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Pulsatilla

Pulsatilla ist ein vielfältiges homöopathisches Arzneimittel. Gewonnen wird es aus einer einheimischen Pflanze, die auch unter dem Namen Kuhschelle bekannt ist. In erster Linie als Frauen- und Kindermittel bekannt, ist Pulsatilla aber bei sehr vielen Beschwerden hilfreich, die ebenso bei Männern auftreten. Lesen Sie hier alles über die Anwendungsgebiete und Dosierung von Pulsatilla.

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Was ist Pulsatilla?

Pulsatilla (Kuhschelle, Küchenschelle) ist eine einheimische Pflanze aus der Gruppe der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae), die in ganz Europa anzutreffen ist. Die Form der halb geschlossenen Blüte ähnelt einem Glöckchen oder auch einer Kuhschelle. Pulsatilla leitet sich vom lateinischen Wort pulsare (schlagen beziehungsweise läuten) ab und bringt zum Ausdruck, dass die nickenden Blüten vom Wind hin- und hergewiegt werden.

Pulsatilla enthält Protoanemonin, einen wichtigen Hautreizstoff. Dieses früher auch Pulsatillakampfer genannte Gift ruft auf Haut und Schleimhäuten heftige Reaktionen hervor, die sogar zu Entzündungen und Verätzungen führen können. Der Verzehr verursacht neben Lähmungen des Zentralnervensystems Verdauungsstörungen und Nierenbeschwerden.

Küchenschellen fanden bereits in der Antike als Heilmittel Verwendung. Hippokrates setzte sie gegen hysterische Angstzustände und zur Förderung der Menstruation ein. In alten Kräuterbüchern wurde insbesondere die Wurzel als Hilfe „wider die Pestilenz, wider Gift und giftige Tiere, Biss und Stich“ gepriesen.

Das Arzneimittel wird aus der ganzen Pflanze hergestellt, die Erne erfolgt zur Zeit der Blüte. Pulsatilla vulgaris und Pulsatilla pratensis werden gleichermaßen verwendet.

Wann wird Pulsatilla eingesetzt?

Pulsatilla ist eines der sogenannten vielnützigen Mittel (Polycreste) der Homöopathie. Besondern in der Kinder- und Frauenheilkunde ist Pulsatilla eine unverzichtbare Arznei. Aber auch Männer werden mit der Küchenschelle behandelt, wenn ihre Symptomatik mit der des Arzneimittels übereinstimmt.

Zustände, die Pulsatilla als Arznei verlangen können:

  • Schnupfen
  • Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)
  • Ohrenentzündungen (Otitis media)
  • Blasenentzündungen (Zystitis)
  • Augenentzündungen (Konjunktivitis)
  • Gelenkschmerzen, besonders im akuten Stadium
  • In Zeiten der Hormonumstellungen hilft bei vielen Beschwerden oft Pulsatilla: Pubertät, Schwangerschaft, Stillzeit, Klimakterium und Menstruation
  • Venöse Stauungen
  • Verstimmungen im Magen-Darm-Bereich, vor allem wenn diese durch verdorbenes oder zu fettes Essen ausgelöst wurden
  • Zahnschmerzen
  • Kinderkrankheiten
  • Kinderwunsch

Typische Symptome und Beschwerden, die auf Pulsatilla als passendes homöopathisches Arzneimittel hinweisen, sind:

  • Der Kranke ist ängstlich, weinerlich, empfindlich, braucht Zuwendung und Trost, will nicht alleine sein
  • Kummer, leidet still vor sich hin
  • Schüchternheit
  • Launenhaftigkeit
  • Wechselhaftigkeit der Symptome
  • Trockener Mund aber kein Durst
  • Will frische Luft; verträgt keine überhitzten, geschlossenen Räume
  • Kreislaufschwäche mit Schwarzwerden vor den Augen beim Aufrichten
  • Ohnmacht bei langem Stehen
  • Verträgt keine fetten Speisen, kein Schweinefleisch und keine Eiscreme
  • Völlegefühl im Magen, wie ein Stein
  • Beschwerden sind nachts, aber vor Mitternacht am schlimmsten
  • Anfallartige Schmerzen
  • Wandernde Schmerzen
  • Chronischer Schnupfen, dauernde „Rotznase“
  • Schnupfen nur aus einem Nasenloch
  • Sekret aus Nase, Augen und Ohren oder Auswurf aus der Lunge sind dick, mild und gelb-grün
  • Schwerhörigkeit bei Erkältungen
  • Husten ist schlimmer im Liegen und man kann deswegen nicht schlafen
  • Husten erschöpft den Kranken
  • Bitterer Geschmack im Mund besonders morgens
  • Die Beschwerden werden besser durch: Kälte und kalte Umschläge, kalte Speisen und Getränke, frische Luft, langsame Bewegungen, aufrechte Körperhaltung
  • Beschwerden werden schlimmer durch: Wärme und warme Zimmerluft, fettes Essen, im Liegen (besonders auf der linken Seite), abends, vor der Menstruation

Diese Symptome können entweder die eigentlichen Krankheitszeichen sein, oder auch als zeitgleiche Veränderungen vom Normalzustand auftreten. In jedem Fall weisen diese Zeichen darauf hin, dass Pulsatilla ein passendes homöopathisches Mittel für den Kranken sein kann.

Pulsatilla für Baby und Kind

Husten, Schnupfen, Mittelohr- und Nebenhöhlenentzündungen sind typische akute Erkrankungen bei Kindern, die sehr gut auf Pulsatilla reagieren. Häufig werden diese Infekte von Fieber begleitet. Besonders dann, wenn sich ein Schnupfen zu einem Mittelohrkatarrh ausweitet, sollte man Pulsatilla in Betracht ziehen. Auch bei Zahnungsschmerzen kommt die Küchenschelle zum Einsatz.

Durchfall und Erbrechen nach zu fettem Essen weisen auch bei Kindern auf Pulsatilla als hilfreiches Mittel hin. Bei einem Pulsatilla-Kind folgt oft ein Infekt auf den nächsten, die Abwehrkräfte sind schwach und es scheint ständig krank zu sein. Im Schulalter leidet das Pulsatilla-Kind oft unter Kopfschmerzen und Schlafproblemen.

Die Kinder haben häufig Probleme mit anderen Kindern, weil sie aufgrund ihrer Ängstlichkeit, Schüchternheit und Weinerlichkeit alles mit sich machen lassen. Hier kann Pulsatilla dem Kind helfen, Selbstvertrauen und Mut zu entwickeln.

Was charakterisiert den Pulsatilla-Typ?

Besonders geeignet ist Pulsatilla bei Menschen, die ein langsames, phlegmatisches Temperament besitzen. Sie treffen ihre Entscheidungen nicht mit Entschlusskraft, sondern sind sehr unentschlossen. Ihre Natur wird als zurückhaltend und tränenreich beschreiben, sie neigen zu innerem Kummer und Verdruss.

Besonders Pulsatilla-Frauen erscheinen oft weich, schüchtern und weinerlich. Menschen, die diese Arznei brauchen, sind meist sehr gefühlsbetont, ihre Launen sind dabei sehr wechselhaft. Dabei kann es auch vorkommen, dass Pulsatilla Patienten gereizt und dickköpfig sind. Diese Dickköpfigkeit kann sehr ausgeprägt sein.

Das typische Pulsatilla-Kind ist schüchtern und hängt an der Mutter. Es fordert sehr viel Aufmerksamkeit und Zuneigung. Diese Eigenschaften kann man schon beim Pulsatilla-Baby beobachten. Ein Pulsatilla-Kind wird leicht zum Opfer. Es lässt sich herumschubsen und verletzen, ohne dass es sich wehrt.

Besonders während der Krankheit kann das Kind aber auch sehr launisch und eigensinnig sein. Die Beschwerden wechseln ebenso schnell wie die Laune. Wechselhaftigkeit ist ein ganz typisches Zeichen für Pulsatilla, in allen Bereichen.

Wie wird Pulsatilla angewendet?

Pulsatilla ist ein homöopathisches Einzelmittel, das als Streukügelchen (Globuli) oder als Tropfen erhältlich ist.

Bei akuten Krankheiten wird Pulsatilla D6 mehrmals täglich eingenommen. Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen. Man kann im akuten Krankheitsfall mit halbstündlicher bis stündlicher Einnahme beginnen. Setzt die Besserung ein, werden die Abstände größer. Bei anhaltender Besserung wird die Einnahme beendet.

Pulsatilla D12 eignet sich ebenfalls zur Behandlung von akuten Krankheiten. Diese Potenz sollte aber nur ein bis zwei Mal täglich eingenommen werden. Das gleiche gilt für Pulsatilla D30 und Pulsatilla C30.

Höhere D-Potenzen (erkenntlich an einer Zahl von 200 und höher nach dem Buchstaben D), C-Potenzen höher als Pulsatilla C30 sowie homöopathische Tropfen (zum Beispiel Pulsatilla LM 6) sollten nur nach Verordnung durch einen Homöopathen eingesetzt werden. Sie kommen bei schweren Krankheitsverläufen und chronischen Krankheiten zum Einsatz.

Die Pulsatilla Anwendung bei psychischen Beschwerden sollte mit drei Globuli Pulsatilla C30 durchgeführt werden. Die Pulsatilla Wirkung im psychischen Bereich zeigt sich bei dieser Potenz am besten. Nach der Einnahme wartet man mindestens einen Tag ab, um den Verlauf beurteilen zu können. Wird es nötig, kann man die gleiche Pulsatilla-Dosierung nochmals wiederholen.

Homöopathische Arzneimittel haben keine Nebenwirkungen, beim Auftreten von Erstverschlimmerungen muss aber die Einnahme von Pulsatilla unterbrochen werden. Bei Selbstmedikation sollte eine rasche Besserung der Beschwerden spürbar sein.

Typische Pulsatilla Anwendungsgebiete

Beschwerden der Gallenblase

- nach schwerem, fettigem Essen, mit Druck- und Völlegefühl im Magen

Eine Woche lang täglich einmal 3 Globuli Pulsatilla D12 abends einnehmen

Durchfall und Erbrechen

- vor allem nach dem Verzehr von fettem Essen, Eis, Gebäck oder Kuchen
- sehr geeignet für Kinder bei Übelkeit mit Erbrechen

3 Globuli Pulsatilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Pulsatilla D12 zweimal täglich

Verdauungsbeschwerden

- mit Übelkeit, Aufstoßen und Erbrechen nach fettigem Essen, Eis oder Durcheinanderessen
- kein Durst

3 Globuli Pulsatilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Pulsatilla D12 zweimal täglich

Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

- gelblich klebrige Sekretabsonderung mit verklebten Augenlidern
- häufig verbunden mit Juckreiz
- Lider brennen und sind geschwollen

3 Globuli Pulsatilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Pulsatilla D12 zweimal täglich
3 Globuli Pulsatilla C30 in Wasser auflösen und damit die Augen auswaschen

Gerstenkorn

- bei wiederkehrenden Gerstenkörnern vor allem am Oberlid
- die Lider sind rot und geschwollen
- im Augenwinkel ist ein weißlich gelbes Sekret

Eine Woche lang täglich einmal 3 Globuli Pulsatilla D12 abends einnehmen

Ohrenschmerzen

- gut geeignet für Kinder, die weinerlich sind
- Patient hat das Gefühl, das Ohr sei verstopft
- Patient ist auf dem betroffenen Ohr schwerhörig

3 Globuli Pulsatilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Pulsatilla D12 zweimal täglich

Schnupfen

- abwechselnd Fließ- und Stockschnupfen mit mildem, dicklichem, grün-gelbem Nasensekret
- Verschlechterung des Geruchsinns
- Verschlimmerung abends und nachts
- frische Luft und Bewegung im Freien verbessern den Schnupfen

3 Globuli Pulsatilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Pulsatilla D12 zweimal täglich

Kopfschmerzen und Migräne

- als wollten die Schläfen und die Stirn zerspringen
- halbseitig
- Besserung beim Gehen an der frischen Luft
- besonders bei Kopfschmerzen vor und nach der Periode oder wenn die Periode ausbleibt

3 Globuli Pulsatilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Pulsatilla D12 zweimal täglich

Harnwegsinfekte
Harnblasenbeschwerden

- bei Blasenentzündungen, die durch Kälte oder Nässe entstehen
- unwillkürliches Wasserlassen durch Husten oder Lachen
- auch bei nervöser Reizblase

Eine Woche lang täglich einmal 3 Globuli Pulsatilla D12 abends einnehmen

Gelenkentzündungen (Arthritis)

- der Schmerz wandert meist auf einer Körperseite von einem Gelenk zum anderen

Eine Woche lang täglich einmal 3 Globuli Pulsatilla D12 abends einnehmen

Krampfadern (Varikosis)

- die Venen sind sichtbar gestaut

Eine Woche lang täglich einmal 3 Globuli Pulsatilla D12 abends einnehmen

Probleme in der Pubertät

- Akne, verstärkt während der Periode
- erste Periode (Menarche) kommt zu spät
- Schlafstörungen
- Schulkopfschmerzen
- schmerzhafte Knoten in den Brüsten (Mastopathie)

Bei Frauen: Nach der Periode 3 Tage lang jeweils 3 Globuli Pulsatilla D30 täglich.
Bei Männern: 3 Tage lang jeweils 3 Globuli Pulsatilla D30 täglich.

Probleme in der Schwangerschaft

- Steißlage des Fötus
- schwache Wehen
- hilft, den Mutterkuchen (Plazenta) auszustoßen

Dosierung und Potenz mit der Hebamme oder dem behandelnden Arzt absprechen

Probleme im Wochenbett

- bei schwacher Milchsekretion
- Brustentzündungen
- zu lange Nachwehen
- traurige Stimmungslage (Baby-Blues)

3 Tage lang jeweils 3 Globuli Pulsatilla D30 täglich.

Probleme in den Wechseljahren

- keine Periode gleicht der anderen
- Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen
- Stimmungsschwankungen und Weinerlichkeit
- Hitze wird schlecht vertragen

Nach der Periode 3 Tage lang jeweils 3 Globuli Pulsatilla D30 täglich.

Menstruationsbeschwerden

- dunkle, dicke Blutung
- Periode zu spät und zu schwach
- Periode bleibt aus
- Krämpfe vor und während der Regel
- frösteln und kalte Füße
- Hitzewallungen und Gemütsschwankungen vor und bei der Periode

3 Tage lang jeweils 3 Globuli Pulsatilla D30 täglich.

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Autor:
Dr. med. Manuela Mai
Quellen:
  • Metzger, J.: Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre, Band 2, Haug-Verlag, 12. Auflage, 1999
  • Bhanja, K.C.: Masterkey zur homöopathischen Materica Media, von der Lieth Verlag, 2. Auflage, 2006
  • Boger, C.M.: Synoptic Key, Similimum Verlag, 2002
  • Phatak, S.: Homöopathische Arzneimittellehre, Urban & Fischer, 5. Auflage, 2013
  • Morrison, R.: Handbuch der homöopathischen Leitsymptome und Bestätigungssymptome, KK Verlag für homöopathische Literatur, 2. Auflage, 1997
  • Kovacs Dr. med., H. et al: Homöopathie So heile ich mich selbst, BLV Buchverlag, 2008
  • Tyler, M.L.:Homöopathische Arzneimittellehre, Burgdorf Verlag, 1993
  • Deutscher Zentralverband homöopathischer Ärzte: www.homoeopathie-online.info/ (Abruf: 10.10.2016)
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