Cortisol

Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Das Cortisol ist ein Hormon, das in der Nebenniere hergestellt und in der Leber abgebaut wird. Es gehört zu der Gruppe der Glukokortikosteroide und hat zahlreiche Funktionen im Körper. So nimmt es unter anderem Einfluss auf den Kreislauf und die Ausscheidungsfunktion der Niere. Lesen Sie hier alles Wichtige über Bildung und Funktion von Cortisol, Normwerte und Erkrankungen, die den Cortisolspiegel beeinflussen.

Was ist Cortisol?

Das Cortisol (auch Hydrokortison genannt) ist ein Steroidhormon, das in der Nebennierenrinde hergestellt wird. Im Anschluss gelangt es in die Blutbahn. In der Leber wird das Hormon abgebaut und schließlich über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden.

Wie wird das Cortisol gebildet?

Der Körper steuert die Cortisolproduktion mit Hilfe eines sensiblen Regelkreises verschiedener Hormone. An der Spitze steht das Kortikotropin-Releasing-Hormon CRH aus dem Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns). Dieses wird in Schüben abgegeben und fördert die Bildung und Ausschüttung eines Hormons der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) – dem ACTH (kurz für Adrenocorticotropes Hormon).

Das ACTH wiederum stimuliert in der Rinde der Nebenniere die Bildung und Freisetzung von Cortisol. Unter dem Einfluss von ACTH steigt die Cortisol-Konzentration im Blut bereits nach wenigen Minuten an.

Unser Körper hat aber auch einen Feedback-Mechanismus im Regelkreis eingebaut: Das freigesetzte Cortisol hemmt die Ausschüttung von CRH und ACTH, sodass es nicht zu einer immer weiterlaufenden Produktion und einem Cortisolüberschuss kommt.

Welche Aufgaben hat das Cortisol?

Hauptaufgabe des Cortisols ist die Bereitstellung von Energie aus den Energiespeichern des Körpers. Gleichzeitig verringert es den Energieumsatz des Körpers. Da das besonders in anstrengenden Situationen (Nahrungsmangel, körperliche Anstrengung oder psychischer Stress) wichtig ist, wird das Cortisol umgangssprachlich auch als „Stresshormon“ bezeichnet.

Zusammengefasst hat Cortisol folgende Wirkungen:

  • Es aktiviert oder hemmt die Transkription verschiedener Gene, also gewissermaßen das Ablesen der in den Genen gespeicherten Erbinformation.
  • Als Gegenspieler zum Insulin hebt das Cortisol den Blutzuckerspiegel an.
  • Es fördert den Abbau der körpereigenen Eiweißspeicher.
  • Es unterstützt die Auflösung der Fettspeicher, unter anderem indem es die Wirkung von Adrenalin erhöht.
  • Es steigert die Schlagkraft des Herzmuskels, den Blutdruck und die Atemfrequenz.
  • Es verhindert inadäquate Reaktionen des Immunsystems und hemmt Entzündungen.
  • Es hemmt das Längenwachstum von Knochen.
  • Im zentralen Nervensystem steigert Cortisol die Aufmerksamkeit und die Informationsverarbeitung, verbessert die Merkfähigkeit und regt den Appetit an.

Zusätzlich ist Cortisol für die Entwicklung des Embryos von großer Bedeutung, genauer gesagt für die Entwicklung der Lunge, der Niere und des Herzens sowie die Ausbildung des Immunsystems.

Wann bestimmt man den Cortisolspiegel?

Der Cortisolspiegel ist vor allem wichtig bei der Diagnostik und Kontrolle von Erkrankungen der Nebenniere wie zum Beispiel:

  • Morbus Cushing (Störung der Hirnanhangsdrüse)
  • Adenom der Nebennierenrinde (gutartige Wucherung)
  • bösartiger Tumor der Nebennierenrinde
  • ACTH-produzierender Tumor (zum Beispiel kleinzelliges Bronchialkarzinom)
  • Funktionsschwäche der Nebennierenrinde (Addison-Krankheit)
  • Adrenogenitales Syndrom (Stoffwechselstörung mit verminderter Cortisolbildung)

Sowohl im Blut als auch im Urin und Speichel kann der Arzt das Cortisol messen.

Cortisol: Funktionstests

Um die Funktion des hormonellen Regelkreises rund um das Cortisol zu überprüfen, setzt der Arzt eine Reihe von Funktionstests ein. Bei diesen stimuliert oder hemmt er einzelne Schritte des Regelkreises und beobachtet die Reaktion des Körpers. Beispiele für solche Funktionstests:

Beim CRH-Test verabreicht der Arzt dem Patienten das Hormon CRH. Beim Gesunden kommt es zu einem Anstieg der „Folgehormone“ ACTH und Cortisol.

Beim ACTH-Test wird ACTH verabreicht, was normalerweise den Cortisolspiegel ansteigen lässt. Bei einer Störung der Nebennierenrinde bleibt dieser Cortisolanstieg aus oder ist deutlich vermindert.

Beim Metopiron-Test gibt der Arzt dem Patienten Metopiron – eine Substanz, die das Enzym 11-Beta-Hydroxylase hemmt. Dieses sorgt für die Umwandlung von Desoxycortisol in Cortisol. Die Enzymblockade lässt den Cortisol-Spiegel sinken, was bei Gesunden einen ACTH-Anstieg auslöst. Der Körper will die Cortisol-Produktion damit steigern, was aufgrund der Enzymhemmung aber nur zu einem Anstieg von Desoxycortisol führt. Bleibt dieser Anstieg aus, liegt möglicherweise eine gestörte ACTH-Freisetzung oder ein Enzymdefekt bei der Steroidhormonsynthese vor.

Beim Dexamethason-Hemmtest verabreicht der Arzt das Glukokortikoid Dexamethason, das normalerweise die ACTH-Ausschüttung beeinträchtigt, sodass der Cortisolspiegel sinkt. Ist das nicht der Fall, kann das ein Hinweis auf eine krankhafte Hormonproduktion außerhalb des Regelkreises sein (Hyperkortisolismus).

Cortisolwerte: Tabelle mit Normalwerten

Da der Cortisolspiegel durch die schubweise CRH-Ausschüttung im Tagesverlauf schwankt, hängt der Sollwert davon ab, wann die Probenentnahme stattfindet. Morgens ist der Cortisolspiegel zum Beispiel am höchsten. Für Erwachsene gelten folgende Normalwerte:

Zeitpunkt der Probenentnahme

Cortisol im Blut (Serum oder Plasma; in µg/dl)

Cortisol im Speichel (in nmol/l)

8 Uhr

4 bis 22

11 bis 28

12 Uhr

4 bis 20

24 Uhr

0 bis 5

2 bis 4

Bestimmt der Arzt die Cortisolkonzentration im Urin, sollte diese zwischen 7,3 und 23,5 µg/24 Stunden betragen.

Normalwerte bei Kindern

Für Kinder gelten andere Cortisol-Normwerte als für Erwachsene. Im Idealfall nimmt der Arzt die Blutprobe um 8 Uhr morgens. In Abhängigkeit vom Alter gelten dann folgende Normwerte:

Alter des Kindes

Cortisol im Blut (in µg/dl)

5. Lebenstag

0,6 bis 20

2. bis 12. Lebensmonat

2,4 bis 23,0

2. bis 15. Lebensjahr

2,5 bis 23,0

16. bis 18. Lebensjahr

2,4 bis 29,0

Die Cortisolkonzentration im Urin sollte bei Kindern vom 1. bis 10. Lebensjahr 2 bis 27 µg/24 Stunden betragen, vom 11. bis 20. Lebensjahr 5 bis 55 µg/24 Stunden.

Wann ist das Cortisol erniedrigt?

Eine chronisch erniedrigte Cortisol-Konzentration bezeichnet man als Hypokortisolismus. Typische Beschwerden sind unter anderem Leistungsabfall, Schwäche, Übelkeit und niedriger Blutdruck. Die Ursache ist eine Funktionsstörung der Nebennierenrinde (Nebennierenrindeninsuffizienz). Der Mediziner unterscheidet je nach dem Ort der Störung primäre, sekundäre und tertiäre Formen der Insuffizienz:

Primärer Hypokortisolismus (Morbus Addison)

Beim primären Hypokortisolismus, der auch Morbus Addison genannt wird, liegt die Störung direkt in der Nebennierenrinde. In fast allen Fällen liegt das an einer Autoimmunerkrankung, die zur Zerstörung der Nebennierenrinde führt. Seltenere Ursachen sind:

  • Blutungen
  • Tumoren der Nebennierenrinde (auch Metastasen von Tumoren in anderen Körperregionen)
  • Infektionen wie zum Beispiel Tuberkulose
  • Entfernung der Nebenniere bei einer Operation
  • Einnahme bestimmter Medikamente (zum Beispiel das schlaffördernde Anästhetikum Etomidat)

Neben den allgemeinen Symptomen eines niedrigen Cortisolspiegels leider Patienten mit der Addison-Krankheit an Unterzucker, Verlust von Flüssigkeit und Natrium über die Nieren, Übersäuerung (Azidose) und einer starken Pigmentierung der Haut.

Sekundärer und tertiärer Hypokortisolismus

Liegt die Schädigung im Gehirn, also in der Hirnanhangsdrüse oder im Thalamus, spricht der Arzt von sekundärem beziehungsweise tertiärem Hypokortisolismus. Die häufigste Ursache ist das abrupte Absetzen einer Langzeittherapie mit Kortisol. Manchmal stecken aber auch Traumata oder große gutartige Wucherungen (Adenome) dahinter.

Wann ist das Cortisol erhöht?

Ist das Cortisol zu hoch, spricht der Arzt von Hyperkortisolismus oder Cushing-Syndrom. Der Großteil der Cushing-Syndrome ist auf die Verabreichung von Glucocorticoiden zurückzuführen wie zum Beispiel bei Autoimmunerkrankungen. Andere Gründe für erhöhte Cortisolspiegel sind cortisolproduzierende Tumoren der Nebennierenrinde oder auch ACTH-produzierende Tumoren. Letztere können sowohl in der Hirnanhangsdrüse als auch in anderen Regionen des Körpers entstehen.

Übrigens: Der Begriff Cushing-Syndrom darf nicht mit dem Morbus Cushing verwechselt werden. Während das Cushing-Syndrom nämlich ein anderes Wort für Hyperkortisolismus ist, liegt beim Morbus Cushing ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse vor, der unabhängig vom Regelkreis ACTH herstellt.

Hoher Cortisolspiegel: Folgen

Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel führt unter anderem zu:

  • Osteoporose
  • Verkümmerung der Muskulatur
  • Fetteinlagerung am Körperstamm (Stammfettsucht mit Stiernacken und rundem Vollmondgesicht)
  • Bluthochdruck
  • Bindegewebsschwäche
  • dünner Haut
  • verzögerter Wundheilung
  • Magengeschwüren
  • diabetischer Stoffwechsellage
  • Ödemen (Wassereinlagerungen im Gewebe)
  • depressiver Stimmung

Führt die vorliegende Erkrankung gleichzeitig zu erhöhten ACTH-Spiegeln, wird zusätzlich zur Cortisolproduktion die Synthese von männlichen Sexualhormonen gesteigert. Bei betroffenen Frauen ist der Menstruationszyklus gestört. Zusätzlich kann sich ein männliches Behaarungsmuster (wie Bartwuchs) entwickeln.

Was tun bei verändertem Cortisolwert?

Aufgrund der individuellen Schwankungen der Hormonspiegel hat ein einzelner Cortisolwert wenig Aussagekraft. Bessere Informationen liefern wiederholte Messungen oder die oben genannten speziellen Stimulationstests.

Ist der Cortisolwert zu hoch, weil ein hormonproduzierender Tumor vorliegt, wird dieser operativ entfernt und/oder medikamentös behandelt. Im zweiten Fall werden Medikamente verabreicht, welche die Synthese von Cortisol hemmen.

Bei einem Hypokortisolismus hingegen verordnet der Arzt eine Hormonersatztherapie mit Medikamenten, die Vorstufen von Cortisol enthalten.

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