Ösophagusvarizen

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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Ösophagusvarizen sind Krampfadern der Speiseröhre. Die erweiterten Venen treten vor allem bei fortgeschrittener Leberzirrhose auf. Auch bei anderen Erkrankungen kommen als Ursache in Frage, zum Beispiel eine Rechtsherzschwäche. Wenn Ösophagusvarizen aufbrechen und bluten, besteht Lebensgefahr! Lesen Sie alles Wichtige zu Symptomen, Behandlung und Vorbeugung von Ösophagusvarizen.

Oesophagusvarizen

Wie Ösophagusvarizen entstehen

Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) sind oft Komplikationen einer fortgeschrittenen Schrumpfleber (Leberzirrhose). Bei dieser chronischen Lebererkrankung wird funktionstüchtiges Lebergewebe zunehmend in funktionsloses Bindegewebe umgewandelt - es vernarbt. Je ausgeprägter die Vernarbung, desto stärker wird die Durchblutung in der Leber beeinträchtigt. Das kann Ösophagusvarizen und andere Komplikationen zur Folge haben. Um dies zu verstehen, muss man sich den Blutfluss durch die Leber genauer ansehen:

Die Blutzufuhr zur Leber erfolgt unter anderem über die Pfortader. Dieses große Gefäß transportiert das Blut aus dem Darm (mit den aufgenommenen Nähstoffen) sowie aus anderen Bauchorganen (Magen, Milz etc.) zur Leber. Sie fungiert als das zentrale Stoffwechselorgan, in dem laufend unzählige Stoffe auf-, um- und abgebaut sowie schädliche Substanzen entgiftet werden. Nach Durchströmen der Leber fließt das Blut über die Lebervenen in die untere Hohlvene und weiter zum rechten Herzen.

Bei Leberzirrhose bewirkt aber die zunehmende Vernarbung des Gewebes, dass das Blut nicht mehr richtig durch die Leber strömen kann. Es staut sich vor der Leber in der Pfortader. Dadurch steigt der Druck im Inneren des Gefäßes krankhaft an: Es entwickelt sich ein Pfortaderhochdruck (portale Hypertension).

Das gestaute Blut sucht sich einen anderen Weg zur unteren Hohlvene, das heißt, es bilden sich Umgehungskreisläufe. Einer davon verläuft von der Pfortader über Magenvenen in die unteren Speiseröhrenvenen und erreicht auf diesem Weg die untere Hohlvene. Weil die Venen der Speiseröhre aber sehr dünnwandig sind, können sie dem gesteigerten Blutfluss nicht standhalten: Sie erweitern sich und „leiern aus“ – es entstehen Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizen).

Achtung: Es gibt auch andere Erkrankungen, die einen Pfortaderhochdruck und in weiterer Folge Ösophagusvarizen verursachen können. Dazu zählen eine Rechtsherzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz) sowie eine Verstopfung der Pfortader durch ein Blutgerinnsel (Pfortaderthrombose).

Neben solchen Ösophagusvarizen, die durch andere Erkrankungen verursacht haben, gibt es auch primäre Ösophagusvarizen: Diese beruhen nicht auf einer anderen Erkrankung, sondern auf einer angeborenen Missbildung der Gefäße. Sie sind aber sehr selten.

Blutung aus Ösophagusvarizen

Der gesteigerte Blutfluss kann die Wand der Speiseröhrenvenen mit der Zeit so stark ausdünnen, dass sie platzen. Mediziner sprechen dann von einer Ösophagusvarizenblutung. Eine solche Blutung ist lebensbedrohlich und kann innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen!

Ösophagusvarizenblutungen treten bei 30 Prozent aller Patienten mit Leberzirrhose auf und zählen zu den häufigsten Todesursachen bei dieser Krankheit. Je weiter die Zirrhose fortgeschritten ist, desto eher sterben Patienten an einer Ösophagusvarizen-Blutung.

Das höchste Risiko für eine Ösophagusvarizen-Blutung haben Patienten, die:

  • bereits eine Ösophagusvarizen-Blutung hatten
  • weiterhin Alkohol trinken (Hauptursache der Leberzirrhose)
  • sehr große Ösophagusvarizen haben

Ösophagusvarizen: Symptome

Ösophagusvarizen bereiten meist keine Beschwerden, solange sie intakt sind. Die Betroffenen selbst bemerken sie also gar nicht.

Erst wenn Ösophagusvarizen reißen, machen sie sich schlagartig bemerkbar: Die Patienten erbrechen dann plötzlich und schwallartig eine große Menge Blut. Aufgrund des Blut- und Flüssigkeitsverlust stellen sich zudem schnell Symptome eines hypovolämischen Schocks ein. Dazu zählen zum Beispiel kühle und blasse Haut, Blutdruckabfall, Herzrasen bis hin zu flacher Atmung und Bewusstseinsstörungen.

Achtung: Eine Ösophagusvarizen-Blutung muss schnellstmöglich ärztlich versorgt werden - es besteht höchste Lebensgefahr!

Ösophagusvarizen: Diagnose

Ösophagusvarizen lassen sich bei einer Endoskopie nachweisen, genauer gesagt bei einer Spiegelung der Speiseröhre (Östrophagoskopie) oder auch einer Magenspiegelung (Gastroskopie). Dabei wird ein dünner Schlauch über den Mund in die Speiseröhre (bei einer Gastroskopie noch weiter bis in den Magen) eingeführt. An seinem vorderen Ende sitzen eine Lichtquelle und kleine Kamera. Diese nimmt laufend Bilder vom Inneren der Speiseröhre auf und überspielt sie auf einen Monitor. Ösophagusvarizen lassen sich auf den Bildern meist recht schnell erkennen.

Erbricht ein Patient Blut, liegt der Verdacht einer Ösophagusvarizen-Blutung nahe. Es kann sich aber auch um eine andere Blutungsquelle im oberen Verdauungstrakt handeln. Dazu zählen zum Beispiel Magengeschwüre (Ulcera) und eine Magenschleimhautentzündung mit Schäden an der Schleimhaut (erosive Gastritis).

Ösophagusvarizen: Therapie

Wenn Ösophagusvarizen bei einer Endoskopie entdeckt werden, kann der Arzt sie vorsorglich veröden. Eine andere Methode, das Risiko einer Ösophagusvarizen-Blutung zu senken, ist die sogenannte Gummibandligatur (Varizen-Ligatur): Dabei wird die erweitere Vene mit einem kleinen Gummiband oder mit mehreren Gummibändern abgebunden. In der Folge vernarbt sie und kann nicht mehr bluten.

Beide Maßnahmen sind im Rahmen der Endoskopie möglich: Über den dünnen Schlauch kann der Arzt die benötigten feinen Instrumente in die Speiseröhre einführen.

Ösophagusvarizen-Blutung: Therapie

Tritt eine Ösophagusvarizen-Blutung auf, muss schnell gehandelt werden: Wichtigste Notfallmaßnahme ist, den Kreislauf des Patienten zu stabilisieren. Bei einer gerissenen Speiseröhrenvene gehen nämlich in sehr kurzer Zeit viel Blut und Flüssigkeit verloren. Deshalb werden dem Patienten Flüssigkeit direkt in eine Vene und bei Bedarf auch Bluttransfusionen verabreicht.

Parallel dazu versucht man, die Blutung zu stillen. Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:

In erster Linie wendet man dafür die endoskopische Gummibandligatur (Varizenligatur; wie oben beschrieben) an. Zusätzlich oder alternativ kann der Arzt Medikamente zur Blutstillung verabreichen wie etwa Somatostatin oder Terlipressin. Sie senken den Blutdruck im Pfortadersystem.

Manchmal wird bei einer Ösophagusvarizen-Blutung auch das betroffene Gefäß verödet (im Rahmen einer Endoskopie).

Bei massiven Blutungen kann auch eine sogenannte Ballontamponade helfen: Dabei wird ein kleiner, leeren Ballon in die untere Speiseröhre eingeführt und dann aufgeblasen. Dadurch werden die Blutgefäße zusammengepresst, was die Blutung stoppt. Die Methode birgt aber einige Risiko. Wenn zum Beispiel der Ballon zu stark aufgeblasen wird, kann die Speiseröhre einreißen. Der Ballon kann auch in Richtung Kopf verrutschen und die Atemwege blockieren. Aufgrund dieser Risiken wird die Ballontamponade meist nur bei starken, unkontrollierbaren Ösophagusvarizen-Blutungen durchgeführt.

Im weiteren Verlauf erhalten die Patienten oft vorsorglich Antibiotika, um eine mögliche bakterielle Infektion zu verhindern.

Da eine Ösophagusvarizen-Blutung meist bei Leberzirrhose auftritt, muss man auch der Gefahr eines Leberkomas vorbeugen. Normalerweise wird das Blut, das nach der Blutung in den Magen-Darm-Trakt läuft, mithilfe der Leberzellen abgebaut. Durch die Leberzirrhose ist die Leber aber dazu nicht mehr ausreichend in der Lage. Deshalb können sich giftige Stoffwechselprodukte ansammeln. Gelangen sie über das Blut in den Kopf, können sie das Gehirn schädigen (hepatischen Enzephalopathie). Deshalb muss das Blut, das noch in der Speiseröhre vorhanden ist, abgesaugt werden. Außerdem erhält der Patient Laktulose - ein leichtes Abführmittel, um den Darm zu reinigen.

Vorbeugung einer erneuten Blutung

Innerhalb von zehn Tagen nach einer ersten Ösophagusvarizen-Blutung reißt bei ungefähr 35 Prozent der Patienten erneut eine Krampfader in der Speiseröhre. Innerhalb eines Jahres nach der ersten Blutung trifft das sogar auf 70 Prozent der Patienten zu.

Die sogenannte Sekundärprophylaxe ist deshalb sehr wichtig. Sie umfasst Maßnahmen, die einer erneuten Ösophagusvarizen-Blutung vorbeugen sollen. So erhalten viele Patienten ein blutdrucksenkendes Medikament (etwa Propanolol) gegen den Pfortaderblutdruck. Manchmal wird vorsorglich auch eine Varizen-Ligatur durchgeführt.

In bestimmten Fällen kann es zudem sinnvoll, einen sogenannten "Shunt" (TIPS) zu legen. Das heißt: Es wird operativ eine Verbindung zwischen Pfortader und Lebervenen hergestellt, die das vernarbte Gewebe der Leber umgeht. So verhindert man, dass das Blut einen Umweg über die Speiseröhrenvenen nimmt und neue Ösophagusvarizen verursacht oder bestehende vergrößert.

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