Dyslexie

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Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Unter Dyslexie (Lesestörung) versteht man eine verminderte Fähigkeit zu lesen und das Gelesene zu verstehen. Das Hör- und Sehvermögen ist dabei nicht beeinträchtigt. Die Dyslexie tritt oftmals im Rahmen einer Legasthenie oder eine Lese-Rechtschreibschwäche auf. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Dyslexie.

Legasthenie: Dyslexie

Dyslexie: Beschreibung

Die Dyslexie ist eine Störung der Lesefähigkeit. Sie tritt bei etwa fünf bis 15 Prozent der Gesamtbevölkerung auf und kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Meistens wird eine Dyslexie in den ersten Schuljahren entdeckt. Genetische Faktoren scheinen die Entstehung der Leseschwäche zu begünstigen. Die Dyslexie kann aber auch nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem Schlaganfall auftreten.

Alexie

Unter Alexie versteht man den kompletten Verlust der Lesefähigkeit. Sie entsteht meist durch eine Unterbrechung jener Nervenbahnen, die für das Lesen verantwortlich sind. Der Grund dafür ist meist eine Schädigung des Gehirns durch ein Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall oder Tumoren.

Man unterscheidet zwischen einer phonologischen und einer semantischen Alexie:

  • phonologische Alexie: Bei der phonologischen Alexie können einzelne Buchstaben (Grapheme) zwar erkannt, aber nicht zu einer Wortstruktur zusammengefügt werden.
  • semantische Alexie: Menschen mit semantischer Alexie können zwar die Buchstaben lesen, aber das Gelesene nicht verstehen.

Dyslexie: Symptome

Menschen mit Dyslexie lesen sehr langsam und nicht flüssig, sondern stockend. Oft verrutschen sie in der Zeile oder vertauschen die Buchstaben. Die Betroffenen haben außerdem Probleme, das Gelesene auch zu verstehen.

Dyslexie: Ursachen

Experten unterscheiden hinsichtlich der Entstehung eine angeborene und eine erworbene Dyslexie:

der LesestörungDyslexie kann verschiedene Ursachen haben. Da sie in Familien gehäuft auftritt, geht man davon aus, dass genetische Faktoren bei der Entstehung eine sie größtenteils vererbt wird, wobei eine Veränderung auf Chromosom sechs nachgewiesen werden konnte.

Angeborene Dyslexie

Sie beruht vermutlich auf genetischen Veränderungen (Mutationen) auf dem Chromosom 6: In der Folge sind bestimmte Bereiche im Gehirn weniger aktiv als bei Menschen mit intaktem Leseverständnis. Die Betroffenen können die Buchstaben zwar lesen, aber nicht zu einem Wort zusammenfügen.

Die angeborene Dyslexie wird meist in der Grundschulzeit erkannt, wenn das Kind Probleme hat, das Lesen zu erlernen.

Erworbene Dyslexie

Die erworbene Dyslexie tritt viel häufiger auf als die angeborene Dyslexie. Sie kann entstehen, wenn die Hirnregion, die für das Lesen zuständig ist, etwa durch eine Schlaganfall oder einen Unfall geschädigt wurde. Dabei sind aber meist auch noch andere Hirnregionen betroffen. So geht die erworbene Dyslexie oft auch mit Störungen der Sprache oder der Rechtschreibung einher.

Dyslexie: Untersuchung und Diagnose

Wenn bei Ihrem Kind der Verdacht auf eine Dyslexie auftaucht, sollten Sie möglichst bald einen Kinderarzt aufsuchen. Je länger das Kind unter der Lesestörung leidet, desto eher treten Ängste und andere psychische Probleme auf, die eine Therapie erschweren.

Zunächst wird der Arzt sich mit Ihnen unterhalten, um wichtige Informationen zu erfahren. Mögliche Fragen bei diesem Gespräch sind:

  • Wie äußert sich die Probleme beim Lesen?
  • Leidet bereits ein anderes Familienmitglied an einer Dyslexie?
  • Wie hat sich Ihr Kind bisher entwickelt (Laufen, Sprechen)?
  • Wie groß ist seine Lernmotivation?
  • Hat Ihr Kind auch Probleme mit der Rechtschreibung?
  • Bestehen psychische Leiden oder andere Krankheiten beim Kind?

Untersuchungen

Der Arzt wird Ihr Kind anschließend untersuchen. Er muss nämlich einige Krankheiten ausschließen, die ebenfalls zu einer Lesestörung führen können. So kann er zum Beispiel mittels eines Seh- und Hörtests prüfen, ob die Schwierigkeiten beim Lesen durch eine Sehschwäche oder eine Hörminderung beruhen.

Außerdem wird der Arzt mithilfe von Elektroden auf der Kopfhaut die Hirnströme Ihres Kindes messen und aufzeichnen (Elektroenzephalografie, EEG). Damit lassen sich strukturelle oder funktionelle Störungen des Gehirns oft sichtbar machen.

Ein Intelligenztest soll ausschließen, dass bei Ihrem Kind eine verminderte Intelligenz das Lesen-Lernen behindert.

Dyslexie-Test

Die Lesefähigkeit kann mit einem Dyslexie-Test überprüft werden. Dabei wird das Kind gebeten, einen kleinen Text vorzulesen. Je nachdem, wie sicher das Kind den Text widergeben kann, ist der Test positiv oder negativ.

Dyslexie: Behandlung

Steht die Diagnose Dyslexie fest, sollte das soziale Umfeld des Kindes über die Lesestörung (Lehrer, Mitschüler, Verwandte, Freunde) informiert werden. Die Probleme beim Lesen üben nämlich oft einen enormen psychischen Druck auf die betroffenen Kinder aus. Viele schämen sich für die Lesestörung, haben Versagensängste und Selbstzweifel. Der Leistungsdruck in der Schule kann die Leseschwierigkeiten zusätzlich verstärken. Wenn das Umfeld mit viel Geduld und Verständnis auf die Lesestörung reagiert, kann dies das Kind erheblich entlasten und eine Stigmatisierung verhindern.

Kinder mit Dyslexie sollten in der Schule und außerhalb gezielt gefördert und unterstützt werden. Wenn sich die ersten Erfolge durch die individuelle Unterstützung einstellen, findet das Kind zu mehr Selbstbewusstsein und Freude am Lesen. Das wiederum hilft beim Lesenlernen.

Nachteilsausgleich

Bei einer bestehenden Dyslexie kann beim Kultusministerium ein sogenannter Nachteilsausgleich beantragt werden. Dieser soll die schulischen Nachteile der betroffenen Kinder ausgleichen, indem ihre Leistungen anders bewertet werden. Beispielsweise werden Leseübungen nicht oder besser benotet, um das Kind vor weiteren Enttäuschungen zu bewahren. Für einen Nachteilsausgleich ist ein ärztliches Attest notwendig, das dem Schulpsychologen vorgelegt wird.

Die meisten Kinder erleben den Nachteilsausgleich als Entlastung. Sie müssen nicht mehr vor der Klasse vorlesen oder schlechte Noten nach Hause bringen. Dies stärkt ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Die besseren Schulnoten beeinflussen zudem spätere Ausbildungsmöglichkeiten der Kinder.

Andererseits fühlen sich manche Kinder durch den Ausgleich degradiert, sodass ihre Lernmotivation sinkt.

Dyslexie: Verlauf und Prognose

Je frühzeitiger eine Dyslexie erkannt und behandelt wird, desto besser sieht die Prognose aus. Dabei ist es auch wichtig, eventuelle psychische Probleme, die begleitend auftreten, fachgerecht zu behandeln. Wenn Kinder mit Dyslexie etwa unter Schul- und Versagensängsten leiden, kann ein Besuch beim Kinderpsychologen sinnvoll sein.

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