Gonarthrose

Dr. med. Ricarda Schwarz

Ricarda Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben in der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) in Flensburg, Hamburg und Neuseeland ist sie nun in der Neuroradiologie und Radiologie der Uniklinik Tübingen tätig.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Als Gonarthrose bezeichnen Mediziner einen Gelenkverschleiß im Knie. Meistens gibt es dafür keinen konkreten Auslöser: Die Kniegelenke wurden einfach zu sehr belastet. Gonarthrose kann Knieschmerzen auslösen. Diese lassen sich mit Medikamenten, Übungen oder einer Operation behandeln. Hier lesen Sie alles Wichtige über Gonarthrose.

Gonarthrose

Gonarthrose: Wo entsteht sie?

Die Gonarthrose ist ein Gelenkverschleiß (Arthrose) im Knie: Der Gelenkknorpel nutzt sich ab. Später werden auch benachbarte Gelenkbereiche wie Knochenteile geschädigt.

Arthrose bildet sich immer zwischen zwei Knochenteilen. Das Kniegelenk wird von drei Knochen gebildet:

Zwischen diesen Knochen gibt es jeweils eine Gelenkverbindung. Das Schienbein bildet mit seinem mittleren (medialen) und seitlichen (lateralen) Anteil sogar zwei Gelenkverbindungen mit dem Oberschenkel. In der Fachsprache nennt man dies die verschiedenen Kompartimente im Knie.

Arthrose-Formen im Knie

Arthrose im Knie kann ein oder mehrere Anteile (Kompartimente) des Kniegelenks betreffen:

  • Gonarthrose in 1 Kompartiment (unikompartimentelle Gonarthrose): Sie besteht entweder zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen oder zwischen Schienbein und Oberschenkelknochen.
  • Gonarthrose in 2 Kompartimenten (bikompartimentelle Gonarthrose): Hierbei betrifft die Arthrose Schienbein und Oberschenkelknochen.
  • Gonarthrose in 3 Kompartimenten (trikompartimentelle Gonarthrose oder Pangonarthrose): Der Gelenkverschleiß betrifft alle drei Anteile des Kniegelenks.

Die Einteilung in uni-, bi- und trikompartimentelle Gonarthrose ist wichtig, wenn der Gelenkverschleiß operiert werden soll.

Mediale und laterale Gonarthrose

Ist der innere Anteil des Kniegelenks vom Verschleiß betroffen, liegt eine mediale Gonarthrose vor. Handelt es sich um eine Kniearthrose im äußeren Bereich, spricht man von einer lateralen Gonarthrose.

Aktivierte Gonarthrose

Ein verschlissenes Gelenk kann sich leicht entzünden. Knorpelteile lösen sich ab, Zellen gehen zugrunde. Sie sammeln sich in der Gelenkflüssigkeit und locken Entzündungszellen an. Aus einer einfachen Gonarthrose entsteht so eine aktivierte Gonarthrose. Kniegelenk und umgebendes Gewebe können dabei schmerzhaft anschwellen. Die aktivierte Gonarthrose kann sich bei richtiger Therapie aber wieder zu einer nicht entzündeten Arthrose im Kniegelenk zurückbilden.

Gonarthrose: Symptome

Knie-Verschleiß verursacht nicht immer Beschwerden (wie Schmerzen); wenn ja, spricht man von einer symptomatischen Arthrose im Knie.

Die Betroffenen berichten über Knieschmerzen, zum Beispiel beim Treppensteigen. Bei fortgeschrittener Gonarthrose können auch Dauerschmerzen auftreten. Das Kniegelenk ist weniger beweglich. Gangunsicherheit kann sich einstellen.

Bei vielen Patienten sind die Knieschmerzen auch witterungsabhängig: Sie verstärken sich zum Beispiel bei kaltem oder nassem Wetter. Die Betroffenen berichten dann von "Wetterfühligkeit".

Mehr über mögliche Beschwerden bei Gonarthrose (und anderen Arthrose-Formen) finden Sie im Beitrag Arthrose-Symptome.

Gonarthrose: Häufigkeit

Die Kniegelenksarthrose ist die häufigste Arthrose-Form in Deutschland. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken aber stark. Der Grund ist, dass es keine einheitlichen Untersuchungskriterien für eine Gonarthrose gibt. Die meisten Diagnosen stützen sich auf die radiologischen Zeichen der Arthrose. Das sind Hinweise auf eine Gelenkabnutzung im Röntgenbild, in der Computertomografie oder Magnetresonanztomografie.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Kniearthrose. Vor dem 45. Lebensjahr sind Männer häufiger betroffen. Später entwickeln mehr Frauen eine Gonarthrose.

Gonarthrose: Diagnose

Bei Verdacht auf eine Gonarthrose wird der Arzt den Patienten zuerst bitten, seine Beschwerden genau zu schildern. Er fragt auch nach eventuellen Verletzungen oder Erkrankungen, die aktuell bestehen oder in der Vergangenheit auftraten. Beispielsweise kann ein Meniskusschaden oder eine Gelenkentzündung (Arthritis) eine Kniegelenksarthrose begünstigen.

Im nächsten Schritt wird der Arzt das Kniegelenk untersuchen und seine Beweglichkeit prüfen. Eine Röntgenuntersuchung und andere bildgebende Verfahren unterstützen die Abklärung einer Gonarthrose.

Wie eine Gonarthrose (und andere Arthrose-Formen) genau diagnostiziert werden, lesen sie im Beitrag Arthrose.

Gonarthrose: Therapie

Für Gonarthrose und andere Arthrose-Formen gelten einige allgemeine Therapiemaßnahmen. Dazu gehört zum Beispiel, das betroffene Gelenk zu entlasten, aber dennoch regelmäßig zu bewegen.

Wärme-Anwendungen wie Heizkissen oder Bäder helfen gegen chronische Arthrose-Schmerzen. Akute Beschwerden lassen sich dagegen eher mit Kälte-Anwendungen wie Eispackungen lindern. Bei Bedarf werden auch Medikamente gegen die Schmerzen verordnet.

Mehr über allgemeine Therapie-Maßnahmen bei Gonarthrose und anderen Arthrose-Formen erfahren Sie im Beitrag Arthrose.

Gonarthrose-Übungen

Um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten, sollten Menschen mit Arthrose Knie-Übungen machen. Diese zielen darauf ab, die Muskeln am Knie zu stärken. Sie können so Belastungen besser abfangen, was den Knorpel im Kniegelenk entlastet.

Achtung: Die Übungen dürfen dem bereits geschädigten Kniegelenk nicht zusätzlich schaden! Deshalb sollte das Körpergewicht während des Trainings möglichst nicht auf dem Knie lasten. Geeignet sind daher vor allem Wassergymnastik und Fahrradfahren.

Ebenfalls sinnvoll ist ein spezielles Gerätetraining für Menschen mit Arthrose. Knie-Übungen müssen allerdings stets mit einem ausgebildeten Physiotherapeuten abgesprochen werden und dürfen nicht selbstständig ausgewählt werden.

Gonarthrose-Therapie: Operation ohne Gelenkersatz

Bei Kniegelenksarthrose kann es hilfreich sein, das Gelenk zu spülen (Lavage). Außerdem können raue Knorpeloberflächen im Gelenk geglättet werden (Debridement). Beide Eingriffe werden im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt.

Eine andere Möglichkeit der Gonarthrose-Operation ist die Korrekturosteotomie. Dabei werden die Knochen, die das Gelenk aufbauen, anders positioniert. Das soll die Belastung der Arthrose-Bereiche verringern.

Mehr über Lavage, Debridement und Korrekturosteotomie erfahren Sie im Beitrag Arthrose.

Gonarthrose-Therapie: Operation mit Gelenkersatz

Manchmal lassen sich bei Menschen mit Arthrose Knie-Beschwerden durch konservative Maßnahmen oder gelenkerhaltende Eingriffe nicht ausreichend lindern. Bei schwerer Gonarthrose wird dann das betroffene Kniegelenk manchmal durch eine Prothese ersetzt:

Betrifft die Kniearthrose nur ein Kompartiment, kann eine unikompartimentelle Endoprothese verwendet werden. Bei einer Kniegelenksarthrose in mehreren Kompartimenten kommt eine Totalendoprothese in Betracht.

Unikompartimentelle Endoprothese

Mit einer sogenannten unikondylären Prothese wird vor allem eine mittelgradige laterale oder mediale Gonarthrose versorgt. Die Teilprothese ersetzt nur die Gelenkfläche. Dabei wird das Gelenk weiterhin durch den Kapsel-Band-Apparat geführt. Eine solche Teilprothese wird auch als Schlittenprothese bezeichnet.

Patienten mit einer Teilprothese beurteilen die Funktionalität des Gelenkersatzes oft besser als Menschen mit einer Totalendoprothese. Außerdem sind sie mit dem Ergebnis der Operation meist zufriedener. Allerdings kommt eine Schlittenprothese nicht bei jedem Patienten in Frage. Trifft einer der folgenden Punkte zu, wird dem Betroffenen eher zu einer Totalendoprothese geraten:

  • Lebensalter über 65 Jahre
  • Gonarthrose der Kniescheibe
  • Schädigung (Läsion) der Gelenkkapsel oder der Bänder
  • relevante Gelenkfehlstellungen von mehr als 10 Grad

Totalendoprothese

Es gibt verschiedene Formen von Totalendoprothese, die bei Gonarthrose eingesetzt werden können. Sie unterscheiden sich unter anderem bezüglich Material, Aufbau und Verankerung.

Jüngere Patienten erhalten eher zementfreie Prothesen. Diese können nur in einem stabilen Knochen befestigt werden. Bei Bedarf lassen sie sich relativ leicht austauschen.

Bei älteren Patienten werden Prothesen eher zementiert. Der Grund: Die Knochenstruktur ist bei ihnen oft aufgelockert, und eine andere Verankerung wäre weniger stabil.

Bei der Gonarthrose unterscheidet man zwei Gruppen von Totalendoprothesen:

  • den ungekoppelten Oberflächenersatz
  • die achsgeführte Prothese

Ungekoppelter Oberflächenersatz

Beim ungekoppelten Oberflächenersatz werden nur die Gelenkflächen prothetisch versorgt. Zwischen den Prothesenteilen an Oberschenkel und Schienenbein besteht keine feste Verbindung. In einigen Fällen wird ein sogenanntes Inlay zwischen diese beiden Prothesenteile gelegt. Dadurch bleibt das Kniegelenk gut beweglich.

Voraussetzung für diese Form der Totalendoprothese ist, dass der natürliche Kapsel-Band-Apparat ausreichend stabil ist. Anderenfalls sollte eine achsgeführte Prothese verwendet werden.

Achsgeführte Totalendoprothesen

Bei einer hochgradigen Gonarthrose mit defektem Bandapparat werden achsgeführte Totalendoprothesen eingesetzt. Sie besitzen eine feste Verbindung zwischen den beiden Prothesenteilen an Oberschenkelknochen und Schienenbein. Dadurch muss die Kraft nicht mehr durch die Kapsel oder Bänder am Knie gehalten werden. Allerdings wird die Prothese stärker belastet und kann sich leichter lockern.

Gonarthrose-Prothese: Komplikationen

Eine Kniegelenksoperation mit Kniegelenksersatz birgt wie alle Operationen allgemeine Risiken. Dazu gehören zum Beispiel Blutungen oder Infektionen.

Außerdem kann sich die eingesetzte Prothese mit der Zeit lockern. Dann muss meist erneut operiert werden. Manchmal muss die Prothese dabei auch ausgetauscht werden.

Eine weitere Gefahr nach Einsetzen einer Prothese bei Gonarthrose betrifft die Kniescheibe: Sie kann sich lockern, brechen oder Schmerzen bereiten. Außerdem können die knöchernen Strukturen um die Prothese herum brechen. Mediziner nennen dies eine periprothetische Fraktur. Betroffene Gonarthrose-Patienten müssen erneut operiert werden.

Weiterführende Informationen

Buchempfehlungen:

  • Schwachstelle Knie: Gezielt üben bei Schmerzen, Verletzungen und Arthrose, Kay Bartrow, 2015, TRIAS Auflage 1.
  • Knie aktiv: 100 Übungen bei Arthrose und nach Gelenkersatz, Verletzungen, Operationen, Joachim Merk und Thomas Horstmann, 2013, S. Hirzel Verlag; Auflage: 5
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