Blutgerinnung

Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Die Blutgerinnung wird auch als sekundäre Hämostase bezeichnet und ist ein lebenswichtiger Prozess im Körper. Über die Gerinnungskaskade verschließt die Blutgerinnung mit Hilfe von Blutgerinnseln (rote Thromben) blutende Wunden. Erfahren Sie hier mehr über die verschiedenen Gerinnungsfaktoren und wie die Blutgerinnung funktioniert.

Was ist die Blutgerinnung?

Während die primäre Hämostase Blutungen nur provisorisch verschließt, dichtet die Blutgerinnung (sekundäre Hämostase) Wunden mit Hilfe eines "roten Thrombus" fest ab. Er besteht hauptsächlich aus quervernetztem Fibrin und darin eingelagerten roten Blutkörperchen.

Die komplexen Mechanismen der Gerinnung werden in ihrer Gesamtheit auch als Gerinnungskaskade bezeichnet. Daran beteiligt sind vor allem verschiedene Gerinnungsfaktoren. Diese tragen eigene Namen, werden aber auch mit römischen Ziffern durchnummeriert. Sie werden erst vor Gebrauch aktiviert werden. Dies schützt vor einer zufälligen und ungewollten Bildung von Thromben, welche die Gefäße verschließen könnten.

Die Namen der Gerinnungsfaktoren ändern sich teilweise mit ihrer Aktivierung. Außerdem wird dann ein kleines „a“ nach der römischen Ziffer eines Faktors angefügt. So wird aus Fibrinogen (Faktor I) Fibrin (Faktor Ia) und aus Prothrombin (Faktor II) Thrombin (Faktor IIa).

Blutgerinnung: Ablauf

Man kann die Blutgerinnung in einen extrinsischen und intrinsischen Weg unterteilen, die unterschiedlich schnell ablaufen, jedoch beide in einer gemeinsamen Endstrecke aufeinander treffen.

Extrinsischer Weg der Blutgerinnung

Wir bluten aus einer Wunde, wenn Blutgefäße mitverletzt werden. Bei solchen Gefäßverletzungen wird auch die innere Wand der Gefäße, das Endothel, beschädigt. Unter dem Endothel liegt neben vielen weiteren Stoffen der sogenannte Tissue Factor (Gewebethromboplastin, Faktor III). Er aktiviert bei einer Verletzung den Faktor VII im Blut zu Faktor VIIa. Dieser wiederum aktiviert Faktor X zu Faktor Xa.

Die extrinsische Gerinnung läuft innerhalb von Sekunden ab.

Intrinsischer Weg der Blutgerinnung

Neben dem Faktor III befindet sich auch Kollagen unter dem Endothel, das eine wichtige Rolle in der primären Hämostase spielt. Zusätzlich aktiviert es zusammen mit zwei anderen Stoffen (Kallikrein und Kininogen) den Faktor XII. Dieser wiederum aktiviert den Faktor XI (zu Faktor XIa), der seinerseits Faktor IX aktiviert (zu Faktor IXa). Zusammen mit dem Faktor VIIIa (sowie Kalzium-Ionen und Phospholipid) bildet Faktor IXa den Faktor X zu Faktor Xa.

Die intrinsische Gerinnung vollzieht sich im Bereich von Minuten.

Gemeinsame Endstrecke

Das extrinsische und das intrinsische Gerinnungssystem enden also mit der Aktivierung des Gerinnungsfaktors X (zu Faktor Xa) und treten dann in die gemeinsame Endstrecke ein: Faktor Xa bildet mit Faktor Va den Faktor-Xa-Va-Komplex (Prothrombinase). Die Prothrombinase aktiviert den Faktor II zu Faktor IIa (Thrombin). Thrombin spaltet von Faktor I (Fibrinogen) kleine Teile ab, die Fibrin-Monomere (Faktor Ia). Sie werden mit Hilfe des Faktor XIIIa miteinander verklebt.

Dieses stabile Fibrinnetz festigt die bereits aneinandergelagerten Blutplättchen (Thrombozyten) am Ort des Gefäßlecks. Rote Blutkörperchen verfangen sich in dem Netz, wodurch ein roter Thrombus entsteht. Im weiteren Verlauf wandern Bindegewebszellen in den Thrombus ein, womit die Wundheilung beginnt.

Gerinnungsfaktoren: Tabelle

Es gibt 12 verschiedene Gerinnungsfaktoren, durchnummeriert von I bis XIII. Einen Faktor VI gibt es nicht.

Römische Ziffer

Name

I

Fibrinogen

II

Prothrombin

III

Tissue Factor, Gewebethromboplastin

IV

Kalzium

V

Proakzelerin

VII

Prokonvertin

VIII

Antihämophiliefaktor A

IX

Antihämophiliefaktor B oder auch Christmas-Faktor

X

Stuart-Prower-Faktor

XI

Plasma-thromboplastin-antecendent (PTA)

XII

Hageman-Faktor

XIII

fibrinstabilisierender Faktor

Die Gerinnungsfaktoren der Gerinnungskaskade verstärken sich zusätzlich auf zum Teil noch nicht geklärte Weise untereinander. Deswegen sind verschiedene Proteine notwendig, welche die Gerinnung teilweise hemmen, damit ein Gleichgewicht entsteht. Dazu zählen unter anderem Antithrombin, Protein C und Protein S.

Antithrombin

Mehr über dieses Protein erfahren Sie im Artikel Antithrombin.

Wann prüft man die Blutgerinnung?

Wenn jemand bei Verletzungen ungewöhnlich lange blutet, muss mit Hilfe von Labortests eine Störung der primären Hämostase oder der sekundären Hämostase (Blutgerinnung) ausgeschlossen werden. Eine solche Blutgerinnungsstörung kann angeboren oder erworben sein.

Auch bei Menschen mit Lebererkrankungen wird die Blutgerinnung überprüft, weil die Leber der Bildungsort der Gerinnungsfaktoren ist.

Über die Bestimmung der Blutgerinnung lässt sich zudem eine gerinnungshemmende Behandlung mit oralen Antikoagulantien (wie Phenprocoumon oder Warfarin) kontrollieren.

Vor Operationen wird routinemäßig die Blutgerinnung überprüft, um ein erhöhtes Blutungsrisiko auszuschließen.

Quick-Wert / INR

Bei einer Störung des extrinsischen Weges der Blutgerinnung ist der sogenannte Quick-Wert erniedrigt. Mögliche Ursache ist zum Beispiel ein Mangel an Vitamin K, das die Leber zur Herstellung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X braucht.

Bei manchen Menschen sind die einzelnen Gerinnungsfaktoren aufgrund von Erbkrankheiten vermindert. Beispielsweise wird der Mangel an Faktor VIII als Hämophilie A und ein Defizit an Faktor IX als Hämophilie B bezeichnet. In beiden Fällen läuft die Blutgerinnung sehr langsam ab – Blutungen lassen sich also nur schwer stillen.

Lebererkrankungen wie Leberzirrhose können ebenfalls die Ursache für einen erniedrigten Quick-Wert sein.

Auch die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten mit Cumarinen verringert den Quick-Wert. Allerdings ist hier die verminderte Produktion der Gerinnungsfaktoren gewünscht (zum Beispiel nach einer Lungenembolie oder bei Vorhofflimmern).

Dagegen kann die Einnahme von Beruhigungsmitteln (Barbituraten) oder des Antibiotikums Penicillin den Quick-Wert erhöhen.

Der Quick-Wert kann je nach Testmethode variieren. Deshalb wurde die „International Normalized Ratio“ (INR) eingeführt, die Quick-Werte vergleichbar macht. Die INR ist bei einem erniedrigten Quick-Wert zu hoch und bei einem erhöhten Quick-Wert zu niedrig.

Partielle Thromboplastinzeit (PTT)

Zur Überprüfung des intrinsischen Weges wird die partielle Thromboplastinzeit (PTT) gemessen. Sie ist bei Störungen dieses Abschnitts der Blutgerinnung erhöht. Das ist etwa bei den oben erwähnten Hämophilien der Fall. Auch andere Störungen der Blutgerinnung (wie das von-Willebrand-Syndrom) sowie eine Behandlung mit dem Gerinnungshemmer Heparin verringern die PTT.

Umgekehrt kann die Partielle Thromboplastinzeit in der Schwangerschaft, durch die Einnahme der Verhütungspille sowie nach Operationen verringert sein.

Was tun bei veränderten Werten der Blutgerinnung?

Kleinere Abweichungen sind meist nicht besorgniserregend. Lässt allerdings eine veränderte Blutgerinnung eine Erkrankung vermuten, werden weitere Tests und Untersuchungen bis zur endgültigen Diagnose durchgeführt. Ihr Arzt wird in diesem Fall das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen.

Bei einer Behandlung mit Gerinnungshemmern sind abweichende Werte der Blutgerinnung (innerhalb eines gewissen Rahmens) das Ziel der Therapie.

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