Leben mit Diabetes

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen ansehen

Das Leben mit Diabetes verlangt von den Patienten manche Anpassungen. Spontan in den Urlaub zu fahren oder ungeplant ein Glas Wein zu trinken, ist oft nicht so ohne weiteres möglich. Wenn Diabetiker aber manche Ratschläge beherzigen und gewisse Vorbereitungen treffen, können auch sie den Alltag fast ohne Einschränkungen genießen. Erfahren Sie hier alles Wichtige rund um das Leben mit Diabetes und was Sie dabei beachten müssen.

Leben mit Diabetes

Reisen mit Diabetes

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt Ihr Reiseziel, besonders wenn Sie eine Fernreise planen. Es empfiehlt sich auch Adressen von deutschsprachigen Ärzten im Reiseland zur Hand zu haben. Für Diabetiker, die sich auch im Urlaub eine kontinuierliche medizinische Betreuung wünschen, haben inzwischen viele Reiseveranstalter entsprechende Angebote.

Informieren Sie sich vor Reiseantritt über das Klima und die aktuellen Temperaturen in Ihrem Urlaubsland. Packen Sie entsprechend passende Kleidung ein: Sie sollte locker, bequem und aus Naturfasern sein.

Achten Sie auf eine sorgfältige Auswahl Ihrer Schuhe und Strümpfe, um Scheuerwunden und Blasen zu vermeiden. Bevorzugen Sie bequeme Schuhe ohne Nähte. Wählen Sie für Ihre Strümpfe Baumwollmaterial, das den Schweiß besser aufnimmt. Inspizieren Sie Ihre Füße jeden Abend auf Verletzungen und Druckstellen.

Wichtige Dokumente und Unterlagen

Besorgen Sie sich den "Gesundheits-Pass Diabetes" (herausgegeben von der Deutschen Diabetes Gesellschaft, DDG), falls Sie nicht schon haben, und nehmen Sie ihn mit auf die Reise. Bei Reisen ins fremdsprachige Ausland empfiehlt sich ein internationaler Diabetiker-Pass in mehreren Sprachen beziehungsweise einer in der Landessprache des Reiseziels. Sehr sinnvoll ist auch ein internationaler Diabetiker-Notfall-Ausweis. Er ist zum Beispiel als Download auf der Homepage des Diabetesinformationsdienstes München (www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de) verfügbar.

Diabetiker benötigen außerdem ein ärztliches Attest, welches das Mitführen von Medikamenten, Insulinspritzen, Pens, Stechlanzetten, Glukagon-Set usw. medizinisch begründet. Dieses Attest sollte der behandelnde Arzt ausfüllen - je nach Reisziel am besten auch in anderen Sprachen (wie Englisch).

Vergessen Sie auch nicht Ihren Impfausweis!

Medikamente und Zubehör für die Diabetes-Therapie

Rechnen Sie sich vor Reiseantritt aus, welche Menge an Diabetes-Medikamenten (blutzuckersenkende Tabletten, Insulin) Sie für den ganzen Urlaub brauchen (oder fragen Sie dazu Ihren Arzt). Nehmen Sie dann am besten das Doppelte davon mit - falls Sie etwas verlieren oder sich der Aufenthalt unvorhergesehen verlängert.

Berücksichtigen Sie auch, dass Sie die Dosis der Diabetes-Medikamente gegebenenfalls an Ihre Urlaubsaktivitäten anpassen müssen. Vielleicht sind Sie aktiver und bewegen sich mehr als zu Hause (Muskelarbeit senkt den Insulinbedarf). Oder aber Sie entspannen die meiste Zeit nur am Strand (weniger Muskelarbeit – der Insulinbedarf steigt). Testen Sie deshalb während der Reise Ihren Blutzucker häufiger. Besprechen Sie vor Reiseantritt mit Ihrem Arzt eventuell nötige Dosisanpassungen. Das gilt auch für nötige Dosisanpassungen bei größeren Zeitverschiebungen (siehe unten: Flugreisen).

Stellen Sie Ihre Diabetiker-Arzneimittel in einem Medikamentenplan zusammen, auf dem auch Wirkstoffnamen und Dosierungen notiert sind (oder bitten Sie Ihren Arzt darum). Mithilfe der Wirkstoffnamen erhalten Sie im Notfall auch im Ausland die richtigen Medikamente. Besser ist aber, sich nehmen sich ausreichend Medikamente von zuhause mit (siehen unten).

Denken Sie beim Packen auch an wichtiges Zubehör für die Diabetes-Therapie wie zum Beispiel:

  • Blutzucker-Messgerät (inklusive Ersatzbatterien), evtl. Reservegerät
  • Blutzucker-Teststreifen
  • Blutzucker-Tagebuch
  • Aceton-Teststreifen
  • Stechhilfe und Lanzetten
  • Insulinspritzen, Insulinpumpe mit Kanülen bzw. Pumpenzubehör (plus Ersatzbatterien)
  • Glukagon-Notfall-Set (bei Neigung zu schweren Unterzuckerungen)
  • Blutdruckmessgerät (für Diabetiker mit Bluthochdruck)

Außerdem sollten Sie immer Traubenzucker bei sich haben (auch wenn Sie nicht auf Reisen sind). Er ist eine schnelle Hilfe bei Unterzucker. Auch glukosehaltige Säfte in Reichweite sind praktisch.

Achten Sie während der gesamten Reise auf die richtige Aufbewahrung der Medikamente. Das gilt besonders für Insulin. Es sollte jederzeit möglichst zwischen +2 Grad und +8 Grad Celsius (Gemüsefach im Kühlschrank) gelagert werden. Zum Schutz vor größerer Wärme können Sie das Insulin zum Beispiel in Styropor, in einer Kühltasche oder in einer Thermoskanne aufbewahren, die Sie zuvor mit kaltem Wasser ausgespült haben. Gerade im Gebrauch befindliche Insulinfläschchen/-patronen können Sie bis zu vier Wochen lang unbedenklich bei Zimmertemperatur aufbewahren. Setzen Sie sie aber keinesfalls starker Hitze oder direkter Sonneneinstrahlung aus. Zum Schutz gegen Kälte (etwa beim Wintersport) sollten Sie das Insulin nahe am Körper tragen, etwa in einer Gürteltasche unter dem Pullover.

Auch einige andere Inhalte der Reiseapotheke sind temperaturempfindlich. Schützen Sie etwa Ihr Blutzuckermessgerät und die Teststreifen vor großen Temperaturschwankungen und auch vor hoher Luftfeuchtigkeit. Die Reaktion der Teststreifen ist an eine bestimmte Temperatur gebunden.

Übrigens: In Ihre Reiseapotheke gehören natürlich auch die üblichen Präparate und Utensilien, die für Reisen empfohlen werden. Dazu gehören zum Beispiel Präparate gegen Magen-Darm-Probleme (wie Reisekrankheit, Durchfall, Verstopfung), Pflaster und Kompressen, Desinfektionsmittel etc. Ihr Arzt kann Sie bei der Zusammenstellung der Reiseapotheke beraten.

Flugreisen

Die Diabetes-Medikamente gehören ins Handgepäck: Zum einen brauchen Sie sie während der Reise, zum anderen könnte das aufgegebene Gepäck verloren gehen. Außerdem kann die Temperatur im Frachtraum des Fliegers so stark absinken, dass zum Beispiel das Insulin gefriert - dann ist es nicht mehr verwendbar! Auch täglich benötigtes Zubehör wie etwa Blutzuckermessgerät, Insulinpumpe, Stechlanzetten etc. gehören ins Handgepäck. Diese sowie die Medikamente dürfen Sie mit einem ärztlichen Attest mit an Bord nehmen.

Erkundigen Sie sich aber vorab bei Ihrer Fluggesellschaft über eventuelle Vorgaben und Einschränkungen. Oftmals muss der Insulin-Pen an Bord den Flugbegleitern zur Aufbewahrung gegeben werden. Sobald Sie ihn aber brauchen, bekommen Sie ihn selbstverständlich ausgehändigt.

Nehmen Sie in das Flugzeug genügend eigenes Essen und Getränke (vor allem mit Kohlenhydraten) mit. Dann vermeiden Sie Unterzuckerungen, falls etwa aufgrund von Turbulenzen kein Essen ausgegeben werden kann oder der Flug länger dauert als geplant und dann nichts mehr serviert wird.

Bei Flügen über mehrere Zeitzonen sollten Sie vorab mit Ihrem Arzt besprechen, inwiefern Sie Ihre Medikation anpassen müssen. Das gilt besonders für die Insulintherapie. Hier gelten einige allgemeine Empfehlungen:

  • Während des Fluges und danach sollte alle zwei bis drei Stunden der Blutzucker gemessen werden.
  • Manchmal kann es sicherer sein, den Blutzuckerspeigel etwas höher einzustellen als normalerweise, um Unterzucker zu vermeiden.
  • Bei Zeitverschiebungen von bis zu vier Stunden (in beide Richtungen) erfordern im Allgemeinen keine wesentlichen Anpassungen der Insulintherapie.
  • Flüge nach Westen: Vor dem Flug eine normale Insulindosis. Während des Fluges eventuell schnell wirkendes Insulin (etwa bei hohem Blutzucker, vermehrter Kohlenhydratzufuhr etc.). Nach der Ankunft Insulininjektionen zur gewohnten Zeit (neue Zeitzone!).
  • Flüge nach Osten: Vor dem Flug eine verringerte Insulindosis. Während des Fluges Insulindosierung je nach gemessenem Blutzuckerwert. Nach der Ankungt Insulininjektionen zur gewohnten Zeit (neue Zeitzone!).

Diese Empfehlungen sind nur allgemeiner Natur. Ihr Arzt kann Ihnen abweichende Tipps gehen, angepasst an den persönlichen Gesundheitszustand.

Ernährung

Heutzutage müssen sich viele Diabetiker bei der Wahl des Urlaubsortes erfreulicherweise nicht mehr am Essensangebot orientieren - die intensivierte Insulintherapie (ICT) ist inzwischen weit verbreitet. Typ-2-Diabetiker, die mit Tabletten eingestellt sind, haben ebenfalls mehr Spielraum gewonnen – mit Medikamenten, die schnell zu den Mahlzeiten wirken.

Starre Essensregeln im Urlaub gibt es nur für Diabetiker, die noch eine konventionelle Insulintherapie mit fest definierten Insulindosierungen durchführen.

Diabetiker sollten sich schon vor Reisebeginn über die landestypischen Nahrungsmittel und ihren Kohlenhydratgehalt informieren - sofern das möglich ist. Nehmen Sie sicherheitshalber eine BE-Tabelle mit und messen Sie öfters ihren Blutzucker, besonders bei unklaren Speisen.

Trinken Sie ausreichend! Im Allgemeinen werden etwa 1,5 bis zwei Liter alkoholfreie Flüssigkeit am Tag empfohlen. In wärmeren Ländern sollten Sie sogar drei bis vier Liter alkoholfreie Flüssigkeit zu sich nehmen (Ausnahme: herzkranke und nierenkranke Diabetiker!).

Für Alkohol gilt auf Reisen das Gleiche wie zuhause (siehe unten): Konsumieren Sie ihn immer nur in Maßen und am besten nie auf leeren Magen, sondern zusammen mit einem kohlenhydrathaltigen Lebensmittel. So vermeiden Sie Unterzuckerungen.

Impfschutz und Malariaprophylaxe

Prüfen Sie Ihren Impfschutz, vor allem gegen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung. Je nach Reiseland können noch weitere Impfungen sinnvoll oder sogar vorgeschrieben sein (wie Gelbfieber-Impfung, Typhus-Impfung etc.). Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Arzt oder einem Tropenmediziner beraten. Kümmern Sie sich rechtzeitig vor Reiseantritt darum, denn für manche Impfungen braucht es einen gewissen zeitlichen Vorlauf.

Der Arzt oder Tropenmediziner kann Sie auch über eine eventuell notwendige medikamentöse Malariaprophylaxe informieren.

Diabetes und Alkohol

Alkohol ist ein Zellgift, das verschiedene Organe des Körpers angreift, die möglicherweise schon durch einen Diabetes mellitus vorgeschädigt sind. Zudem sind Diabetiker, deren Leber gerade mit der Alkohol-Entgiftung beschäftigt ist, akut der Gefahr einer Unterzuckerung ausgesetzt. Für Zuckerkranke ist es daher besonders wichtig, die Wirkung von Alkohol im Körper zu kennen.

Unterzuckerung

Normalerweise gibt die Leber ständig kleine Zuckermengen ins Blut ab, um Gehirn und Muskeln mit Energie zu versorgen. Alkohol hemmt diese Zuckerfreigabe. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. In Kombination mit Diabetes-Medikamenten kann es so leicht zu einem Unterzucker kommen (Hypoglykämie). Als Gegenmaßnahme würde der Körper dann eigentlich das Hormon Glukagon freisetzen. Es setzt den in der Leber gespeicherten Zucker frei. Doch auch das wird vom Alkohol verhindert.

Alkoholkonsum kann also bei Diabetikern einen deutlichen Unterzucker auslösen - auch noch mehrere Stunden danach, weil die Alkoholwirkung lange anhält. Wenn ein starker Blutzuckerabfall während des Schlafes passiert, kann es für den Diabetiker sogar lebensbedrohlich werden.

Übergewicht

Ein Gramm Alkohol hat fast genauso viele Kilokalorien wie ein Gramm Fett. Gerade Diabetiker sollten die „Kalorienbombe“ Alkohol deshalb nur mit Vorsicht genießen. Denn Übergewicht senkt die Insulinempfindlichkeit der Zellen und steigert den Insulinbedarf des Körpers. Besonders Diabetiker, die bereits Übergewicht haben, sollten am besten ganz auf Alkohol verzichten.

Nervensystem

Alkohol und Diabetes sind die beiden Hauptursachen für Schädigungen der Nervenbahnen (periphere Polyneuropathie). Wenn beide Faktoren zusammentreffen, werden die Nerven also doppelt geschädigt. Die Schädigung betrifft meistens die Nervenbahnen der Füße und verursacht häufig ein diabetisches Fußsyndrom.

Impotenz

Alkohol beeinflusst die Potenz. Auch Diabetes mellitus kann über Gefäß- und Nervenschädigungen zur Impotenz führen. Diabetiker, die an sexuellen Störungen leiden, sollten daher besser auf Alkohol verzichten.

Herz

Alkohol im Übermaß schädigt das Herz in mehrerer Hinsicht. Beispielsweise kann regelmäßiger Alkoholgenuss zu Bluthochdruck führen. Dieser schädigt die Gefäße und erhöht damit das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen (wie Herzinfarkt und Schlaganfall). Das Gleiche gilt für Fettstoffwechselstörungen, die ebenfalls durch Alkohol begünstigt werden. Außerdem kann Alkohol Herzrhythmusstörungen auslösen und die Herzmuskelzellen schädigen, sodass eine Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie) entsteht.

Auch Diabetes mellitus gefährdet die Herzgesundheit. Gefäßschäden durch zu hohen Blutzucker können die Durchblutung des Herzmuskels beeinträchtigen. Die möglichen Folgen sind Koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzinfarkt.

Noch stärker gefährdet ist das Herz, wenn Alkohol und Diabetes in Kombination auftreten.

Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) reagiert besonders empfindlich auf Alkohol. Er ist die Hauptursache für eine Entzündung des Organs (Pankreatitis). Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung ist lebensbedrohlich. Ist sie chronisch, verläuft sie in Entzündungsschüben und kann zum Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse führen. Das ist fatal, da nur dieses Organ Insulin herstellen kann.

Diabetiker mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse sollten deshalb keinen Alkohol konsumieren. Dies gilt in noch größerem Maße für Diabetiker, die erst aufgrund einer akuten oder chronischen Pankreatitis insulinpflichtig wurden.

Da die Bauchspeicheldrüse auch wichtige Verdauungssäfte herstellt, führt eine Schädigung des Organs zu schwerwiegenden Verdauungsstörungen und Vitaminmangel.

Leber

Alkohol und eine Verfettung der Leber, die bei übergewichtigen Diabetikern sehr häufig auftritt, führen gemeinsam zum Vernarben und schließlich zu einem Funktionsverlust der Leber. Man spricht hier von einer "Fettleber-Zirrhose". Alkohol und Diabetes wirken auch hier ungünstig zusammen.

Medikamente

Viele Medikamente werden über die Leber verstoffwechselt. Ist die Leber nicht voll funktionsfähig, reichern sich manche Medikamente im Körper an und verursachen unerwünschte Nebenwirkungen. Umgekehrt werden manche Medikamente durch den Alkoholabbau schneller ausgeschieden und erzielen nicht mehr die erwünschte Wirkung. Dies sollte bei einem medikamenten- oder insulinpflichtigen Diabetes mellitus besonders beachtet werden.

Alkoholkonsum in Maßen

Diabetiker dürfen Alkohol trinken, sollten aber einige Regeln beachten. Vor allem Typ-2-Diabetiker sollten nicht regelmäßig Alkohol trinken.

  • Konsumieren Sie Alkohol immer zusammen mit kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittel. Der blutzuckersenkende Effekt des Alkohols kann so durch die Kohlenhydrate ausgeglichen oder zumindest abgemildert werden. Das reduziert das Risiko für eine Unterzuckerung.
  • Das Risiko für Unterzucker kann sich verschärfen, wenn zum Alkoholkonsum noch weitere blutzuckersenkende Faktoren hinzukommen. Das sind zum Beispiel Sport, Tanzen oder längerer Verzicht auf Nahrung.
  • Spritzen Sie für den Genuss von harte Alkoholika (wie Schnaps, Wodka), Wein und eventuell auch Bier kein zusätzliches Insulin. Wenn Sie süße Cocktails, Glühwein & Co. trinken möchten,kann eine Extradosis Insulin eventuell sinnvoll sein. Besprechen Sie dies im Vorfeld mit Ihrem Arzt!
  • Trinken Sie keine größeren Mengen alkoholfreie Biere. Sie enthalten zwar kaum Alkohol (unter 0,5 Prozent), aber viel Malzzucker und somit ungünstige Kohlenhydrate.
  • Kontrollieren Sie Ihren Blutzucker häufiger, während Sie Alkohol trinken sowie in den Stunden danach. EInen Unterzuckerung kann noch zehn bis 20 Stunden nach dem Alkoholkonsum auftreten! Informieren Sie zur Sicherheit Angehörige und Freunde über die mögliche Hypoglykämie-Gefahr.
  • Wer fest schläft, bemerkt einen Alkohol-bedingten Blutzuckerabfall nicht. Deshalb kann es eventuell sinnvoll sein, vor dem Hinlegen Kohlenhydrate zu essen, die den Blutzucker langsam erhöhen (wie Vollkornprodukte, Kartoffeln). Auf alle Fälle sollten Sie vor dem Schlafengehen Ihren Blutzucker kontrollieren!

Verzichten Sie auf Alkohol, wenn Sie schwanger sind, unter einer diabetischen Nervenschädigung (Diabetische Nephropathie) leiden oder bereits Probleme mit der Leber oder Bauchspeicheldrüse haben. Auch bei Störungen des Fettstoffwechsels (wie erhöhte Cholesterinwerte) und Neigung zu Unterzuckerung wird ein völliger Alkoholverzicht empfohlen.

Diabetes und Schwangerschaft

Eine Diabetikerin kann wie jede andere Frau gesunde Kinder zur Welt bringen – vorausgesetzt, sie wird bereits vor der Schwangerschaft und auch währenddessen laufend ärztlich betreut. Ist der Diabetes während der Schwangerschaft nicht optimal eingestellt, kann dies für das heranreifende Kind und die werdende Mutter gefährlich werden.

Was können Sie selbst tun?

Mindestens drei Monate vor Eintritt einer (geplanten) Schwangerschaft sollte ein HbA1c-Wert angestrebt werden, der idealerweise unter 6,5 Prozent (mindestens aber unter 7, 0 Prozent) liegt.

Vor jeder Mahlzeit und jeweils ein bis zwei Stunden danach sollten schwangere Diabetikerinnen den Blutzucker messen. Diese Messwerte sollten für eine gesunde Entwicklung des Kindes in einem bestimmten Bereich liegen - ebenso wie die Messungen vor dem Schlafengehen und nachts. Folgende Zielwerte werden empfohlen:

Zeitpunkt der Messung

Blutzucker in mg/dl

Blutzucker in mmol/l

nüchtern/vor dem Essen

65 bis 95

3,6 bis 5,3

1 Stunde nach dem Essen

< 140

< 7,7

2 Stunden nach dem Essen

< 120

< 6,6

vor dem Schlafengehen

90 bis 120

5,0 bis 6,6

nachts (2 bis 4 Uhr)

> 65

> 3,6

mittlere Blutglukose (MBG)

90 bis 110

5,0 bis 6,1

Besonders bei instabilem Typ-1-Diabetes sind häufige Blutzuckerkontrollen sehr wichtig.

Alle Frauen (auch Nicht-Diabetikerinnen) sollten auf eine ausreichende Versorgung mit Folsäure achten. Das beugt kindlichen Fehlbildungen (wie "offener Rücken") vor. Mindestens vier Wochen vor der (geplanten) Schwangerschaft und bis zum Abschluss der 12. Schwangerschaftswoche wird die tägliche Einnahme von 0,4 bis 0,8 Milligramm Folat empfohlen. Zusätzlich sollten sich Schwangere folatreich ernähren (mit grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten etc.).

Auch eine ausreichende Versorgung mit Jod ist sehr wichtig für die Gesundheit von Mutter und Kind. Schwangere Diabetikerinnen sollten deshalb vorbeugend ein Präparat mit mindestens 200 Mikrogramm Jodid pro Tag einnehmen. Außerdem werden eine jodreiche Ernährung und die Verwendung von jodiertem Speisesalz empfohlen.

Schwangeren Diabetikerinnen werden zusätzliche Ultraschall-Untersuchungen angeraten, um etwa mögliche Wachstumsstörungen beim Kind frühzeitig zu erkennen.

Folgeerkrankungen des Diabetes sollten Sie bereits vor der Schwangerschaft abklären und gegebenenfalls ärztlich behandeln lassen (zum Beispiel eine DIabetische Nephropathie). Eine sehr häufige Komplikation bei schwangeren Diabetikerinnen ist eine Netzhauterkrankung (Diabetische Retinopathie). Wenn die Augen noch in Ordnung sind, sollten Diabetikerinnen vor einer (geplanten) Schwangerschaft, sofort nach Eintritt der Schwangerschaft und danach alle drei Monate bis zur Geburt zum Augenarzt gehen. Bestehen bereits Veränderungen an der Netzhaut kann der Arzt mit der Diabetikerin häufigere Kontrolluntersuchungen vereinbaren.

Allgemeine Tipps, die jeder Schwangeren (auch Nicht-Diabetikerinnen) empfohlen werden, sind:

  • Rauchen Sie nicht. Vermeiden Sie auch Passivrauchen.
  • Verzichten Sie vollständig auf Alkohol.
  • Nehmen Sie jegliche Medikamente (auch pflanzliche Präparate) nur, wenn unbedingt notwendig und auf ärztlichen Rat ein.Besprechen Sie auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln vorab mit Ihrem Arzt.

ICT oder Insulinpumpe?

Prinzipiell sind beide Therapien gleichwertig. Patientinnen können unter einer intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) vergleichbar gut wie bei einer Insulinpumpen-Therapie eingestellt werden.

Der Insulinbedarf ändert sich während der Schwangerschaft. Ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel steigt er kontinuierlich an (um 50 bis 100 Prozent bis zur Geburt). Das gilt besonders bei Typ-2-Diabetikerinnen mit starkem Übergewicht (Adipositas). Mit Beginn der Geburt sinkt der Insulinbedarf dagegen oft drastisch ab. Das macht eine erneute Anpassung der Insulin-Therapie nötig. Während der Schwangerschaft und nach der Entbindung muss der Blutzucker deshalb häufiger gemessen werden als gewöhnlich. Von ihrem Arzt erfahren Diabetikerinnen, ob und wie sie ihre Insulindosierungen anpassen müssen.

Welche Risiken gibt es?

Eine Schwangerschaft bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes gilt generell als Risikoschwangerschaft. Bei sorgfältiger ärztlicher Begleitung und guter Stoffwechseleinstellung lässt sich das Risiko für Komplikationen verringern.

Wichtige Komplikationen und Risiken bei Mutter und Kind sind zum Beispiel:

  • Im 1. Schwangerschaftsdrittel haben Diabetikerinnen ein erhöhtes Risiko für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie).
  • Das Risiko einer frühen Fehlgeburt (Frühabort) ist bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikerinnen erhöht. Es hängt von der Stoffwechseleinstellung vor der Empfängnis ab (höheres Risiko bei schlecht eingestelltem Blutzucker).
  • Das Risiko für kindliche Fehlbildungen ist bei Diabetikerinnen erhöht, ebenfalls in Abhängigkeit von der Stoffwechseleinstellung vor der Empfängnis. Im Schnitt ist es rund viermal so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung und liegt damit bei knapp neun Prozent. Am häufigsten treten Fehlbildungen am Herzen und an herznahen Gefäßen, Neuralrohrdefekte (wie "offener Rücken") und mehrfache (multiple) Fehlbildungen auf.
  • Das Kind im Mutterleib kann ungewöhnlich groß werden (Makrosomie), was Probleme bei der vaginalen Geburt verursachen kann. Oft ist dann ein Kaiserschnitt nötig.
  • Auch bei ungewöhnlicher Größe (Makrosomie) sind Neugeborene von Diabetikerinnen oft "unreif", was die Entwicklung einzelner Organe betrifft. Das gilt besonders für die Lunge.
  • Es besteht die Gefahr einer Unterzuckerung des Kindes direkt nach der Geburt. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen beim Kind innerhalb der ersten Tage und eventuell Glukosegaben verringern jedoch meist schwerwiegende Gesundheitsfolgen für das Baby.
  • Schwangere Diabetikerinnen sind anfälliger für Infektionen der Geschlechts- und Harnwege. Solche Urogenitalinfektionen können das Frühgeburtsrisiko steigern.
  • Mütterlicher Bluthochdruck kann sich erst während der Schwangerschaft entwickeln oder schon vorher bestehen. Wenn die werdende Mutter zusäzzlich Eiweiß mit dem Urin ausscheidet (Proteinurie) und Wasseransammlungen (Ödeme) hat, liegt eine Präeklampsie ("Schwangerschaftsvergiftung") vor. Sie kann für Mutter und Kind lgefährlich werden (mögliche Komplikationen Eklampsie, HELLP-Syndrom).
  • Eine bestehende diabetische Netzhauterkrankung (Diabetische Retinopathie) kann sich während der Schwangerschaft verschlechtern (meist im 3. Trimester).
  • Eine leichte diabetische Nierenerkrankung (Diabetische Nephropathie) kann das Risiko für Präeklampsie und Fehlgeburt erhöhen. Eine fortgeschrittene Nephropathie birgt hohe Risiko für das Ungeborene/Neugeborene (Frühgeburt, Totgeburt, verzögertes Wachstum, psychomotorische Entwicklungsverzögerungen im Kindesalter).

Sowohl bei Typ-1- als auch Typ-2-Diabetikerinnen muss die Entbindung in einem Perinatalzentrum mit mindestens Level 2 geplant werden. Dort ist die Entbindungsstation direkt mit einer Neugeborenen-Intensivpflegestation (mindestens vier Bettchen) verbunden. Als werdende Mutter sollte Sie spätestens bis zur 36. Schwangerschaftswoche in dem Perinatalzentrum vorstellig werden.

4,7 / 5 24 Bewertungen – Ihre Bewertung
adulttorrent.org

www.adulttorrent.org

steroid.in.ua