Spastische Bronchitis

Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der e-happiness-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Die spastische Bronchitis ist eine häufige Form der akuten Bronchitis. Baby und Kleinkind erkranken besonders oft daran. Die Betroffenen haben entzündete und verengte Bronchien. Das verursacht pfeifende oder brummende Geräusche beim Ausatmen sowie Atemnot. Die spastische Bronchitis kann meist durch den Haus- oder Kinderarzt diagnostiziert und behandelt werden. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Symptomen, Diagnose und Therapie der spastischen Bronchitis!

spastische bronchitis

Spastische Bronchitis: Beschreibung

Bei der spastischen Bronchitis ist - wie bei der normalen akuten Bronchitis - die Schleimhaut der Bronchien entzündet und produziert vermehrt Schleim. Die Bronchien sind die stark verästelten "Kanäle", welche die Luftröhre mit den Lungenbläschen (Alveolen) verbinden. Zusätzlich sind bei der spastischen Bronchitis die entzündeten Bronchien verengt. Deshalb wird sie auch "obstruktive Bronchitis" (Obstruktion = Verschließung, Verengung) genannt.

Die Verengung entsteht zum einen dadurch, dass die entzündete Schleimhaut angeschwollen ist. Zum anderen verkrampft sich die Muskulatur der Atemwege. Daher stammt der Name "spastische" (= krampfartige) Bronchitis.

Baby-Bronchien sind sehr zart und noch nicht ganz ausgereift. Sie sind deshalb besonders anfällig für eine spastische Bronchitis. Das Gleiche gilt für Kleinkinder. Eine spastische Bronchitis bei Erwachsenen ist dagegen eher selten. Man spricht deshalb oft von Baby-Bronchitis oder Kleinkind-Bronchitis.

Kleinkind und Baby mit spastischer Bronchitis zeigen eine Pfeifen oder Giemen beim Ausatmen und können oft nur schwer atmen - bis hin zu regelrechter Atemnot. Wegen dieser Asthma-ähnlichen Beschwerden nennt man die spastische Bronchitis manchmal auch "asthmatische" Bronchitis (auch asthmatiforme oder asthamoide Bronchitis). Diese Bezeichnung ist aber nicht korrekt.

Spastische Bronchitis: Symptome

Wegen der verengten, entzündeten Bronchien ist das Atmen erschwert, besonders das Ausatmen. Die Patienten sind kurzatmig oder leiden regelrecht unter Atemnot. Außerdem sind beim Ausatmen Atemgeräusche zu hören, etwa ein Röcheln, Pfeifen oder Brummen. Hinzu kommt ein krampfartiger Husten. Vor allem morgendliche, intensive Husten ist charakteristisch. Dies liegt daran, dass sich über Nacht in den Bronchien viel Schleim gebildet hat. Er löst einen heftigen Hustenreiz aus und muss abgehustet werden.

Der abgehustete Schleim ist zumeist weißlich, selten blutig. Verfärbt er sich gelblich-grün deutet das oft darauf hin, dass sich auf der entzündeten Schleimhaut zusätzlich Bakterien ausgebreitet haben (bakterielle Sekundärinfektion).

Die Probleme beim Atmen und der viele Husten sind sehr anstrengend. Deshalb sind die Betroffenen schnell erschöpft. Die Atemnot kann sowohl für die Patienten selbst als auch ihre Eltern beängstigend sein.

Oft wird die spastische Bronchitis (so wie die normale akute Bronchitis) von Erkältungsbeschwerden oder grippeähnlichen Symptomen begleitet. Das sind zum Beispiel Fieber, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen.

Was tun bei gefährlicher Atemnot?

Wenn die spastische Bronchitis Kinder in den Zustand einer gefährlichen Atemnot versetzt, sollten Sie den Rettungsdienst (Tel. 112) alarmieren. Warnzeichen sind unter anderem bläulich verfärbte Lippen, Nägel und Haut. Auch Bewegungen der Nasenflügel (Nasenflügeln) und schnelle Atmung können auf eine Atemnot hindeuten. 

Spastische Bronchitis oder Asthma?

Die Symptome einer spastischen Bronchitis können denen von Asthma bronchiale sehr ähnlich sein. Grundsätzlich gilt, dass bei einer Bronchitis das Husten den Zustand eher verbessert. Dagegen kann Husten bei Asthma eine Verschlimmerung signalisieren. Beim Asthma ist der Husten zudem meist trocken. Besonders bei Kleinkindern ist die Unterscheidung zwischen spastischer Bronchitis und Asthma aber oft schwierig. In der Regel sollte sich die spastische Bronchitis nach ein bis zwei Wochen wieder deutlich gebessert haben.

Spastische Bronchitis: Ursachen und Risikofaktoren

Die spastische Bronchitis wird (wie fast alle Formen der akuten Bronchitis) durch Viren verursacht. Dies sind vor allem RS (Respiratory-Syncytial)-, Parainfluenza-, Adeno- und Rhinoviren. Die Erreger werden leicht übertragen, etwa beim Husten, Niesen oder durch Berührungen. Meist verursachen sie aber nur eine leichte Erkältung – ohne akute oder spastische Bronchitis.

Risikofaktoren

Vor allem bei bestehenden Lungenerkrankungen oder Allergien entsteht aus einer akuten Bronchitis oft eine spastische Bronchitis. Babys und Kleinkinder sind besonders anfällig dafür.

Ein weiterer Risikofaktor ist die sogenannte "bronchiale Hyperreagibilität". Bei betroffenen Menschen reagiert die Schleimhaut der Bronchien besonders empfindlich auf Infektionen und Reizungen. Diese Überempfindlichkeit führt dazu, dass sich die Bronchien schneller verengen und ihre Schleimhaut anschwillt. Das begünstigt eine spastische Bronchitis.

Auch Frühgeburt sowie ein sehr früher Kontakt mit Viren und Schadstoffen (unter Umständen bereits in der Schwangerschaft) gelten als Risikofaktoren. Das beobachtet man zum Beispiel bei Müttern, die in der Nähe der Kinder oder während der Schwangerschaft rauchen. Dadurch steigt der der Kinder für eine spastische Bronchitis oder andere Atemwegsleiden.

Ist die spastische Bronchitis ansteckend?

Ja, die spastische Bronchitis ist ansteckend. Die Auslöser - Viren - sind nämlich leicht von Patienten auf Gesunde übertragbar.

Spastische Bronchitis: Untersuchungen und Diagnose

Der Haus- oder Kinderarzt ist der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf eine spastische Bronchitis. Weil Bronchitis-Erkrankungen generell sehr häufig sind, hat er viel Erfahrung damit. So kann er gut einschätzen, ob tatsächlich eine spastische Bronchitis vorliegt und wie schwerwiegend sie ist. Er entscheidet dann über geeignete Therapiemaßnahmen bei spastischer Bronchitis.

Kinder- und Hausärzte kennen außerdem die kleinen Patienten meist schon länger. Sie können daher eine akute Erkrankung gut in die individuelle Krankengeschichte des Patienten einordnen. Oft wissen sie zum Beispiel schon, ob ein Kind generell zu hohem Fieber oder einem schweren Verlauf bei Infektionen neigt.

Der Arzt wird zuerst im Gespräch (Anamnese) alle wichtigen Informationen einholen, die ihm helfen, eine spastische Bronchitis festzustellen und den Schweregrad einzuschätzen.Er kann zum Beispiel fragen:

  • Leiden Sie oder Ihr Kind häufiger an Infekten (der Atemwege)?
  • Sind Vorerkrankungen der Atemwege bekannt?
  • Welche genauen Symptome treten auf und wie lange bestehen sie schon?
  • Können Sie den Husten genauer beschreiben (z.B. anfallsweise, bellend, morgens, mit Schleimauswurf etc.)
  • Kommt es zu Atemnot?

Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei wird der Arzt die Lunge abhören. Typisch für eine spastische Bronchitis sind Atemgeräusche. Ein Pfeifgeräusch, das hauptsächlich beim Ausatmen auftritt, wird Giemen genannt. Es zeigt an, dass die Atemwege verlegt sind. Brummende Atemgeräusche sind ein Hinweis, dass sich vermehrt Schleim in den Atemwegen befindet.

Außerdem wird der Arzt die Lunge abklopfen. Aus dem Klopfschall kann er auf den Zustand der Lunge schließen. Bei einer normal luftgefüllten Lunge klingt es etwa wie beim Klopfen auf eine Trommel. Bei ausgeprägten Entzündungsherden ist der Klopfschall dagegen gedämpft.

Ergänzend tastet der Arzt die (Hals-)Lymphknoten ab und wirft einen Blick in den Mund-Rachen-Raum.

Bei längeren und komplizierten Krankheitsverläufen wird zudem ein Röntgenbild des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) angefertigt. Der Arzt kann darauf zum Beispiel erkennen, ob die Entzündung auf die Bronchien begrenzt ist oder ob die spastische Bronchitis in eine Lungenentzündung überzugehen droht. Zusätzlich gibt das Röntgenbild indirekte Hinweise auf Verlegungen der Atemwege (zum Beispiel ein Lungenemphysem).

Eine Blutuntersuchung ist bei erstmaliger, spastischer Bronchitis nicht unbedingt nötig. Wenn Entzündungsparameter wie die Anzahl der weißen Blutkörperchen oder das CRP erhöht sind, weist das nur allgemein auf eine Entzündung im Körper hin.

Ausschluss anderer Ursachen

Bei Kindern mit Verdacht auf eine spastische Bronchitis muss der Arzt immer auch prüfen, ob die Symptome nicht vielleicht durch einen verschluckten Fremdkörper entstehen, der in den Bronchien hängen geblieben ist. Besonders wenn beim Abhören der Lunge die auffälligen Geräusche nur einseitig zu hören sind, könnten die Atemwege durch einen Fremdkörper verlegt sein.

Wenn jemand öfter eine spastische Bronchitis hat, sind weitere Untersuchungen ratsam. Dazu gehört zum Beispiel eine Allergietestung sowie Untersuchung der Atemleistung. Zudem muss ein Asthma bronchiale ausgeschlossen werden.

Spastische Bronchitis: Behandlung

Eine spastische Bronchitis wird im Allgemeinen ebenso behandelt wie ein sonstige akute Bronchitis. Die Patienten sollten sich schonen beziehungsweise bei Fieber Bettruhe einhalten. Dabei sollte der Oberkörper etwas erhöht liegen. So fällt das Atmen leichter, als wenn man ganz flach liegt.

Wichtig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Tee, Brühe etc.). Wenn ein Kind wegen der erschwerten Atmung sehr ängstlich oder unruhig ist, sollten Eltern versuchen, es zu beruhigen. Innere Unruhe kann die Atemnot nämlich verstärken.

Zusätzlich muss unbedingt auf eine frische und schadstofffreie Luft geachtet werden. Die Umgebungsluft sollte warm (aber nicht heiß) und feucht sein. Sie können zum Beispiel regelmäßig stoßlüften oder ein feuchtes Tuch auf die Heizung legen. Der Patient sollte außerdem von Tabakrauch ferngehalten werden. Er kann die spastische Bronchitis gefährlich verschärfen.

Achtung: Wenn man bei spastischer Bronchitis den Brustkorb mit ätherischen Ölen oder Salben einreibt, kann dies die Schleimhaut der Bronchien zusätzlich reizen. Die Atemprobleme und Hustenanfälle können sich verstärken. Außerdem sind viele ätherische Öle (wie Eukalyptusöl) bei Kleinkindern generell nicht zu empfehlen.

Hustenstiller sind selten ratsam

Medikamente, die den Hustenreiz dämpfen (Hustenstiller oder Hustenstopper) sollten im Allgemeinen nur angewendet werden, wenn der Husten nicht produktiv ist (kaum Sekret in den Bronchien) und er den Nachtschlaf stört. Das Abhusten ist bei Bronchitis-Erkrankungen nämlich sehr wichtig: Es befreit die Atemwege von Schleim, Krankheitserregern und sonstigen Schadstoffen.

Krampflösende Mittel

Die krampfartig verengten Atemwege bei spastischer Bronchitis lassen sich mithilfe von sogenannten Sympathomimetika (β2-Rezeptoragonisten) wie Salbutamol entspannen. Die Wirkstoffe sorgen dafür, dass sich die Atemwege erweitern. Meist werden sie als Inhalation oder Spray verabreicht. In dieser Form gelangen sie nämlich direkt an ihren Wirkort (Atemwege). Für Kinder gibt es spezielle Inhalationsgeräte, die das Einatmen der verdampften Wirkstoffe erleichtern.

Hinweis: Beruht die Verengung der Bronchien vor allem auf einem Anschwellen der Schleimhaut, bringt eine Behandlung mit Sympathomimetika meist wenig.

Eventuell kann eine spastische (obstruktive) Bronchitis auch mit einem sogenannten Anticholinergikum (wie Ipratropium) behandelt werden. Diese Wirkstoffgruppe wirkt ebenfalls krampflösend auf die Muskulatur der Bronchien. Auch hier erfolgt die Anwendung per Inhalation.

Antibiotika und Kortison

Die spastische Bronchitis wird durch Viren ausgelöst. Auf der angegriffenen Schleimhaut der Bronchien können sich aber zusätzlich Bakterien ausbreiten. Der Zustand des Patienten kann sich in der Folge verschlechtern. Dann wird der Arzt Antbiotika verschreiben. Sie bekämpfen die bakterielle Infektion, wirken aber nicht gegen die Viren.

Nimmt die spastische Bronchitis einen schweren, langwierigen Verlauf, kann manchmal auch eine kurzzeitige Behandlung mit Kortison sinnvoll sein. Es lässt die Schleimhaut der Bronchien abschwellen. Besonders für spastische Bronchitis bei Kindern gibt es neben Kortison-Tabletten auch andere Darreichungsformen wie Zäpfchen oder Saft.

Weitere Maßnahmen

Manchmal muss eine spastische Bronchitis im Krankenhaus behandelt werden. Das gilt besonders bei Babys. Die benötigten Medikamente und Flüssigkeit können dem kleinen Patienten dort per Infusion verabreicht werden. Außerdem wird die Sauerstoffversorgung laufend überwacht. Bei Bedarf erhält das Kind zusätzlichen Sauerstoff.

Vor allem bei längerem Krankheitsverlauf kann eine Physiotherapie hilfreich sein. Mit geeigneten Techniken lassen sich das Abhusten und die Atemarbeit beim zusätzlich unterstützen. Der Therapeut kann zum Beispiel des Brustkorb des Patienten vorsichtig abklopfen.

Achtung: Die Gabe von Schleimlösern (Hustenlösern) bei spastischer Bronchitis ist umstritten.

Spastische Bronchitis: Verlauf und Prognose

Viele Eltern treibt die Angst um, dass ihr Kind nach einer spastischen Bronchitis Asthma entwickelt. Das passiert aber nicht sehr oft: Nur etwa 30 Prozent der Kinder, die als Säugling eine spastische Bronchitis hatten, entwickeln später ein Asthma bronchiale. Gefährdet sind vor allem Kinder, bei denen bereits Asthma, Neurodermitis oder andere allergische Erkrankungen in der Familie bekannt sind. Bei ihnen sollte man besonders darauf achten, dass sie keinem Tabakrauch anusgesetzt sind (Passivrauchen). Außerdem sollte die Luft in der Wohnumgebung schadstofffrei (z.B. kein Schimmelpilzbefall) und nicht zu trocken sein.

In den meisten Fällen heilt die spastische Bronchitis aber komplikations- und folgenlos aus.

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