Magengeschwür

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Dr. med. Fabian Sinowatz

Dr. med. Fabian Sinowatz ist freier Mitarbeiter der e-happiness-Medizinredaktion.

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Ein Magengeschwür (mediz. Ulcus ventriculi) ist eine tiefe Wunde in der Magenschleimhaut. Sie macht sich typischerweise durch Schmerzen im Oberbauch bemerkbar. Magengeschwüre entstehen vor allem durch ein Übermaß an Magensäure. Oft ist auch eine Besiedelung der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori verantwortlich. Mit Medikamenten lässt sich ein Magengeschwür meist vollständig heilen. Erfahren Sie hier unter anderem, welche Risikofaktoren ein Magengeschwür begünstigen, auf welche Warnzeichen Sie achten sollten und wie die Behandlung und Prognose aussehen.

Dr. med. Mira Seidel
Dr. med. Mira Seidel

Vermeiden Sie Stress, denn es ist ein Risikofaktor bei Magengeschwüren.

magengeschwür

Kurzübersicht

  • Was ist ein Magengeschwür? tiefe Wunde in der Magenschleimhaut; Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
  • Ursachen: Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori, gestörte Magenentleerung, gestörte Magensäureproduktion, bestimmte Medikamente, genetische Vorbelastung, ungünstige Lebensgewohnheiten (Stress, Alkohol etc.)
  • Symptome: Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, ggf. Teerstuhl, Blutarmut (Anämie)
  • Komplikationen: Blutung aus dem Geschwür, Magendurchbruch mit Bauchfellentzündung
  • Untersuchung: Arzt-Patient-Gespräch (Anamnese), körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung, Ultraschall, Magenspiegelung (Gastroskopie), Atemtest
  • Therapie: medikamentöse Behandlung; bei Komplikationen operativer Eingriff
  • Prognose: gut bei frühzeitiger Behandlung und magenfreundlichem Lebensstil

Magengeschwür: Symptome

Magengeschwüre gehören zu den häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen. Noch öfter tritt nur das Zwölffingerdarmgeschwür (mediz. Ulcus duodeni) auf.

Sowohl Magen- als auch Zwölffingerdarmgeschwür verursachen typischerweise drückende oder brennende Schmerzen im Oberbauch (Epigastrium = zwischen Rippenbogen und Bauchnabel). Die Beschwerden treten oft im Zusammenhang mit Essen oder Trinken auf. Allerdings haben Menschen mit einem Zwölffingerdarmgeschwür oft Schmerzen bei leerem Magen (Nüchternschmerz) und nachts. Dagegen ist eine Schmerzzunahme kurz nach dem Essen ein typisches Magengeschwür-Anzeichen.

Des Weiteren können Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen sowie Gewichtsverlust auf ein Magengeschwür hindeuten. Manche Patienten entwickeln infolge eines blutenden Magengeschwürs auch Anzeichen von Blutarmut (Anämie).

Achtung: Einige Magengeschwüre verursachen gar keine Beschwerden. Sie werden dann oft nur zufällig bei einer Untersuchung entdeckt oder machen sich erst bei Komplikationen bemerkbar.

Selten kann auch Magenkrebs ähnliche Symptome wie ein Magengeschwür auslösen. Klarheit bringt dann eine Magenspiegelung, in deren Rahmen man eine Gewebeprobe entnimmt (Biopsie) und feingeweblich (histologisch) untersuchen lässt.

Magengeschwür: Komplikationen

Bestimmte Schmerzmittel und Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac können einerseits Magengeschwüre verursachen. Andererseits können sie bei regelmäßiger Einnahme den Schmerzreiz unterdrücken, sodass Betroffene die typischen Magengeschwür-Symptome nicht bemerken. In der Folge können sich unbemerkt (schwere) Komplikationen entwickeln.

Die häufigste Komplikation bei Magengeschwüren (und Zwölffingerdarmgeschwüren) ist eine Blutung aus dem Geschwür. Ein mögliches Anzeichen dafür ist ein pechschwarz verfärbter Stuhl (Teerstuhl). Die Schwarzfärbung entsteht, wenn das Blut aus dem Geschwür durch den sauren Magensaft zersetzt wird.

Manchmal ist die Blutung aus dem Magengeschwür so gering, dass sich der Stuhl nicht verfärbt. Der anhaltende Blutverlust schlägt sich aber in einem erniedrigten Hämoglobin-Wert im Blut nieder.

Achtung: Wenn ein magengeschwür sehr stark blutet, rbricht der Betroffene unter Umständen das Blut sogar (Bluterbrechen oder Hämatemesis). Das ist lebensbedrohlich und muss sofort ärztlich behandelt werden!

Besiedelung mit Helicobacter plyori: Dieses Bakterium, dem die aggressive Magensäure nichts ausmacht, ist der Hauptauslöser für ein Magengeschwür. Bei 75 Prozent aller Patienten mit einem Magengeschwür und bei bis zu 99 Prozent aller Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür lässt sich das Bakterium nachweisen. Der Magenkeim ist aber nicht allein für ein Ulkus verantwortlich. Erst in Kombination mit anderen Risikofaktoren kann es zur Geschwürbildung kommen. Zu diesen Risikofaktoren zählen etwa die Einnahme bestimmter Medikamente und ungünstige Lebens- und Ernährungsgewohnheiten (siehe folgende Punkte).

Einnahme von bestimmten Medikamenten: Besonders anfällig für ein Magengeschwür sind Menschen, die regelmäßig schmerz- und entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID oder NSAR) einnehmen. Dazu gehören Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Diclofenac. Als besonders problematisch gilt die Kombination von Kortison (Glukokortikoiden) und nichtsteroidalen Antiphlogistika.

Ungünstige Ernährungs- und Lebensgewohnheiten: Rauchen, Alkohol und Kaffee steigern die Magensäureproduktion und erhöhen somit das Risiko für ein Magengeschwür. Auch bestimmte Lebensmittel (z. B. scharfe Speisen) können die Magenschleimhaut reizen. Was vertragen wird, ist individuell aber sehr unterschiedlich.

Genetische Vorbelastung: In manchen Familien kommen Magengeschwüre gehäuft vor. Das spricht für eine Beteiligung genetischer Faktoren bei der Geschwürbildung.

Andere Ursachen: Magengeschwüre können sehr selten auch durch Stoffwechselerkrankungen wie eine Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) oder eine Tumorerkrankung (Gastrinom; Zollinger-Ellison-Syndrom) verursacht werden. Auch nach großen Operationen, Unfällen oder Verbrennungen können Magengeschwüre entstehen. Da in diesen Situationen verschiedene „Stressreaktionen“ im Körper ablaufen, bezeichnet man ein solches Magengeschwür auch als Stressulkus. Darüber hinaus sind Menschen ab dem 65. Lebensjahr und solche mit der Blutgruppe 0 anfälliger für Magengeschwüre. Zudem kann sich bei Menschen, die bereits einmal ein solches Geschwür hatten, leicht ein neues bilden.

Magengeschwür: Behandlung und Vorbeugung

Wie Ärzte ein Magengeschwür behandeln, hängt vor allem von der Ursache ab. Eine besonders große Rolle spielt, ob beim Patienten der Magenkeim Helicobacter pylori im Magen nachgewiesen wurde. Ist dies der Fall, setzt der Arzt zur Magengeschwür-Therapie in erster Linie Antibiotika ein, um die Infektion zu beseitigen. Dazu nimmt der Betroffene täglich sieben Tage lang zwei verschiedene Antibiotika (Clarithromycin und Amoxicillin oder Metronidazol) ein. Zusätzlich wird der Arzt ein säurereduzierendes Medikament (zum Beispiel einen sogenannten „Protonenpumpenhemmer“) verordnen. Als "Magenschutz" hemmen sie die Produktion von Magensäure, sodass sich die angegriffene Schleimhaut erholen kann.

Hinweis: Die Helicobacter-Behandlung mit Antibiotika wird als „Helicobacter-pylori-Eradikationstherapie“ bezeichnet. Sie ist bei mehr als 90 Prozent der Patienten mit einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür erfolgreich. Selten sind die Erreger des Magengeschwürs allerdings resistent gegen eines der Antibiotika. Das erschwert die wirksame Magengeschwür-Therapie erheblich.

Lässt sich das Bakterium Helicobacter pylori nicht nachweisen, werden keine Antibiotika, sondern nur säurereduzierende Medikamente, vor allem „Protonenpumpenhemmer“, eingesetzt. Die Therapie ist symptomatisch. Das heißt, es werden damit lediglich die Beschwerden gelindert. Ohne die schädigende Wirkung der Magensäure heilt das Magengeschwür im Normalfall von selbst aus. Zusätzlich muss aber sichergestellt sein, dass der Betroffene magenreizende Substanzen und Nahrungsmittel (Alkohol, Kaffee, Nikotin) vollständig meidet, bis das Magengeschwür abgeheilt ist.

Neben Protonenpumpenhemmern wirken auch H2-Antihistaminika und Antazida säurereduzierend. Hier lesen Sie mehr über die Wirkung und Anwendung dieser Wirkstoffgruppen in der Magengeschwür-Behandlung:

Protonenpumpenhemmer („Magenschutz“)
Protonenpumpenhemmer blockieren ein bestimmtes Enzym in der Magenschleimhaut (H+/K+-ATPase = „Protonenpumpe“). Dieses Enzym ist sehr wichtig für die Magensäureproduktion. Durch die Hemmung des Enzyms wird die Magensäureproduktion für einen Zeitraum von etwa 24 Stunden vollkommen unterbunden. Da ein Überschuss an Magensäure ein Hauptgrund für ein Magengeschwür ist, sind Protonenpumpenhemmern ein wichtiger Bestandteil der Therapien. Sie werden üblicherweise morgens eingenommen, weil das zu blockierende Enzym vor allem morgens gebildet wird. Typische Vertreter der Protonenpumpenhemmer sind die Wirkstoffe Omeprazol und Pantoprazol.

H2-Antihistaminika
H2-Antihistaminika wie Cimetidin oder Ranitidin besetzen die Angriffsstellen von Histamin, einem wichtigen Botenstoff für die Bildung und Freisetzung der Magensäure. Da die Bildung der Magensäure hauptsächlich nachts stattfindet, sollten Antihistaminika zur Nacht eingenommen werden. In einigen Fällen ist eine zusätzliche Dosis am Tag notwendig. Im Rahmen der Magengeschwür-Behandlung kann ein H2-Antihistaminikum gegebenenfalls auch mit einem Protonenpumpenhemmer kombiniert werden.

Antazida
Sogenannte Antazida werden in der Magengeschwür-Therapie aufgrund der guten Wirksamkeit der Protonenpumpenhemmer und der H2-Antihistaminika nur noch selten eingesetzt. Sie binden die Magensäure und neutralisieren sie, hemmen aber nicht die Magensäureproduktion an sich. Ein typisches Antazidum ist der Wirkstoff Sucralfat.

Magenspiegelung

Die Magenspiegelung (Gastroskopie) dient dazu, die Diagnose „Magengeschwür“ zu sichern. Dabei hilft ein biegsamer Schlauch, an dessen vorderen Ende eine Lichtquelle und eine kleine Optik installiert sind. Dieses Endoskop wird vorsichtig über den Mund und die Speiseröhre in den Magen und bis zum Zwölffingerdarm vorgeschoben. So kann der Arzt direkt eventuelle Veränderungen der Schleimhaut begutachten.

Gewebeentnahme

Während der Magenspiegelung kann der Arzt über das Endoskop Gewebeproben (Biopsien) von verdächtigen Schleimhautstellen entnehmen. Sie werden im Labor mikroskopisch genau untersucht. Auf diese Weise lässt sich feststellen, ob es sich bei den Schleimhautveränderungen tatsächlich um ein Magengeschwür und nicht etwa um Magenkrebs handelt. Außerdem kann anhand der Gewebeproben eine Besiedelung mit dem Magenkeim Helicobacter pylori nachgewiesen werden.

13C-Atemtest

Eine weitere Methode, um eine Infektion mit Helicobacter pylori nachzuweisen, ist ein spezieller Atemtest. Der Patient trinkt dabei eine spezielle Lösung mit markiertem 13C-Harnstoff. Lebt Helicobacter-Bakterien im Magen, spalten sie den Harnstoff auf. In der Folge kann man in der ausgeatmeten Luft mit 13C-markiertes Kohlendioxid feststellen.

Magengeschwür: Krankheitsverlauf und Prognose

Wenn man ein Magengeschwür frühzeitig konsequent mit Medikamenten behandelt und einen magenfreundlichen Lebensstil pflegt, heilt das Geschwür in der Regel problemlos und ohne Komplikationen aus. Zu einem magenfreundlichen Lebensstil gehört, möglichst komplett auf Alkohol, Nikotin und Koffein zu verzichten, keine magenreizende (weil sehr heiße oder scharfe) Speisen zu verzehren und Stress weitgehend zu vermeiden.

Treten Komplikationen wie eine Blutung oder ein Magenwanddurchbruch auf, dauert die Heilung meist deutlich länger.

Magengeschwür: Vorbeugung

Sie können selbst viel tun, um einem Magengeschwür vorzubeugen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn Sie schon einmal ein magengeschwür hatten.

Achten Sie beispielsweise auf Ihre Ernährung: Meiden Sie sehr heiße sowie auch scharfe Speisen, weil diese die Magenschleimhaut reizen. Aus dem gleichen Grund sollten Sie mit Alkohol und Kaffee vorsichtig sein - bei manchen Menschen reagiert der Magen schon auf geringe Mengen der Genussmittel gereizt, wobei dann ein kompletter Verzicht ratsam ist. Andere Menschen vertragen zumindest ein gelegentliches Glas Wein oder eine Tasse Kaffee recht gut.

Zur Vorbeugung von Magengeschwüren sollten Sie zudem Stress nach Möglichkeit meiden. Sorgen Sie für regelmäßige Entspannungsphasen im Alltag, etwa in Form von Spaziergängen, Gartenarbeit, Meditation oder Yoga. Probieren Sie aus, was Sie am besten zur Ruhe kommen lässt.

Manche Menschen müssen regelmäßig Medikamente einnehmen, die den Magen schädigen und ein Magengeschwür verursachen können. Dann sollte man mit dem behandelnden Arzt sprechen, ob eventuell eine Verringerung der Dosis oder ein Umstieg auf ein besser verträgliches Präparat möglich ist.

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