu erkennen sind. Außerdem ertastet er die Lymphknoten an Hals und Hinterkopf. Sie können bei einer Mandelentzündung angeschwollen sein.

Hinweis: Die Untersuchung und die geschilderten Beschwerden genügen dem Arzt meist, um die Diagnose "Mandelentzündung" stellen zu können.

Rachenabstrich: Besteht der Verdacht, dass die Tonsilitis durch bestimmte Bakterien verursacht wird (beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, kurz: GABHS), wird der Arzt einen Rachenabstrich machen. Dazu streicht er mit einem Wattetupfer an der hinteren Rachenwand entlang, um eine Probe des dort befindlichen Speichels zu entnehmen. Mit einem Schnelltest oder im Labor können eventuell vorhandene Streptokokken im Speichel nachgewiesen werden.

Blutuntersuchung: So wie der Rachenabstrich ist auch eine Blutuntersuchung nicht Routine bei der Abklärung einer Tonsillitis, sondern nur in Einzelfällen notwendig. Dabei wird zum Beispiel untersucht, ob und welche Entzündungswerte im Blut erhöht sind.

Mandelentzündung: Krankheitsverlauf und Prognose

Der Verlauf einer Mandelentzündung hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die Erregerart, der körperlichen Verfassung und Abwehrkraft und klimatische Faktoren. Die Einnahme eines Antibiotikums verkürzt die Krankheitsdauer.

Mandelentzündung: Dauer

Sofern keine Komplikationen auftreten, klingen die Symptome meistens innerhalb von drei bis fünf Tagen deutlich ab. Nach ein bis zwei Wochen sind fast alle Patienten beschwerdefrei.

Komplikationen der Tonsillitis

Sport sollte man bei einer Tonsillitis meiden, da das Immunsystem bereits viel Energie für die Keimbekämpfung benötigt. Anderenfalls kann die Mandelentzündung chronisch werden oder Komplikationen nach sich ziehen. Denn bei körperlicher Anstrengung steigt auch das Risiko, dass Bakterien über die Blutbahn in andere Organe verschleppt werden.

Komplikationen entstehen zudem häufig dann, wenn eine Antibiotikatherapie nicht ausreichend lange durchgeführt wurde.

Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündung: Eine Mittelohrentzündung und eine Nasennebenhöhlenentzündung zählen zu den eitrigen Komplikationen einer Mandelentzündung. Sie entstehen, wenn die Belüftung der sogenannten Ohrtrompete (Verbindung vom Rachenraum zum Mittelohr) oder der Nasennebenhöhlen durch die Schleimhautschwellung verhindert wird.

Ohrenschmerzen oder Druckschmerzen über der Kiefer- und Stirnhöhle sind typische Symptome.

Peritonsillarabszess: Bei einer Mandelentzündung mit Peritonsillarabszess kapselt sich ein Entzündungsherd im Rachenraum ab. Meistens wölbt sich die Rachenwand dann auf der betroffenen Seite deutlich nach innen. Oft haben Betroffene zudem starke Halsschmerzen und können den Mund nur noch minimal öffnen (Kieferklemme). Menschen, die während einer Mandelentzündung rauchen, entwickeln häufiger einen Abszess.

Rheumatisches Fieber: Das rheumatische Fieber tritt in der Regel drei Wochen nach einer Streptokokken-Mandelentzündung auf. Dabei handelt es sich um eine Art Autoimmunreaktion, die durch Zellbestandteile der Streptokokken getriggert wird. Meistens bekommen Betroffene erneut Fieber. Zusätzlich können ein kreisförmiger, rötlicher Hautausschlag und schmerzhafte Gelenkentzündungen auftreten. Letztere können bei ungünstigem Verlauf viele Jahre anhalten.

Außerdem kann sich im Zuge des rheumatischen Fiebers eine Herzentzündung entwickeln. Betroffen ist entweder die innere Herzschicht (Endokarditis), der Herzmuskel (Myokarditis) oder der Herzbeutel (Perikarditis). Diese Entzündungen können dazu führen, dass das Herz nicht mehr gleichmäßig schlägt.

Das akute rheumatische Fieber kann auch das Nervensystem betreffen und sich als sogenannte Chorea minor manifestieren. Diese Erkrankung zeigt sich einige Wochen bis Monate nach Abklingen der Mandelentzündung. Symptome sind blitzartig einschießende Bewegungen der Arme, des Rachens und Schlundes. Diese Zuckungen treten plötzlich auf und können nicht kontrolliert werden.

Nierenkörperchen-Entzündung (Glomerulonephritis): Diese akute Entzündung der Nieren entwickelt sich manchmal sechs bis zwölf Tage nach Abklingen der Mandelentzündung. Anzeichen ist Blut im Urin. Manchmal handelt es sich allerdings nur um sehr kleine Blutmengen, die mit bloßem Auge kaum sichtbar sind, sondern nur im Labor sicher nachgewiesen werden können.

Sepsis: Manchmal gelangen Bakterien direkt in die Blutbahn. Man spricht dann von einer Blutvergiftung oder Sepsis. Die Sepsis ist ein schweres Krankheitsbild, bei der viele Körperorgane ihre Funktionsfähigkeit verlieren können.

Komplikationen bei Kindern

Häufige Komplikationen einer Tonsillitis im Kindesalter sind Mittelohrentzündung (Otitis media) und Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Manchmal entwickelt sich ein bis vier Wochen nach einer Streptokokken-Tonsillitis auch ein Rheumatisches Fieber mit Gelenkentzündungen, Entzündung der Herzklappen, des Herzbeutels oder Herzmuskels.

Streptokokken können auch bei Kindern eine Nierenentzündung auslösen. In schweren Fällen kann die Niere sogar gänzlich ausfallen. Meistens erholen sich die Kinder aber innerhalb von wenigen Tagen wieder.

Komplikationen in der Schwangerschaft

Schwangere haben ein höheres Risiko an einer Tonsillitis zu erkranken. Auch besteht bei Schwangeren eine größere Gefahr für Komplikationen zu entwickeln. Daher sollten Schwangere mit einer Mandelentzündung stets einen Arzt aufsuchen. Zuständig ist ein HNO-Arzt.

Weiterführende Informationen:

Leitlinien:

  • / Tonsillitis, Therapie, gültig bis 31.12.2019

https://steroid-pharm.com/

http://www.medicaments-24.net

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