FSME

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Fabian Dupont

Fabian Dupont ist freier Autor in der e-happiness-Medizinredaktion. Der Humanmediziner ist bereits für wissenschaftliche Arbeiten unter anderem Belgien, Spanien, Ruanda, die USA, Großbritannien, Südafrika, Neuseeland und die Schweiz. Schwerpunkt seiner Doktorarbeit ist die Tropen-Neurologie, sein besonderes Interesse gilt aber der internationalen Gesundheitswissenschaft (public health) und der verständlichen Vermittlung medizinischer Sachverhalte.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine Form der Hirnhaut- beziehungsweise Gehirnentzündung. Auslöser ist das FSME-Virus, das durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen wird. Meist heilt die FSME folgenlos aus. Mehr als 40 Prozent der Patienten brauchen aber längerfristige Rehabilitationsmaßnahmen, etwa aufgrund anhaltender Lähmungen. In manchen Fällen endet die Infektion tödlich. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema: Was ist FSME? Wo liegen die FSME-Gebiete? An welchen Symptomen erkennt man die Erkrankung? Wie wird FSME diagnostiziert und behandelt?

fsme

Kurzübersicht

  • Was ist FSME? FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Das ist eine virusbedingte akute Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) und eventuell auch des Gehirns (Enzephalitis) und des Rückenmarks (Myelitis).
  • Symptome: Meist keine Symptome oder nur grippeähnliche Beschwerden. In den übrigen Fällen hängt es von der Ausbreitung der Entzündung im zentralen Nervensystem ab, welche Symptome FSME verursacht. Möglich sind Fieber, Kopfschmerzen, Nackenstarre und Lichtscheu, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, neurologische Ausfallserscheinungen wie Schluck- und Sprechstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle etc.
  • Diagnose: Arzt-Patient-Gepräch (Anamnese), Blutuntersuchungen, Entnahme und Analyse einer Nervenwasserprobe (Liquorpunktion), evtl. Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT)
  • Behandlung: nur symptomatisch möglich, etwa mit schmerzstillenden und krampflösenden Mittelns. Bei neurologischen Symptomen wie Bewegungsstörungen oder Lähmungen evtl. Krankengymnastik, Ergotherapie oder Logopädie. In schweren Fällen Behandlung auf der Intensivtstation.
  • Prognose: FSME heilt meist folgenlos aus. Je ausgedehnter aber die Entzündung im zentralen Nervensystem, desto eher kommt es zu schweren Verläufen und lang anhaltenden Beschwerden (wie Lähmungen). Letztere können auch lebenslang bestehen bleiben. An einer FSME mit Befall des Nervensystems stirbt etwa einer von Hundert Patienten.

FSME: Beschreibung

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine akute Entzündung der Hirnhäute und oftmals auch zusätzlich des Gehirns und des Rückenmarks. Sie wird vom FSME-Virus ausgelöst. In Deutschland übertragen fast immer Zecken FSME. Daher wird die Erkrankung auch Zeckenenzephalitis genannt. Selten erfolgt die Übertragung durch virusinfizierte Rohmilch von Ziegen, Schafen und - extrem selten - Kühen. Eine FSME-Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

FSME: Selten, aber gefährlich

Nicht jeder Zeckenstich (umgangssprachlich: Zeckenbiss) führt zu einer FSME-Infektion und nicht jede Infektion zur Erkrankung: In den Risikogebieten Deutschlands tragen nur etwa 0,1 bis fünf Prozent der Zecken das FSME-Virus in sich. Wenn solche infizierten Zecken Menschen stechen und dabei das Virus übertragen, entwickelt nur bis zu einem Drittel der Betroffenen tatsächlich eine Frühsommer-Meningoenzephalitis. Bei den meisten Infizierten zeigen sich keinerlei Symptome.

Allerdings sollte man bedenken, dass die Erkrankung schwerwiegend verlaufen und sogar tödlich enden kann: Der Heilungsprozess kann sich über Monate hinziehen. Manchmal bleiben dauerhafte neurologische Einschränkungen (wie Konzentrationsprobleme) zurück. Bei etwa einem von Hundert Patienten führt der FSME-Befall des Nervensystems zum Tod.

FSME: Häufigkeit

Im Jahr 2017 wurden in Deutschland über 450 FSME-Erkrankungen registriert. Die Fallzahlen sind von Jahr zu Jahr aber recht unterschiedlich. So wurden beispielsweise im Jahr 2012 weniger als 200 FSME-Erkrankungen gemeldet, während es 2006 mehr als 540 waren.

Hauptsächlich infizieren sich Menschen bei Freizeitaktivitäten in der Natur mit FSME, beispielsweise beim Zelten oder Wandern. Die meisten Erkrankungen beobachtet man im Frühjahr und Sommer.

Kinder bekommen häufiger Zeckenstiche als Erwachsene und sind deshalb generell gefährdeter, an FSME zu erkranken. Bei ihnen verläuft die Infektion in der Regel aber mild und heilt ohne bleibende Schäden aus.

Nicht verwechseln mit Borreliose

Die FSME darf nicht verwechselt werden mit einer anderen durch Zecken übertragenen Erkrankung: der Lyme-Borreliose. Dabei handelt es sich um eine durch Bakterien (Borrelien) ausgelöste Erkrankung. Sie kommt bundesweit vor und ist viel häufiger als FSME: Bis zu 30 Prozent der Zecken in Deutschland tragen den Borreliose-Erreger in sich (die Durchseuchung kann kleinräumig aber sehr stark schwanken). Bei rechtzeitiger Diagnose ist die Borreliose gut heilbar.

FSME: Symptome

Wurden bei einem Zeckenstich FSME-Viren übertragen, dauert es einige Zeit, bis die ersten Symptome auftreten: Der Erreger muss sich erst im Körper ausbreiten und das Gehirn erreichen. Im Schnitt vergehen zwischen der Ansteckung (Zeckenstich) und dem Ausbruch der Erkrankung ein bis zwei Wochen. Diese Zeitspanne wird FSME-Inkubationszeit genannt. In Einzelfällen dauert es auch bis zu 28 Tage, bis die Frühsommer-Meningoenzephalitis ausbricht.

Zweiphasiger Krankheitsverlauf

Die FSME verläuft bei den meisten Patienten in zwei Phasen:

Die ersten Anzeichen von FSME sind grippeähnliche Symptome wie ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Gelegentlich treten auch Bauchschmerzen auf. Die Beschwerden werden oft als Erkältung oder Grippe abgetan. Nach etwa einer Woche klingen die Beschwerden ab, und das Fieber sinkt wieder.

Bei einem kleinen Teil der Patienten kommt es nach wenigen Tagen zu einem erneuten Fieberanstieg. Er markiert den Beginn der zweiten Krankheitsphase. Diese äußert sich wie folgt:

  • Bei ungefähr 50 Prozent der Patienten entwickelt sich eine isolierte Hirnhautentzündung (Meningitis).
  • Bei etwa 40 Prozent der Patienten gesellt sich zur Hirnhautentzündung eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) dazu. Mediziner sprechen dann von einer Meningoenzephalitis.
  • Bei etwa zehn Prozent der Patienten entzündet sich zusätzlich auch noch das Rückenmark. Dann handelt es sich um eine Meningoenzephalomyelitis.
  • Ganz selten beschränkt sich die Entzündung bei einer FSME auf das Rückenmark allein (Myelitis) oder auf Nervenwurzeln, die am Rückenmark entspringen (Radikulitis).

Hinweis: Bei 70 bis 95 Prozent aller FSME-Infizierten zeigen sich keinerlei Symptome (asymptomatische Infektion) oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus.

Die genauen FSME-Symptome im zweiten Stadium hängen von der Ausbreitung der Entzündung ab :

FSME-Symptome bei isolierter Meningitis

Bei einer reinen Hirnhautentzündung (Meningitis) unterscheiden sich die Symptome der FSME nicht wesentlich von denen anderer viraler Hirnhautentzündungen. Allerdings sind sie oft stärker ausgeprägt: Die Patienten beklagen ein stark eingeschränktes Allgemeinbefinden sowie Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Diagnostisch relevant sind besonders die Nackenstarre und die damit auftretende Lichtscheu. Es handelt sich dabei um typische Anzeichen einer Hirnhautentzündung. Auch kann die FSME Symptome wie Schwindel, Erbrechen und Übelkeit hervorrufen.

FSME-Symptome bei Meningoenzephalitis

Ist zusätzlich zu den Hirnhäuten auch das Gehirn von der Entzündung betroffen (Meningoenzephalitis), zeigen sich weitere FSME-Symptome: Im Vordergrund stehen eine Störung der Bewegungskoordination (Ataxie), Bewusstseinsstörungen sowie Lähmungen der Arme, Beine und Hirnnerven. Letzteres kann zum Beispiel Hör-, Schluck- oder Sprachstörungen verursachen. Darüber hinaus kann die Entzündung des Gehirns auch Krampfanfälle hervorrufen.

FSME-Symptome bei Meningoenzephalomyelitis

Die schwersten FSME-Symptome können bei der Meningoenzephalomyelitis auftreten, also bei der gleichzeitigen Entzündung von Hirnhäuten, Gehirn und Rückenmark. Das Rückenmark stellt die Verbindung zwischen Gehirn und dem Rest des Körpers dar. Kommt es hier zu einer Entzündung, können die Folgen daher oft am ganzen Körper beobachtet werden:

In der Regel treten schlaffe Lähmungen in den Armen und Beinen auf. Meist kommt es auch zu Schluck- und Sprechstörungen sowie Lähmungen der Gesichts- und Halsmuskulatur. Zu den gefüchtetsten FSME-Symptomen bei diesem Krankheitsverlauf gehört die Atemlähmung. Sie kann zum Tod führen!

FSME-Symptome bei Kindern

Bei Kindern und Jugendlichen verläuft eine FSME meist nur mit unspezifischen Beschwerden, die denen eines grippalen Infekts ähneln. Schwere FSME-Symptome sind seltener als bei Erwachsenen. Die Erkrankung heilt bei den jungen Patienten meist ohne Folgeschäden aus.

Folgeschäden einer FSME

In den meisten Fällen heilt eine FSME ohne Folgen aus. Manche Patienten leiden aber noch Wochen oder Monate an Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Krampfanfällen oder Lähmungen. Oft sind diese Beschwerden nur vorübergehend. Sie können aber auch dauerhaft bestehen bleiben.

Schwere Krankheitsverläufe und bleibende Schäden einer FSME kommen besonders bei älteren Erwachsenen vor. Bei Kindern werden sie so gut wie nie beobachtet.

Doppelinfektion: FSME plus Borreliose

Selten werden bei einem Zeckenstich gleichzeitig FSME-Viren und Borreliose-Bakterien übertragen. Eine solche Doppelinfektion verläuft meist schwerwiegend. Die Betroffenen können bleibende neurologische Schäden davontragen.

Impfung gegen FSME

Es gibt einen Impfstoff gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Dabei handelt es sich um einen Totimpfstoff: Er besteht aus inaktivierten Erregern, die keine Erkrankung mehr auslösen können. Dennoch regen sie das Immunsystem zur Bildung spezifischer Antikörper gegen FSME-Viren an. Diese beugen dann längerfristig einer "echten" FSME-Infektion vor.

Um diesen Impfschutz (Grundimmunisierung) aufzubauen, sind drei Impfungen nötig: Die zweite Impfdosis wird ein bis drei Monate nach der ersten verabreicht. Die dritte Impfdosis wird je nach Präparat nach weiteren fünf bis zwölf beziehungsweise neun bis zwölf Monaten gegeben. Drei Jahre nach der Grundimmunisierung sollte man die FSME-Impfung mit einer einmaligen Dosis auffrischen lassen. Die weiteren Auffrischimpfungen sollten im Fünf-Jahres-Abstand erfolgen (Bei Menschen ab 50 bis 60 Jahren auch schon im Drei-Jahres-Abstand).

Experten empfehlen die FSME-Impfung zum einenallen Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben (siehe unten), sowie bestimmten Berufsgruppen (Förster, Jäger etc.). Zum anderen ist die Impfung auch sinnvoll für Reisende in FSME-Gebiete, wenn die Möglichkeit einer FSME-Ansteckung besteht (etwa bei geplanten Wandertouren).

Mehr über die Wirkung und Nebenwirkungen der Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis erfahren Sie im Beitrag FSME-Impfung.

FSME-Gebiete

In Deutschland kommt FSME vor allem in Bayern und Baden-Württemberg vor, aber auch im südlichen Hessen (Odenwald) sowie im südöstlichen Thüringen. Weitere FSME-Risikogebiete sind zum Beispiel Saar-Pfalz-Kreis (im Saarland), Birkenfeld (in Rheinland-Pfalz) und Vogtlandkreis (in Sachsen). Außerhalb dieser Gebiete kommt es in Deutschland nur ganz vereinzelt zu Fällen von Frühsommer-Meningoenzephaltis.

Weitere Regionen, in denen man sich mit FSME anstecken kann, sind zum Beispiel Österreich, die nördliche Schweiz, Norditalien, Ungarn, Südschweden und Kroatien. Außerdem sind von Nordost-Europa bis nach Japan Viren verbreitet, die mit den FSME-Viren nahe verwandt sind. Sie lösen ein ähnliches Krankheitsbild wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis aus (RSSE = Russian-Spring-Summer-Encephalitis).

Mehr über die Verbreitung der FSME-Viren im In- und Ausland erfahren Sie im Beitrag FSME-Gebiete.

FSME: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache der Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Infektion mit dem FSME-Virus. Es gehört zu den sogenannten Flaviviren wie zum Beispiel auch die Erreger vom Dengue-Fieber, von der Japanischen Enzephalitis und vom Gelbfieber. Im Gegensatz zu diesen Tropenkrankheiten ist FSME in Deutschland heimisch.

FSME: Ansteckungswege

FSME wird hauptsächlich durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Zecken sind Parasiten, die sich vom Blut eines Wirtsorganismus ernähren. Sie leben vor allem in Wald- und Wiesengebieten bis auf eine Meereshöhe von ungefähr 1.500 Metern. Dabei bevorzugen sie warme und feuchte Stellen. Besonders gerne halten sich Zecken in hohem Gras und Unterholz auf: Erwachsene Zecken tummeln sich meist in einer Höhe von 30 bis 60 Zentimetern über dem Boden; selten finden sie sich in bis zu 1,5 Metern Höhe.

Die Zecken können sich den FSME-Erreger "einfangen", wenn sie an infizierten Wildtieren (vor allem kleinen Nagetieren wie Mäusen) Blut saugen. Die Tiere tragen den Erreger in sich, ohne an FSME zu erkranken. Sticht nun eine infizierte Zecke bei der nächsten Blutmahlzeit einen Menschen, kann sie mit ihrem Speichel den FSME-Virus in die menschliche Blutbahn einbringen.

Ganz selten erfolgt die FSME-Übertragung durch virusverseuchte Rohmilch von Ziehen und Schafen (seltener Kühen) sowie daraus hergestellten Rohmilchprodukten. Dieser Übertragungsweg stellt besonders in Osteuropa ein Ansteckungsrisiko dar, in Deutschland gilt er als Rarität.

Hinweis: Eine direkte Übertragung von FSME von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Deshalb sind Infizierte beziehungsweise Erkrankte nicht ansteckend!



FSME-Risikofaktoren

Ein erhöhtes Risiko für FSME haben alle Menschen, die in einem FSME-Risikogebiet viel im Freien unterwegs sind - etwa in der Freizeit (z.B. beim Wandern) oder beruflich (Jäger, Förster, Waldarbeiter etc.). Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion allerdings gering, da - wie oben erwähnt - nur ein kleiner Teil der Zecken in Risikogebieten den FSME-Erreger in sich trägt. So traten bislang in den ausgewiesenen FSME-Gebieten in fünf Jahren nur bis zu 40 FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner auf.

Wie schwerwiegend eine Infektion im Einzelfall verläuft, lässt sich nicht vorhersagen. In den meisten Fällen ruft eine FSME-Infektion keine oder nur milde Symptome hervor. Selten kommt es zu schweren Verläufen. Die Betroffenen sind fast ausschließlich Erwachsene. Das Alter spielt hierbei eine wichtige Rolle: Je älter ein Patient ist, desto häufiger nimmt die FSME einen schweren Verlauf und desto öfter hinterlässt sie bleibende Schäden.

FSME: Untersuchungen und Diagnose

Zunächst wird der Arzt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten führen, um dessen Krankengeschichte zu erheben (Anamnese): Dabei lässt er sich die auftretenden beschwerden genau schildern. Außerdem erkundigt sich der Arzt nach Aufenthalten in einem FSME-Risikogebiet und möglichen Zeckenstichen in den vorhergehenden Wochen. Allerdings haben viele Patienten den Zeckenstich bereits vergessen oder gar nicht bemerkt. Der Speichel einer Zecke enthält nämlich unter anderem betäubende Substanzen, sodass viele Menschen den Zeckenstich nicht spüren. Für den Arzt bedeutet das: Auch wenn sich der Patient an keinen Zeckenstich erinnern kann, schließt das eine FSME noch lange nicht aus.

Nach dem Anamnesegespräch stehen Blutuntersuchungen an: Bei einer FSME sind verschiedene Entzündungsparameter erhöht (Anzahl der Leukozyten, Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP). Außerdem wird nach spezifischen Antikörpern gegen FSME-Viren im Blut gesucht. Normalerweise sind bei einer Infektion etwa zwei bis vier Wochen nach dem Zeckenstich spezifische IgM (Immunglobulin M) nachweisbar. Etwa ein bis zwei Wochen später finden sich auch spezifische IgG-Antikörper (Immunglobulin G) im Blut des Patienten.

Hinweis: Die Diagnose FSME steht fest, wenn sowohl spezifische IgM als auch IgG im Blut nachweisbar sind, der Patient die entsprechenden Krankheitssymptome zeigt und nicht gegen FSME geimpft ist.

In seltenen Fällen werden bei einer FSME-Infektion keine spezifischen IgM gebildet, etwa bei geschwächtem oder medikamentös unterdrücktem Immunsystem. Die Diagnose stützt sich dann auf andere Parameter: Der signifikante Anstieg an spezifischen IgG-Antikörpern liefert schon einen deutlichen Hinweis auf die Infektion. Zudem kann der Arzt eine Probe der Gehirn-/Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) entnehmen (Liquorpunktion). Sie wird im Labor auf spezifische Antikörper und Spuren des Erbguts der FSME-Viren hin untersucht. Das Virenerbgut ist allerdings nur während der ersten Krankheitsphase im Liquor nachweisbar. Später kann nur noch die Antwort des Immunsystems auf die Erreger - in Form spzifischer Antikörper - gemessen werden.

In manchen Fällen wird der Arzt zusätzlich detaillierte Bilder des Gehirns mittels Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) anfertigen. Das ist vor allem hilfreich, um eine Gehirnentzündung durch FSME-Viren von einer Gehirnentzündung durch Herpes simplex-Viren abzugrenzen.

Untersuchung toter Zecken?

Es gibt Firmen, die eingesendete Zecken auf FSME-Viren (oder andere Krankheitserreger) untersuchen. Die Idee dahinter: Wer eine saugende Zecke am eigenen Körper entdeckt, kann sie entfernen und zur Analyse einsenden. Falls sich Krankheitssymptome entwickeln, soll das Testergebnis den Arzt bei der Diagnose unterstützen. Das macht aber aus drei Gründen wenig Sinn:

  1. Selbst wenn die Zecke mit FSME-Viren infiziert ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie die Erreger auf den Patienten übertragen hat.
  2. Die Methoden zum Nachweis von FSME-Viren (und anderen Erregern) in Zecken sind unterschiedlich empfindlich. Trotz negativem Testergebnis (keine FSME-Viren in der Zecke nachweisbar), kann die Zecke also trotzdem infiziert sein und die Viren üb ertragen haben.
  3. Auch wenn die vorliegende Zecke tatsächlich keine FSME-Viren in sich trägt - vielleicht wurde der Patient unbemerkt noch von einer anderen Zecke gestochen, die aber sehr wohl infiiziert war.

FSME: Behandlung

Es gibt keine ursächliche (kausale) FSME-Behandlung, also keine Therapie, die gezielt gegen das FSME-Virus im Körper vorgeht. Man kann nur den Körper in seinem Kampf gegen den Erreger unterstützen. Dabei geht es darum, die FSME-Symptome zu lindern und Langzeitschäden möglichst vorzubeugen.

So sollten FSME-Patienten Bettruhe einhalten. Löst die FSME Krampfanfälle aus, verschreibt der Arzt krampflösende Mittel. Gegen heftige Kopfschmerzen helfen Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol oder Metamizol. Diese Mittel wirken gleichzeitig fiebersenkend. Allerdings wird eine generelle Fiebersenkung nicht empfohlen. Die deutlich erhöhte Temperatur hilft dem Körper nämlich, die FSME-Erreger zu bekämpfen.

Hinweis: Bei sehr hartnäckigen Kopfschmerzen erhalten FSME-Patienten manchmal Opiate. Das sind stark wirksame Schmerzmittel, die aber abhängig machen können. Sie werden deshalb nur, wenn unbedingt notwendig, und sehr kontrolliert eingesetzt.

neurologischen Störungen wie Bewegungs- oder Sprechstörungen kann eine Krankengymnastik, Ergotherapie oder Logopädie sinnvoll sein.

Bei einer schweren FSME (etwa mit Bewusstseinsstörungen oder Atemlähmung), müssen Patienten auf der Intensivstation behandelt werden.

FSME: Krankheitsverlauf und Prognose

In den meisten Fällen verläuft eine FSME ohne Komplikationen und heilt vollständig aus. Das gilt besonders, wenn die Infektion eine reine Hirnhautentzündung (Meningitis) verursacht.

Ist zusätzlich das Gehirn entzündet (Meningoenzephalitis), leiden viele Betroffene noch über Wochen an Beschwerden wie Kopfschmerzen, vermehrte Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit und emotionale Labilität. Außerdem können Gedächtnis-, Konzentrations- und Koordinationsstörungen, Sprach- und Sprechstörungen sowie Lähmungen bestehen. Oft heilen diese Beschwerden vollständig aus, wenn auch teilweise erst nach Monaten oder wenigen Jahren. Bei ein bis zwei von zehn FSME-Patienten hinterlässt die Meningoenzephalitis allerdings bleibende Schäden.

Hinweis: Etwa drei Jahre nach einer Hirnhaut- und Gehirnentzündung infolge FSME ist nicht mehr damit zu rechnen, dass sich bestehende Beschwerden noch wesentlich bessern.

Die schlechteste Prognose hat eine FSME, die Gehirn, Hirnhäute und Rückenmark gleichermaßen betrifft (Meningoenzephalomyelitis): In einer Untersuchung wurden 57 Patienten über zehn Jahre nach der Erkrankung nachbeobachtet. Nur bei 20 Prozent heilte die Frühsommer-Meningoenzephalitis vollständig aus. Etwa 50 Prozent der Patienten trugen bleibende neurologische Ausfälle davon. Rund 30 Prozent starben an den Folgen der Erkrankung.

Insgesamt liegt das Sterberisiko bei einer Frühsommer-Meningoenzephalitis bei ungefähr einem Prozent.

Lebenslange Immunität?

Experten gehen davon aus, dass Menschen nach einer überstandenen FSME immun gegen den Erreger sind, also nicht ein zweites Mal an FSME erkranken können. Allerdings weiß man nicht, ob dieser Immunschutz lebenslang anhält. Wer weiterhin einem FSME-Ansteckungsrisiko ausgesetzt ist, sollte den Immunschutz deshalb jeweils nach drei bis fünf Jahre mit einer FSME-Impfung auffrischen lassen.

FSME: Vorbeugung

Ein wirksamer Schutz gegen FSME ist die oben erwähnte FSME-Impfung. Man kann aber noch mehr tun, um einer Infektion vorzubeugen - und zwar indem man Zeckenstiche möglichst vermeidet. Dazu sollten Sie folgende Ratschläge beherzigen:

  • Tragen Sie beim Aufenthalt in Wäldern, Gebüsch und hohem Gras geschlossene Schuhe, lange Hosen und lange Ärmel. Stecken Sie die Hosenbeine in die Socken, dann muss eine Zecke gegebenfalls außen an der Kleidung herumkrabbeln - dort fällt sie Ihnen leichter ins Auge. Aus dem gleichen Grund ist helle Kleidung sinnvoll.
  • Verwenden Sie vor dem Aufenthalt in Wald und Wiesen ein Zeckenschutzmittel (Repellent) auf Ihrer Haut auf. Beachten Sie aber, dass es nur eine zeitlich begrenzte Wirkung hat und keinen 100-prozentigen Schutz bietet.
  • Berühren Sie keine wilden Tiere wie Mäuse oder Igel. Diese haben oft Zecken!
  • Nach einem Aufenthalt im Freien sollten Sie die Kleidung und Ihre ganze Haut nach Zecken absuchen. Die Blutsauger bevorzugen weiche warme Körperstellen. Deshalb findet man sie oft in den Kniekehlen oder Leisten, unter den Achseln, im Bauchnabel, in der Ellenbeuge, im Genitalbereich, hinter den Ohren sowie am Kopf und Haaransatz.

Zecken richtig entfernen

Wenn Sie eine saugende Zecke auf der Haut entdecken, sollten Sie sie möglichst schnell entfernen. Verwenden Sie dazu eine Pinzette oder ein spezielles Instrument zur Zeckenentfernung. haben Sie weder das eine noch das andere zur Hand, sollten Sie den Blutsauger trotzdem schnellstens entfernen, beispielsweise mit den Fingernägeln.

Fassen Sie die Zecke im Kopfbereich und möglichst nah über der Haut und ziehen Sie sie vorsichtig und gerade heraus. Vermeiden Sie, das Tier zu drehen oder zu quetschen! Sonst kann sie ihren Speichel mit den Krankheitserregern in die Wunde abgeben. Aus dem gleichen Grund sollten Sie saugende Zecken nie mit Öl oder Klebstoff übergießen!

Nach dem Entfernen der Zecke sollten Sie die kleine Wunde sorgfältig desinfizieren.

Achten Sie in den folgenden Tagen und Wochen auf mögliche Anzeichen einer FSME (oder Borreliose). Wenn sich solche zeigen, sollte Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

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