Zecke auf Halm

„Antikörper sind kein Beweis für eine Borreliose“

Kathrin Rothfischer

Kathrin Rothfischer studierte - nach einem Ausflug in die Germanistik - in Regensburg Mikrobiologie und Genetik. Komplizierte Sachverhalte leicht verständlich darzustellen, war schon damals ihre Leidenschaft. Deshalb machte sie nach dem Diplom diese Passion zum Beruf: Nach verschiedenen Stationen im medizinischen Fachverlag und in der Publikumspresse fand sie bei e-happiness schließlich ihre journalistische Heimat.

Nach einem Zeckenstich haben viele Menschen Angst vor Borreliose. Die Infektionskrankheit eindeutig nachzuweisen, ist oft schwierig. Borreliose-Expertin Prof. Dr. med. Heidelore Hofmann erklärt im e-happiness-Interview, warum eine ausführliche Untersuchung so wichtig ist.

Heidelore Hofmann

Prof. Dr. med. Heidelore Hofmann

Prof. Dr. med. Heidelore Hofmann ist Koordinatorin der AWMF-Leitline „Kutane Lyme-Borreliose“, ehemalige Oberärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der TU München und der Borreliose-Sprechstunde.

Frau Prof. Hofmann, wie äußert sich eine Borrelieninfektion?

Die Borrelieninfektion verläuft meist unbemerkt, nur etwa fünf bis zehn Prozent der Infizierten erkranken. Die Lyme-Borreliose findet in 80 bis 90 Prozent der Fälle in der Haut statt. Und zwar in Form der frühen Infektion, der sogenannten Wanderröte oder dem Erythema migrans. Bei den restlichen 10 bis 20 Prozent kommt es entweder zu einer akuten Neuroborreliose mit sehr starken, Ischias-artigen Nervenschmerzen, die vor allem nachts auftreten; oder es tritt eine Lyme-Arthritis auf, die mit einem stark geschwollenen und schmerzhaften Gelenk einhergeht. Seltener sind die Lyme-Karditis, bei der sich der Herzmuskel entzündet, oder andere Organerkrankungen.

Diese drei häufigsten Formen der Borreliose sicher nachzuweisen, ist aber nicht immer so einfach.

Stimmt, denn wir wohnen in einem Endemiegebiet (Anm. d. Red.: geografisches Gebiet, in dem die Borreliose gehäuft vorkommt). Untersuchungen des Robert Koch-Instituts für Deutschland zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für Antikörper gegen Borrelien steigt, je älter ein Mensch ist – einfach, weil der Kontakt mit dem Erreger so häufig ist. So haben beispielsweise 20 Prozent der über 60-Jährigen Borrelien-IgG-Antikörper im Blut.

Sind diese Menschen alle krank?

Nein, meistens nicht. Das Problem dabei ist: Oft weiß man bei einem positiven Antikörper-Befund nicht, ob die Infektion bereits länger zurückliegt und bereits ausgeheilt ist, also ob eine Behandlung überflüssig ist. Oder ob die Infektion frisch ist und eine schnelle Therapie erfordert.

Aber es gibt verschiedene Antikörper-Arten, mit deren Hilfe man auch so etwas feststellen kann.

Ja, das ist richtig. Trotzdem gibt es Unsicherheiten. Ein Beispiel: IgM-Antikörper im Blut weisen normalerweise auf eine akute Infektion hin. Allerdings können Menschen mit rheumatischen Erkrankungen ebenfalls erhöhte IgM-Antikörper haben, ohne dass eine akute Erkrankung besteht. Und je älter man ist, desto häufiger tritt dieses Phänomen auf.

Was bedeutet das für den Patienten?

Antikörper gegen Borrelien sind noch kein Beweis für eine Erkrankung, sondern zeigen nur, dass sich das Immunsystem mit dem Erreger auseinandergesetzt hat. Der falsche Schluss wäre nun dieser: Wenn Antikörper gefunden werden und der Mensch fühlt sich nicht gut, hat zum Beispiel Beschwerden wie Gelenk- und Muskelschmerzen, dann weist das auf eine chronische Borreliose hin.

Aber es gibt tatsächlich chronische Formen der Borreliose?

Es gibt einen geringen Prozentsatz unter den Patienten, deren Körper nicht in der Lage ist, die Borrelien mit seinem Immunsystem abzutöten. Dann tritt zum Beispiel die sogenannte Acrodermatitis chronica atrophicans auf, auch Herxheimer-Krankheit genannt. Dabei können die Borrelien oft über Jahrzehnte in der Haut, meist an Armen oder Beinen, überdauern. Die betroffenen Hautstellen und häufig auch die darunterliegenden Nerven entzünden sich. Auch die Lyme-Arthritis kann unbehandelt chronisch werden und muss dann auf jeden Fall antibiotisch behandelt werden.

Die Menschen, die unter einer vermeintlichen chronischen Borreliose leiden, fühlen sich aber tatsächlich krank. Sind das dann alles Hypochonder?

Nein, natürlich nicht. In einer Doktorarbeit, die ich im Rahmen der Borreliose-Sprechstunde an der TU München habe machen lassen, wurden solche Patienten genau untersucht.

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Von den Menschen, die mit dem Verdacht auf chronische Borreliose in die Sprechstunde gekommen sind, hatte tatsächlich ein Drittel früher mal eine Borreliose. Im Laufe des Lebens kamen dann andere Krankheiten mit Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Müdigkeit oder Antriebslosigkeit hinzu. Und diese bei vielen Krankheiten vorkommenden Symptome haben die Patienten oder ihre Ärzte fälschlicherweise auf die früher durchgemachte Borreliose bezogen.

Und die anderen zwei Drittel?

Ein weiteres Drittel litt unter ganz anderen Krankheiten wie etwa degenerativen Muskel- oder Gelenkerkrankungen oder Autoimmunerkrankungen, die man erst im Rahmen der Borreliose-Sprechstunde festgestellt hat. Das letzte Drittel wiederum hatte psychosomatische Beschwerden wie sie zum Beispiel bei Depressionen, Angststörungen und dem chronischen Schmerzsyndrom auftreten können.

Also müsste man bei einem positiven Antikörper-Befund erst einmal weitere Tests machen und eine sichere Diagnose stellen, bevor man behandelt. Das passiert aber leider nicht immer.

Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren eine regelrechte, ich nenne es mal „Borreliose-Sekte“ gebildet. Es wird den Patienten zum Beispiel gesagt, dass die Borrelien ins Gehirn gehen und Alzheimer verursachen, wenn sie nicht bestimmte Therapien machen.

Was sind das für Therapien?

Eine Kombination aus langdauernden Antibiotikabehandlungen mit Zusatzstoffen, die angeblich das Immunsystem stärken und die Immunabwehr steigern. So ein Paket kostet sehr viel, bis zu 1000 Euro pro Monat, haben mir die Patienten erzählt. Das müssen sie aus ihrer eigenen Tasche bezahlen, denn die Krankenkasse übernimmt das nicht.

Mehrere Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen haben mit einer einstweiligen Verfügung die Veröffentlichung der AWMF S3 Leitlinie "Neuroborreliose" gestoppt, an der über 20 wissenschaftliche Fachgesellschaften mitgearbeitet haben. Warum?

Der Grund war, dass sie der Meinung waren, ihre Dissenserklärungen müssten in der Leitlinie anstatt im Leitlinienreport veröffentlicht werden. Inzwischen ist die Klage aber abgewiesen und die S3 Leitlinie wurde im April 2018 veröffentlicht.

In der Leitlinie wird der Theorie widersprochen, dass anhaltende unspezifische Symptome trotz unauffälliger Diagnostik auf eine nicht erkannte oder unzureichend behandelte Infektion des Nervensystems mit Borrelien zurückzuführen seien.

In der Regel lässt sich eine Neuroborreliose zweifelsfrei feststellen. Das, was bestimmte Patientenverbände und Borrelioseärzte für eine chronische Borreliose halten, existiert nicht, und das wird in der AWMF-Leitlinie wissenschaftlich begründet.

Auf was berufen sich diese Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen bei ihrer Kritik?

Es gibt ein Beschwerdebild, das nach der antibiotischen Behandlung einer Lyme-Borreliose auftreten kann, das aber nicht durch noch lebende Erreger hervorgerufen wird, sondern eher durch eine weiter bestehende Entzündung und Immunreaktion des Patienten. Es sollte nicht mit Antibiotika, sondern mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden.

Frau Prof. Hofmann, vielen Dank für das Gespräch.

Prof. Dr.med. Heidelore Hofmann ist Koordinatorin der AWMF-Leitline „Kutane Lyme-Borreliose“, ehemalige Oberärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der TU München und der Borreliose-Sprechstunde

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