Diabetes - Ernährung

Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Die richtige Diabetes-Ernährung hängt teils von der Form der Zuckerkrankheit ab: Typ-1-Diabetiker können sich grundsätzlich ähnlich ernähren wie Nicht-Diabetiker. Typ-2-Diabetiker aber sollten meist ihre Gesamtenergiezufuhr reduzieren, weil sie meistens übergewichtig sind. Wichtig bei beiden Diabetes-Formen ist, dass die Energiezufuhr und die verwertbare Insulinmenge optimal aufeinander abgestimmt sind. Erfahren Sie hier, worauf Sie bei der Diabetes-Ernährung achten sollten.

Diabetes: Ernährung

Richtige Ernährung bei Diabetes Typ 1

Patienten mit Typ-1-Diabetes müssen als Erstes lernen, den Kohlenhydratanteil einer geplanten Mahlzeit richtig einzuschätzen. Nur dann können sie sich die richtige Menge an Insulin spritzen, die zur Nährstoffverwertung nötig ist. Wird nämlich vor einer Mahlzeit zu wenig Insulin gespritzt, kann es zu einer Überzuckerung (Hyperglykämie) kommen. Ist die Insulindosis zu hoch, sinkt der Blutzucker zu stark ab - ein Unterzucker (Hypoglykämie) droht. Sowohl Über- als auch Unterzucker können gefährlich werden.

Die richtige Insulindosis hängt von der Art und Menge der zugeführten Kohlenhydrate ab. So enthalten zum Beispiel Vollkornprodukte mehr langkettige oder komplexe Kohlenhydrate, für die weniger hohe Insulinspiegel benötigt werden als für die schneller im Blut auftauchenden kurzkettigen Kohlenhydrate. Letztere stecken zum Beispiel in Weißmehlprodukten und Süßigkeiten.

Um den Anteil an verwertbaren Kohlenhydraten in einem Lebensmittel leichter abschätzen zu können, wurde der Begriff Kohlenhydrateinheit (KHE) eingeführt. 1 KHE entspricht 10 Gramm verwertbaren Kohlenhydraten und lässt den Blutzucker um 30 bis 40 mg/dl ansteigen. Vor allem früher wurden anstelle von Kohlenhydrateinheiten die sogenannten Broteinheiten (BE) verwendet. Hier gilt: 1 BE entspricht 12 Gramm Kohlenhydraten.

Übrigens: Jedem Patienten wird nach der Diagnose eine Diabetes-Schulung und individuelle Ernährungsberatung empfohlen. Dort wird neben anderen Inhalten alles Wichtige rund um die richtige Diabetes-Ernährung vermittelt.

Tipps für die Diabetes-Typ-2-Ernährung

Beim Diabetes mellitus Typ 2 sprechen die Körperzellen nur vermindert auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin an. Diese Insulinresistenz wird durch Übergewicht begünstigt. Das bedeutet: Die richtige Diabetes-Ernährung bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern hat eine Gewichtsabnahme zum Ziel. Regelmäßige körperliche Aktivität hilft, dieses Ziel zu erreichen. Gelingt es, die überschüssigen Kilos abzubauen, kann sich auch die Insulinresistenz verringern. So kann die vorhandene Insulinmenge wieder besser wirken.

Die Diabetes mellitus-Ernährung bei Übergewicht sollte also kalorienreduziert sein. Wie viele Kalorien pro Tag "erlaubt" sind, erfahren Patienten von ihrem Ernährungsberater. Unabhängig vom Gewicht sollte nämlich jeder Diabetiker nach der Diagnose an einer Diabetes-Schulung teilnehmen und eine individuelle Ernährungsberatung erhalten (so wie Typ-1-Diabetiker).

Was dürfen oder sollen Diabetiker essen?

Zunächst einmal: Das Essen für Diabetiker sollte (wie generell für alle Menschen) ausgewogen, abwechslungsreich und vollwertig sein. Es soll ausreichende Mengen an Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Fette und Proteine) sowie Vitaminen und Mineralstoffen liefern. Wie die ideale prozentuale Zusammensetzung der Ernährung aus den drei Hauptnährstoffen aussieht, wird unter Experten diskutiert. Allgemein gelten folgende Empfehlungen für eine gesunde Ernährung:

  • 45 bis 60 Prozent Kohlenhydrate
  • 30 bis 35 Prozent Fett
  • 10 bis 20 Prozent Proteine (Eiweiße)
  • 40 Gramm Ballaststoffe
  • maximal 6 Gramm Kochsalz
  • maximal 50 Gramm reiner Zucker (Glukose, Saccharose)

Der Ernährungsberater wird jedem Patienten passende Empfehlungen geben, die von den oben stehenden Angaben abweichen kann. Er muss nämlich beim Ernährungsplan für Diabetiker unter anderem das Alter, das Körpergewicht und eventuelle Begleit- und Folgeerkrankungen des Patienten (wie Übergewicht, Nierenschäden, hohe Blutfettwerte etc.) berücksichtigen.

Fast noch wichtiger als der genaue Prozentanteil der verschiedenen Makronährstoffe ist deren Art und Quelle. So sind zum Beispiel Vollkornprodukte günstiger als Weißmehlprodukte, und pflanzliche Fette gesünder als tierische.

Diabetes-Ernährung: Kohlenhydrate

Als Kohlenhydrate werden zu mehr oder weniger langen Ketten verknüpfte Zuckermoleküle bezeichnet. Sie sind sehr wichtige Energielieferanten für den menschlichen Organismus, vor allem für Muskeln und Gehirn. Ein Gramm Kohlenhydrate hat etwa vier Kilokalorien.

Man unterscheidet zwischen kurz- und langkettigen Kohlenhydraten. Kurzkettige Kohlenhydrate, wie man sie etwa in Weißbrot und Süßigkeiten findet, lassen den Blutzucker sehr schnell und deutlich ansteigen und stillen zudem nur kurzfristig den Heißhunger auf Zucker. Langkettige (komplexe) Kohlenhydrate dagegen müssen zuerst im Darm aufgespalten werden, bevor sie in die Blutbahn gelangen können. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel nach ihrem Verzehr langsamer und weniger stark an. Komplexe Kohlenhydrate stecken zum Beispiel in Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten.

Die Art der Kohlenhydratquelle hat also direkte Auswirkungen auf den Insulinbedarf. Denn hohe Blutzuckerspiegel, wie sie durch Weißmehlprodukte, Schokolade, süße Limonade etc. entstehen, erfordern kurzfristig höhere Insulinmengen, um die Schwankungen auszugleichen. Dadurch steigt das Risiko, dass der Blutzuckerwert außer Kontrolle gerät:

Bei Typ-1-Diabetikern kann das passieren, wenn die Dosis oder der Zeitpunkt der Insulininjektion nicht exakt zur Kohlenhydratzufuhr passt. Bei Typ-2-Diabetikern, deren Körper noch einen Rest an Insulin produziert, dauert es länger, bis der viele Zucker in die Zellen eingeschleust werden kann (länger andauernde Hyperglykämie).

Diabetes-Patienten sollten daher ihren Kohlenhydratbedarf so weit wie möglich über langkettige Kohlenhydrate abdecken, wie sie etwa in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten stecken.

Diabetes-Ernährung: Fett

Die ideale Ernährung bevorzugt solche Nahrungsfette, die viele einfach oder mehrfach ungesätigte Fettsäuren enthalten. Das trifft in erster Linie auf pflanzliche Fette und Öle zu. Zu empfehlen sind deshalb zum Beispiel kalt gepresste Pflanzenöle wie Rapsöl, Leinöl, Olivenöl oder Walnussöl. Fisch gilt in der Diabetes-Ernährung (und auch für Nicht-Diabetiker) ebenfalls als gesunde Fettquelle. Denn er enthält im Unterschied zu anderen tierischen Fettquellen viele gesunde Fettsäuren.

Da Diabetes das Risiko für Arteriosklerose („Arterienverkalkung“) drastisch erhöht, sollte im Ernährungsplan für Diabetiker die Cholesterinzufuhr begrenzt werden. Cholesterin ist in allen tierischen Erzeugnissen (Milch, Butter, Sahne, Eier, Fleisch, etc.) enthalten. Diese Produkte sollten deshalb sparsam konsumiert werden. Außerdem sind regelmäßige Blutkontrollen beim Hausarzt sinnvoll, da ein erhöhter Cholesterinwert nur über eine Blutuntersuchung entdeckt werden kann.

Diabetes-Ernährung: Proteine

Etwa 10 bis 20 Prozent der täglichen Energiebedarfs sollten durch Proteine (Eiweiße) abgedeckt werden. Diese Empfehlung gilt, sofern ein Diabetes-Patient keine Anzeichen von Nierenschäden (Diabetische Nephropathie) aufweist. Wenn allerdings eine Nierenschwäche besteht, sollte man am Tag maximal 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen.

Besonders empfehlenswerte Eiweißlieferanten sind Hülsenfrüchte (wie Erbsen, Linsen oder Bohnen), Fisch und fettarmes Fleisch.

Diabetes und Alkohol

Die Kombination Alkohol und Diabetes ist problematisch: Der Alkohol blockiert für mehrere Stunden die Zuckerneubildung (Glukoneogenese) in der Leber. Diese Neubildung ist jedoch in der Berechnung der erforderlichen Insulinmengen einkalkuliert. Diabetes-Patienten sollten Alkohol deshalb nur maßvoll und immer in Kombination mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit konsumieren. So lassen sich Unterzuckerungen (Hypoglykämien) vermeiden.

Alkohol ist bei übergewichtigen Diabetikern noch aus einem anderen Grund ungünstig: Ein Gramm Alkohol hat mit etwa 7,2 Kilokalorien pro Gramm einen ähnlich hohen Brennwert wie Fett. Damit ist er eine echte Kalorienbombe. Übergewicht steigert aber über die zunehmende Insulinresistenz der Zellen den Insulinbedarf des Körpers und hat einen negativen Einfluss auf den Diabetes.

Alkohol kann außerdem zu Nervenschädigungen (Polyneuropathien) führen. Eine bereits bestehende diabetische Polyneuropathie kann sich durch Alkoholkonsum verschlimmern.

Süßigkeiten für Diabetiker

Für Diabetiker gilt wie für Gesunde auch: Süßigkeiten sollten nur gelegentlich verzehrt werden. Dabei ist unbedingt auch auf die versteckten Zucker in Lebensmitteln und Fertigprodukten zu achten. So werden etwa Ketchup, Fruchtjoghurt und Müsli nicht primär als Süßigkeiten eingestuft, obwohl sie ost sehr viel Zucker enthalten. Dieser muss in der Diabetes-Ernährung mit berücksichtigt werden.

Ein besonderes Problem bei vielen Süßwaren ist die Kombination aus Zucker und Fett: Der Körper kann Zucker und Fett nicht gleichzeitig verstoffwechseln. Erst wird daher der Zucker in Energie umgewandelt und verbrannt, während das Fett im Gewebe gespeichert wird und Übergewicht begünstigt.

Mittlerweile finden sich im Handel viele "süße" Spezialprodukte für Zuckerkranke, zum Beispiel Diabetiker-Schokolade oder Diabetiker-Eis. Experten raten aber von solchen meist teuren Diabetes-Produkten ab. Oftmals enthalten diese Produkte zwar keinen Rohr- oder Industriezucker, jedoch große Mengen an Fruchtzucker (und Fett). Der Fruchtzucker (Fruktose) steigert die Bildung von Harnsäure, die bei Diabetikern ohnehin oft erhöht ist. Ein zu hoher Harnsäurewert kann einen Gichtanfall provozieren.

Übrigens: Anstelle von teurer und fraglich gesünderer Diabetiker-Schokolade können Sie auf eine Schokolade mit sehr hohem Kakaoanteil (mindestens 60 Prozent) zurückgreifen. Je höher der Kakaoanteil, desto weniger Fett enthält die Schokolade.

Diabetes und Zimt

Diabetes könnte nach Einschätzung mancher Ernährungswissenschaftler durch die Wirkung von Zimt günstig beeinflusst werden. Zimt regt den Stoffwechsel an und wirkt sich damit möglicherweise positiv auf die Blutzuckerregulation aus. Zudem wird momentan in Fachkreisen diskutiert, ob ein bestimmter Bestandteil des Zimts (Proanthocyanid) die Insulinwirkung an den Zellen verbessern kann.

So konnten Wissenschaftler aus Japan im Jahr 2003 bei Ratten eine Verbesserung der Glukoseaufnahme und eine erhöhte Insulinempfindlichkeit der Muskelzellen bei Zimtverabreichung nachweisen. Der Effekt von Zimt auf Diabetes ist jedoch umstritten. Wissenschaftler aus dem Iran fanden in einer Studie aus dem Jahr 2013 keine relevante blutzuckersenkende Wirkung durch Zimt bei Typ-2-Diabetikern.

Fazit: Bislang spielt Zimt in der Ernährung bei Diabetes beziehungsweise in der Diabetes-Therapie keine Rolle.

Obst für Diabetiker

Diabetes-Patienten wird generell empfohlen, täglich ausreichend Obst und Gemüse zu verzehren. Beides liefert wichtige Vitamine und Mineralstoffe sowie Ballaststoffe.

Obst enthält je nach Sorte auch mehr oder weniger große Mengen an Fruchtzucker (Fruktose). Dieser wurde lange als gesünder angesehen als normaler Zucker. Deshalb enthalten auch viele Lebensmittel für Diabetiker Fruchtzucker statt herkömmlichen Zucker. Das Gleiche gilt für zahlreiche "normale" Produkte (für Nicht-Diabetiker).

Allerdings wird Diabetikern (und stoffwechselgesunden Menschen) davon abgeraten, dem Körper zu viel Fruktose zuzuführen. Das kann sich nämlich negativ auf die Gesundheit auswirken: Untersuchungen zufolge kann eine hohe Fruktosezufuhr zum Beispiel Fettleibigkeit (Adipositas) fördern und die Blutfettwerte erhöhen.

Deshalb sollte man nicht zu viele industriell gefertige Lebensmittel konsumieren, die Fruktose enthalten, wie etwa mit Fruchtzucker gesüßte Limonade oder eben Diabetiker-Lebensmittel mit Fruchtzucker. Ein täglicher Obstverzehr ist aber für Diabetiker (und andere) unbedenklich und sogar wünschenswert: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, jeden Tag zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse zu verzehren - nach dem Motto "5 am Tag". Das entspricht ungefähr 250 Gramm Obst und 400 Gramm Gemüse täglich (1 Portion = ca. eine Handvoll).

Süßungsmittel (wie Stevia) & Diabetes

Es gibt einige alternative Süßungsmittel, die oft für den Speiseplan für Diabetiker empfohlen werden - anstelle von raffiniertem Zucker, weil sie den Blutzuckerspiegel nicht oder weniger anheben. Zu den Süßungsmitteln zählen Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe.

Zuckeraustauschstoffe sind zum Beispiel Sorbit, Mannit, Isomalt und Xylit. Sie enthalten weniger Kalorien als Zucker und lassen den Blutzuckerspiegel nur leicht ansteigen. Dagegen liefern Süßstoffe (wie Acesulfam-K, Aspartam, Stevia) gar keine Kalorien und erhöhen nicht den Blutzucker.

Seit einiger Zeit besonders beliebt ist der Süßstoff Stevia bei Diabetes-Patienten. Die enthaltenen Steviolglykoside sind für seine Süßkraft verantwortlich. In manchen Büchern und Medien wird behauptet, Stevia sei gesünder als andere Zuckerersatzstoffe. Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft stimmt das aber nicht. Stevia sei nicht besser und auch nicht schlechter als andere Zuckeraustauschstoffe.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt, pro Tag maximal vier Milligramm Steviolglykoside pro Kilogramm Körpergewicht zu sich zu nehmen (ADI-Wert). Diese Menge gilt als unbedenklich. Welche Folgen eine mögliche Überdosierung haben kann, ist unklar. Stevia soll laut EFSA aber weder Karies fördern noch krebserregend sein, nicht das Erbgut schädigen und weder die Fruchtbarkeit noch die Entwicklung eines ungeborenen Kindes beeinträchtigen.

Es gibt bislang auch keine Beweise dafür, dass Süßungsmittel wie Stevia "süchtig" machen und Hungerattacken auslösen können - und damit möglicherweise zu einer Gewichtszunahme führen.

Generell gilt: Pro Tag sollten nicht mehr als die empfohlenen Mengen Süßstoff oder maximal 50 Gramm Zucker aufgenommen werden.

Übrigens: Diabetes-Patienten, die zugleich an der seltenen Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie leiden, dürfen kein Aspartam zu sich nehmen. Der Süßstoff enthält nämlich Phenylalanin. Dieser Eiweißbaustein (Aminosäure) kann bei Phenylketonurie nicht abgebaut werden, sodass sich Vergiftungserscheinungen einstellen. Andere Süßstoffe (inklusive Stevia) enthalten dagegen kein Phenylalanin. Sie sind deshalb eine gute Alternative in der Diabetes-Ernährung bei Phenylketonurie.

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